Karl Borromäus Ferdinand Putz von Rolsberg

Freiherr Karl Putz von Rolsberg als Reichratsabgeordneter 1899

Karl Ferdinand Borromäus Freiherr Putz von Rolsberg (* 18. Oktober 1852 auf Schloss Leitersdorf; † 12. Januar 1921 ebenda) war ein Rittmeister d. R., Politiker sowie Herr auf Leitersdorf (Litultovice) und Weiss-Oelhütten (Bílá Lhota).[1] Er war ein langjähriges Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrats (1891-1897 und 1907-1912).

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Biographie

Er absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien sowie das der landwirtschaftlichen Schule. Dann übernahm er in Eigenregie die Landwirtschaft auf dem auf den Gütern seines Vaters.[2] Der Freiherr wurde 1891 zum kaiserlichen Rat gewählt. Erstmalig gelang ihm der Wahlsieg im Bezirk 11 Troppau-Wagstadt. Im Abgeordnetenhaus gehörte er der Mittelpartei des linken Zentrums an. Im Jahr 1896 initiierte er die „Tschechische Zentrale Wirtschaftsgesellschaft für das Herzogtum Schlesien“ und wurde auch zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt. Er verteidigte die beruflichen Interessen der Tschechischen landwirtschaftlichen Verbände, vor allem in Olmützer Region.war seit 1908 Vorsitzender des Nationalen Rates für Tschechisch-Schlesien. Beim zweiten Mal kandidierte er für die tschechisch-klerikalen Agrarier.[2]

1909 hatte er ein Pistolenduell mit dem Abgeordneten der Alldeutschen Vinzenz Malik ausgetragen, weswegen ihm der Reichsrat [erst] 1912 seine Immunität aufhob, woraufhin er sein Mandat niederlegte. Gerichtlich belangt wurde er für dieses Offizialdelikt jedoch nicht, weil der Kaiser jeden, der Reserveoffizier war, für diesen Fall amnestierte.[3]

Rolsberg setzte sich entschieden für die Belange seiner tschechischen Wähler ein. Europäische, übernationale Einstellung gehörte zu den Eigenheiten des altösterreichischen Adels und des Vielvölkerstaates. Ihm verdanken die Tschechen auch die Errichtung einer Bürgerschule in Jaktar an der [damaligen] Troppauer Stadtgrenze. Weiters förderte er durch Stipendien hilfsbefürftige Schüler am Troppauer Gymnasium. Mit dem tschechischen Dichter Petr Bezruč (Vladimir Vasek) war Karl eng befreundet. Nach dem Krieg weilte auch mehrmals der tschechoslowakische Ministerpräsident Antonín Švehla auf Schloss Leitersdorf.

Er übertrug testamentarisch die Verwaltung der Güter, da alle anderen volljährigen männlichen Mitglieder bereits verstorben waren, seinem Schwiegersohn k. u. k. Infanteriegeneral Alfred Freiherr von Waldstätten.[4]

Wappen der Familie Putz von Rolsberg am alten Schloss

Familie

Der Baron wurde am 20. März 1876 in Mainz mit Susanne Friederike Berta Hermine Freiin Lenk von Wolfsberg (* 28. Dezember 1843 in Mainz; † 12. Oktober 1906 in Wien), Tochter des K. u. K. Feldzeugmeisters Nikolaus Wilhelm Freiherr Lenk von Wolfsberg.[5] getraut. Mit ihr hatte er vier Kinder, drei Töchter und den Sohn Maximilian Wilhelm, Bezirkskommissär und k.u.k. Leutnant d. R., (* 24. Dezember 1876 auf Schloss Leitersdorf; † 3. September 1914, gefallen in der Schlacht bei Tarnobrzeg/Galizien), verheiratet mit Maria Christine Eva Daniela Freiin von Sobeck, Skal und Kornitz (* 10. April 1885 in Troppau; † 4. Oktober 1918 in Wien).[6]

Für Aufsehen sorgte die Hochzeit seiner drei Töchter binnen weniger als zwei Jahren. So heirarteten Katharina Berta Maria (* 15. August 1879; † 18. Juli 1947) am 16. November 1898 den späteren k.u.k. Obersten, Kommandanten des Inf. Reg. 41, Eberhard Stefan Maria Mayerhoffer von Vedropolje (1878-1914), Eva Anastasia (* 2. Juli 1878; † 1. Juli 1946) am 11. Oktober 1899 den späteren Oberstleutnant und Grafen Alexander Wassilko von Serecki (1871-1920) und Bertha (Hertha) Malwine Antonia (* 10. Oktober 1881 † 9. Dezember 1972) am 20. Oktober 1900 den späteren k.u.k. General der Infanterie Alfred Freiherren von Waldstätten (1872-1952).

Karl heirartete nach dem Tod seiner Gattin ein zweites Mal, nämlich Marianne Freiin von Stillfried und Rathenitz Anno 1908.

Das Andenken des mehrere Male zum Bürgermeister von Leitersdorf[2] gewählten Freiherren wird noch heute von der tschechischen Bevölkerung in Ehren gehalten. Dessen Grab, auf eigenen Wunsch außerhalb der Familiengruft, wird ständig gepflegt, das Mausoleum unterliegt der offiziellen Denkmalspflege.

Einzelnachweise

  1. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser. Band 31, 1881.
  2. a b c http://www.opava-city.cz › O městě
  3. Troppauer Heimatchronk. Folge 303, St. Otto-Verlag, Bamberg, 1975.
  4. Troppauer Heimatchronk. Folge 303, St. Otto-Verlag, Bamberg, 1975, S. 81 ff
  5. Maximilian Mayerhoffer: Stammtafel und Adelsnachweise der Familie Putz von Rolsberg. Tannheim 1951
  6. Stammtafel der Freiherren von Sobeck, Skal und Kornitz

Literatur

  • Deutsches Adelsarchiv, Deutscher Adelsrechtsausschuss: Genealogisches Handbuch des Adels. Band 120, Verlag C.A. Starke, 1999, S. 327.
  • Maximilian Mayerhoffer: Stammtafel und Adelsnachweise der Familie Putz von Rolsberg. Tannheim 1951.
  • Troppauer Heimatchronk. Folge 303, St. Otto-Verlag, Bamberg 1975.