Karl Ebner

Karl Ebner (* 27. Oktober 1901 in Franzensfeste; † 11. November 1983 in Lienz) war stellvertretender Leiter der Geheimen Staatspolizei Wien während der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Karl Ebner stammte aus einem katholischen Elternhaus und war Mitglied des österreichischen Cartellverbandes. Der promovierte Jurist begann seine Polizeilaufbahn in der Ersten Republik, wurde aber schon 1933 illegales Mitglied der NSDAP. Nach dem „AnschlussÖsterreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde Ebner in die Gestapo übernommen.

1942 avancierte Ebner zum stellvertretenden Leiter Gestapo-Leitstelle Wien, der größten Gestapoleitstelle des Deutschen Reiches. Der SS-Obersturmbannführer leitete dort das für „weltanschauliche Gegner“ und Juden zuständige Referat („Judenreferat“) und spielte damit eine Schlüsselrolle bei der Verfolgung und Beraubung der Wiener Juden während der NS-Zeit. Ebner war die „graue Eminenz“[1] in der Wiener Gestapo. Stabsstellenleiter Franz Josef Huber, mit dem Ebner befreundet war, delegierte zahlreiche Aufgaben an seinen Stellvertreter. Zum Beispiel tragen die dokumentierten Weisungen an die Zentralstelle für jüdische Auswanderung nicht Hubers, sondern Ebners Unterschrift.

Als sich im Zweiten Weltkrieg das Blatt zuungunsten Deutschlands wendete, begann Ebner für ausgewählte Personen, darunter viele Angehörige des höheren Klerus oder Mitglieder des Cartellverbandes wie er selbst, zu intervenieren. Unter anderem half er der jüdischen Frau des prominenten Schauspielers Hans Moser, nach Ungarn zu emigrieren.[2] Mit der Ablöse Hubers als Wiener Gestapo-Chef durch Rudolf Mildner verlor Ebner zunehmend Einfluss und Kompetenzen. Schließlich wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet und er wurde im März 1945 wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Häftlingsbegünstigung“ zum Tode verurteilt. In einem Gnadengesuch an Heinrich Himmler schrieb Ebner: „Ich nehme für mich in Anspruch, die verjudetste Stadt Großdeutschlands radikal von Juden gereinigt und dem Staat eine Milliarde eingebracht zu haben“[3] Das Todesurteil wurde nicht ausgeführt.

Nach Kriegsende wurde Ebner in ein britisches Internierungslager verbracht. 1948 wurde er aufgrund seiner Funktion als Abteilungsleiter bzw. stellvertretender Leiter der Wiener Gestapo vom Wiener Volksgericht zu 20 Jahren schweren Kerker verurteilt. 1953 begnadigte ihn Bundespräsident Theodor Körner und er wurde aus der Haft entlassen. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Hausverwalter bei einer Tochtergesellschaft der Creditanstalt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Thomas Mang "Gestapo-Leitstelle Wien - Mein Name ist Huber" (Referat), in: Mitteilungen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Nr. 164 (PDF)
  2. Ein guter Tag für Dr. Ebner. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 9. Dezember 1948, S. 3.
  3. Ein bewegter Tag im Prozeß Ebner. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 8. Dezember 1948, S. 3.