Karl Gottfried Hugelmann

Karl Gottfried Hugelmann (* 26. September 1879 in Wien; † 1. Oktober 1959 in Göttingen) war ein österreichisch-deutscher Jurist und Universitätsprofessor katholisch-nationaler Richtung.

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Leben

Hugelmann war der Sohn des Juristen und Statistikers Karl Heinrich Hugelmann. Er maturierte 1899 am Schottengymnasium in Wien, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promovierte 1905 zum Doktor der Rechtswissenschaften. Anschließend trat er in den Gerichtsdienst ein. Daneben war er wissenschaftlich und politisch aktiv. Ab 1918 war er als Ministerialsekretär im Bundesministerium für Soziale Verwaltung bis 1924 tätig, 1924 wurde er Professor für Deutsche Rechts- und Verfassungsgeschichte, Staatsrecht und Kirchenrecht an der Universität Wien, weiter Senator der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien 1925–1926 und Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien 1926–1927. 1921 bis 1932 war er als Mitglied der Christlichsozialen Fraktion Mitglied des Bundesrates. Hierbei war Hugelmann von dem 14. Dezember 1923 bis zum 3. Juni 1932 der stellvertretende Vorsitzende des Bundesrates.

1934 wurde der Befürworter des Anschlusses an das nationalsozialistische Deutsche Reich kurzfristig inhaftiert, aus der Christlichsozialen Partei ausgeschlossen und in den Ruhestand versetzt. Im gleichen Jahr erfolgte - gegen den Willen der Juristischen Fakultät - ein Ruf an die Universität Münster, deren Rektor Hugelmann von April 1935 bis März 1937 war. 1944 wurde Hugelmann zum korrespondierenden Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften ernannt. Hugelmann lehrte 1944/45 auch in Göttingen.

Seine Forschungsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus wird heute derartig eingeschätzt, dass er von einem großdeutschen Nationalsozialismus ausging und seine rechtshistorischen Untersuchungen zunehmend eine rechtstheoretische Legitimation des NS-Staates wurden.[1][2] So rechtfertigte er die Annexion Tschechiens als „Protektorat Böhmen und Mähren“ als vom Reichsbegriff her berechtigt, sinnvoll und einleuchtend[3] oder sprach sich für „ethnische Flurbereinigungen“ aus.[4]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hugelmann, der nicht Mitglied der NSDAP geworden war, im Entnazifizierungsverfahren als "Entlasteter" eingestuft. 1947 wurde er emeritiert. Seine Schriften Volk und Staat im Wandel deutschen Schicksals (Essener Verlagsanstalt, Essen 1940) und Die Eingliederung des Sudetenlandes (Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1941) wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5]

Ehrungen

1940 wurde Hugelmann Ehrensenator der Universität Wien. 1959 wurde ihm zu Ehren eine Festschrift herausgegeben.

Literatur

  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. (Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte; Band 6), 2004, S. 80. ISBN 3935025688
  • Liselotte Steveling: Juristen in Münster. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf., Münster 1999. ISBN 3-8258-4084-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aufarbeitung der NS-Vergangenheit: Universität stellt Zwischen-Bilanz vor, Online-Stadtmagazin vom 10. Januar 2010
  2. Die Schatten der Vergangenheit: Neue Untersuchungen zur WWU in der NS-Zeit, Münsters Universitäts-Zeitung vom 16. Dezember 2009
  3. Heinrich August Winkler, Deutschland, eine Jahrhundertfrage, Der Spiegel Heft 8/2007vom 17. Februar 2007.
  4. Michael Billig, Forscher dienten bereitwillig dem NS-Regime , Münstersche Zeitung Online vom 12. Januar 2010
  5. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone: Liste der auszusondernden Literatur, Berlin: Zentralverlag, 1946