Karl Kolbielski

Karl Kolbielski (Glave-Kolbielski oder auch Glave-Kobielski), (* 4. August 1752 in Stettin; † 13. August 1831 in Ofen) war Abenteurer, politischer Agent, Publizist, Finanzfachmann und Unternehmer.

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Leben

Er war der Sohn von Hermann Caspar Glave († 1786), Hofrat, Landsyndikus von Vorpommern. Er studierte Rechtswissenschaften an mehreren Universitäten und promovierte 1771 in Halle. Kolbielski arbeitete dann für den Staat in Stettin, Berlin und beim Hofgericht in Königsberg. 1779 wurde er Regierungsrat und von Großkanzler Carmer mit der Reorganisation des Justizwesens in Ostpreußen beauftragt. Er machte sich aber viele Feinde und wurde 1786 wegen Amtsmissbrauchs und Bestechlichkeit zu 2 Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßen der Haft wurde er 1788 nach Polen abgeschoben. In Warschau wurde er politischer Berater u.a. von König Stanislaw August Poniatowskis und Agent mehrerer Regierungen. Kolbielski erwarb die Herrschaft Kolbiele in Galizien und vermittelte polnische Anleihen nach Holland.

Der österreichische Diplomat Franz Graf von Dietrichstein warb ihn als geheimen politischen Publizisten an. Unter wechselnden Pseudonymen verfasste Kolbielski in den Jahren 1794 - 1799 eine große Zahl antipreußischer, antirussischer und antifranzösischer Schriften, die durch stilistische Gewandtheit und scharfe Polemik Aufsehen erregten [1]. Bekannt wurden vor allem das „Sendschreiben an Frankreichs Nationalconvent“ und die „Germania im Jahre 1795“.

Seit 1799 machte Kolbielski als phantasievoller Unternehmer und Projektemacher von sich reden. Unterstützt von der Wiener Kommerzial-, Leih- und Wechselbank[2], begann er, englische Techniker und Facharbeiter anzuwerben. Aus Hamburg brachte er den aus Manchester stammenden John Thornton nach Wien, der für die österreichischen Baumwolltextil- und Spinnmaschinenindustrie bedeutend wurde. Nachdem er für österreichische Auftraggeber in England und Deutschland Industriespionage getrieben hatte, wurde er schließlich aus England ausgewiesen. Er erhielt ein Exklusivprivileg für die Herstellung von Spinnmaschinen, doch wurde dieses 1801 wieder zurückgezogen. Auch andere Unternehmungen Kolbielskis in dieser Zeit schlugen fehl (spekulative Getreidelieferungen von Galizien nach England, etliche Projekte von Banken, Versicherungen und Garnmanufakturen und die Gründung einer Maschinenfabrik in Sechshaus bei Wien). Am Wiener Hof war er aber als Finanzfachmann angesehen, blieb 1809 als österreichischer Spion im besetzten Wien und soll an einer Verschwörung gegen Napoleon beteiligt gewesen sein. Im März 1810 wurde er von der österreichischen Polizei verhaftet und bis 1813 festgehalten. Dann war er 15 Jahre in der Festung Leopoldstadt in Ungarn (heute Slowakei) in Haft. 1828 wurde er durch die Fürsprache von Erzherzog Ferdinand entlassen und wohnte dann in Ofen/Budapest.

Literatur

  • Alfred F. Pribram und Erich Fischer, Ein politischer Abenteurer (K. G.-K., 1752-1832), Wien 1937
  • Johann Slokar, Geschichte der österreichischen Industrie, Wien 1914
  • Anton Ernstberger, Österreich und Preußen von Basel bis Campoformio, 1795–97, Prag 1932
  • Otto Tschirch, Geschichte der öffentlichen Meinung in Preußen, Weimar 1933-1934

Weblinks

Einzelnachweise

  1. z.B. Über die politische Lage und das Staatsinteresse Preußens...
  2. Herbert Matis, Die Schwarzenberg-Bank auf oeaw.ac.at