Karl Pawek

Karl H. Pawek, (* 27. August 1906 in Wien[1]; † 24. September 1983 in St. Peter bei Freiburg) war Mitbegründer verschiedener Zeitschriften, darunter Die Pause, 1935 und magnum, 1954. Pawek war auch Redakteur der Zeitschrift stern und soll mittels Strohmann auch an der Zeitschrift Austria International federführend beteiligt gewesen sein[2].

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Pawek besuchte das Gymnasium im fürsterzbischöflichen Knabenseminar in Hollabrunn mit dem Ziel, Priester zu werden und schloss mit der Matura ab. Nach einem abgebrochenem Theologie-Studium erwarb Pawek den Doktor der Scholastik in Innsbruck. Nach eigenen Angaben hat Pawek Theologie, Philosophie und Staatswissenschaften studiert. Im Anschluss an die Promotion arbeitete Pawek als Kulturreferent in der Katholischen Aktion und wurde zum Generalsekretär der Katholischen Kulturwochen bestellt. 1935 gründete er im Rahmen des Volksbildungswerks des Wiener Bürgermeisters die Zeitschrift Die Pause und wurde dort so genannter Hauptschriftleiter. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich (Anschluss (Österreich)) verlor er diesen Posten und wurde stellvertretender Hauptschriftleiter. Eine von ihm beantragte Mitgliedschaft in der NSDAP wurde ihm verweigert, obwohl er freiwillig Mitgliedsbeiträge bezahlte[2] und in seiner Zeitschrift regimefreundliche Artikel erschienen.

Soldat

1942 wurde Pawek als Soldat nach Eisenstadt eingezogen, dann aber wegen schwerer Nervenzustände nicht an die Front kommandiert. Aufgrund einer Denunziations Paweks wurden die Offiziere Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke am 8. April 1945 hingerichtet, weil sie eine kampflose Übergabe der Stadt Wien an die Rote Armee vorbereitet hatten (Operation Radetzky), wovon Pawek zufällig erfahren hatte. Pawek wurde wegen dieser Denunziation zum Unteroffizier befördert, kurz bevor die Stadt Wien am 13. April durch sowjetische Truppen besetzt wurde. Pawek floh nach St. Gilgen und arbeitete für die amerikanische Militärregierung beim Salzburger Radiosender.

Verurteilung

Nach seiner Verhaftung am 16. Juli 1945 verurteilte ihn das so genannte Volksgericht am 21. Juli. Pawek wurde wegen der Denunziation der Operation Radetzky mit den Worten „zur Strafe des schweren Kerkers in der Dauer von (3) drei Jahren, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich, sowie eine Dunkelhaft an jedem 5. April des Jahres, […] zum Ersatze der Kosten des Strafverfahrens verurteilt. Auf diese Strafe ist die Haft vom 16. Juli 1945, 22 Uhr bis 21. November 1947, 12. Uhr anzurechnen“. Die vergleichsweise milde Bestrafung resultierte aus einem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen. Pawek musste die gesamte Strafe absitzen, obwohl sich Minister Felix Hurdes für ihn eingesetzt hatte.

Nachkriegskarriere

Weil Belastete bis zu den Amnestien 1955 und 1957[3] nicht in Österreich publizistisch tätig werden durften[4], vermuten Biographen, dass sich Pawek für eine Mitarbeit an der Zeitschrift Austria International einer im Sinne des Pressegesetzes verantwortlichen Stellvertreterin (Klotilde Maria Gassner) bedient hat. Pawek tauchte erst in der Nr. 6 der Zeitschrift magnum auf, nachdem diese von Wien nach Frankfurt am Main übersiedelt war. Ehemalige Coautoren der Zeitschrift Die Pause, welche Leumundszeugnisse für Pawek während dessen Haftzeit ausgestellt hatten, schrieben auch unter der Leitung von Pawek in magnum, darunter der Kunsthistoriker und NSDAP-Mitglied Bruno Grimschitz, der Haus der Wehrmacht-Architekt Josef Hoffmann, der umstrittene Kärntner Schriftsteller Josef Friedrich Perkoning und andere Prominente mehr.[2] Pawek wurde bekannt durch die Organisation und Inszenierung der Weltausstellungen der Photographie.

Ehrungen

Sekundärquellen

  • ungezeichneter Nachruf in der Zeitschrift Camera Austria, Nr. 14, 1984, S. 82: Magnum-Gründer Karl Pawek gestorben
  • Vortrag Die Imagination der Photographie. ist eine offene Angelegenheit. Karl Pawek und die Weltausstellung der Photographie am 13. Oktober 2000 von Timm Starl auf der Tagung The Family of Man 1955 – 2000. Humanismus und Postmoderne: eine Revision von Edward Steichens legendärer Fotoausstellung, veranstaltet von der Universität Trier und des Centre national de l'audiovisuel (CNA) Luxemburg, in der Europäischen Akademie für Bildende Künste Trier, 12. – 14. Oktober 2000, veröffentlicht im Jonas-Verlag

Veröffentlichungen

  • 1960: Totale Photographie: Die Optik des neuen Realismus, Olten, Freiburg, 1960
  • 1963: Das optische Zeitalter. Grundzüge einer neuen Epoche, Olten, Freiburg, 1963
  • 1965: Panoptikum oder Wirklichkeit. Der Streit um die Photographie, Hamburg, 1965

Quellen

  1. Gerichtsakten des Volksgerichts aus den Jahren 1945 bis 1948, Ziffer VG 4 f Vr 2785. Die Akten liegen als Kopien im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands in Wien, Signaturen 6384/A und 19890/1-3
  2. a b c Timm Starl: Die Kehrseite der Geschichte. Karl Pawek: Priesterzögling, Zeitschriftengründer, NSDAP-Anwärter, Kriegsverbrecher, Psychopath, Ausstellungsmacher, Kulturpreisträger, Aufsatz in Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Periodikum, Heft 87, 2003, Jonas Verlag, Seite 65 ff. mit Foto Paweks
  3. Das Urteil gegen Pawek vom 21. November 1947 trägt den Stempel Getilgt Amnestie 1957, 26. Juli 1957
  4. Bundesverfassungsgesetz vom 6. Februar 1947 über die Behandlung der Nationalsozialisten (Nationalsozialistengesetz), StGB1 25/1947; §18: Belastete Personen ... haben die nachstehende Sühne zu tragen: ... h) Sie können sich nicht an der Gestaltung des Inhaltes einer Zeitung ..., einer Zeitungskorrespondenz oder eines Sammelwerkes, sei es durch regelmäßige Beiträge, sei es durch unregelmäßige Mitarbeit oder in irgendeiner anderen Weise, beteiligen; sie können ferner nicht ein Werk der Literatur, dessen Urheber sie sind, ... der Öffentlichkeit zugänglich machen.
  5. Karl Steinorth: Laudatio Dr. Karl Pawek in DGPh Intern, Nr. 4, 1984, S. 169–171.

Weblinks