Karl Tinzl

Karl Tinzl (* 4. Oktober 1888 in Schlanders, damals Tirol; † 11. Juli 1964 in Bozen, Südtirol) war ein Südtiroler Politiker und Anwalt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl Tinzl wuchs in Schlanders als Sohn des Anwalts und späteren Bürgermeisters Anton Tinzl und der Antonia geb. Würtz auf, besuchte wie seine Geschwister Josef Jr. und Antonia die Grundschule in Schlanders. Am von Benediktinern der Abtei Marienberg geführten humanistischen Gymnasium „Beda Weber“ in Meran legte Tinzl am 27. Juni 1906 die Matura mit Auszeichnung in allen Fächern ab.[1]

Das Studium der Jurisprudenz an der Universität Innsbruck (1906–1912) absolvierte Tinzl ebenfalls mit Auszeichnung. Am 12. Mai 1912 promovierte Karl Tinzl „sub auspiciis Imperatoris“ zum Doktor der Rechte mit einer Dissertation „Über die Grenzen des Verwandtschaftsrechtes“. Ab 1912 studierte Tinzl in Leipzig (drei Semester) und in Berlin bürgerliches Recht und Erbschaftsrecht. Im Sommer 1913 brach Tinzl sein Studium kurz vor der Habilitation ab, um seinen erkrankten Vater in Schlanders zu vertreten. Im Sommer 1914 verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges schließlich endgültig, dass Tinzl eine akademische Laufbahn einschlug.[2] Im Ersten Weltkrieg diente Tinzl (1915–1918) zunächst als Leutnant und später als Oberleutnant.

1928 heiratete Karl Tinzl Gertraud Semler (* 1904 in Meran). Aus der Ehe ging Sohn Georg hervor.[3]

März 1929 eröffnete Tinzl eine eigene Kanzlei in Schlanders.[4] Seine Kanzlei und seinen Wohnsitz verlegte Tinzl 1939 nach Bozen.[5]

Karl Tinzl zog sich 1963 aus dem öffentlichen Leben zurück, kandidierte weder für Parteiämter noch für den Senat und löste seine Kanzlei auf. Eine unheilbare Krankheit führte am 11. Juli 1964 zum Tod.[6]

Berufliche und politische Laufbahn

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Karl Tinzl an der Gründung des Deutschen Verbandes beteiligt und verhandelte 1919 für diesen in Rom um eine Autonomie für Südtirol. Tinzl kandidierte 1921 erfolgreich unter dem Edelweiß auf der Liste des Deutschen Verbandes für die italienische Abgeordnetenkammer.

Nach der Machtübernahme Benito Mussolinis versuchte sich Tinzl als Obmann des Deutschen Verbandes (1923–1926) mit den Faschisten zu verständigen. 1924 kandidierte er als Kandidat des Deutschen Verbandes im Wahlbündnis mit den Slowenen und Kroaten Istriens und konnte so trotz des neuen Wahlgesetzes zusammen mit Paul von Sternbach ins Parlament einziehen.[7]

Karl Tinzl sprach sich 1939 gegen das Optionsabkommen aus, optierte selbst aber für Deutschland. In der Folge verlegte Tinzl seine Kanzlei, die mit kurzen Unterbrechungen bis 1963 bestand, nach Bozen.[8]

Ab 1941 war Tinzl als Beamter im deutschen Umsiedlungsapparat, der Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland (ADO), tätig. Daraus ging ab dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Südtirol September 1943 der Südtiroler Ordnungsdienst (SOD) hervor, der nach SS-Muster Ordnungs- und Polizeiaufgaben ausführte und zur Verfolgung von Juden und von Dableibern (Optanten für Italien) eingesetzt wurde. Die ADO selbst wurde in Deutsche Volksgruppe umbenannt und vom Volksgruppenführer Peter Hofer geführt.

Nach dem frühzeitigen Tod Peter Hofers wurde Tinzl Dezember 1943 zum kommissarischen Präfekten der Provinz Bozen ernannt und war damit einer der höchsten Beamten der Operationszone Alpenvorland und politisch nur dem obersten Kommissar, Reichsstatthalter und Gauleiter Franz Hofer unterstellt. Franz Hofer verbot alle Parteien, ließ aber die italienische Verwaltung bestehen, nur freie Stellen wurden durch geeignete Vertreter der „deutschen Volksgruppe“ besetzt.

Tinzl agierte dabei bis 1945 im Sinn der nationalsozialistischen Obrigkeit. Der Südtiroler Ordnungsdienst operierte weiterhin. Über seine Verstrickung in verbrecherische Tätigkeiten wie im Durchgangslager Bozen und die Schuld des „Opportunisten und politischen Wendehalses“ an der Verfolgung von Dableibern gibt es unter den Historikern noch weitgehend unterschiedliche Auffassungen und Auslegungen.[9]

Nach der Übernahme der Kontrolle in Italien durch die West-Alliierten, in Südtirol durch die US-amerikanische Armee am 5. Mai 1945, wurde Tinzl zunächst zum Vizepräfekten der Provinz degradiert. Zwei italienische Beamte aus dem Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) wurden ihm vorgesetzt.

Am 8. Mai 1945 war Tinzl Gründungsmitglied der Südtiroler Volkspartei (SVP), blieb aber, um deren Zulassung nicht zu gefährden, mit zahlreichen anderen Optanten zunächst im Hintergrund. Die neue Partei setzte personell und ideologisch die Arbeit des Deutschen Verbandes fort, sogar unter demselben Parteisymbol, dem Edelweiß [10] . Am 17. Mai wurde Tinzl auf Betreiben des CLN als Vizepräfekt abgesetzt. Tinzl widmete sich nun verstärkt der politischen Aufbauarbeit und verfasste das erste Parteiprogramm. Als Optant war Tinzl zu jener Zeit staatenlos und konnte kein politisches Mandat übernehmen und auch seinen Anwaltsberuf nicht ausüben, was für ihn auch finanzielle Probleme mit sich brachte. Vergeblich wandte sich Tinzl gegen das 1946 erlassene Rückoptantengesetz, das ihn und viele andere Optanten zunächst von der Wiedererlangung der italienischen Staatsbürgerschaft ausschloss.[11] Nachdem Tinzl am 18. Dezember 1952[4] die Staatsbürgerschaft wieder erlangt hatte, war der Weg frei für seine zweite politische Karriere.

Spätere politische Karriere

Am 7. Juli 1953 wurde Karl Tinzl das dritte Mal ins römische Abgeordnetenhaus gewählt. Am 22. Mai 1954 wurde Tinzl zum 5. Obmann der SVP gewählt, die Amtszeit Tinzls als SVP Parteiobmann endete am 3. März 1956.[4] Bei den Parlamentswahlen vom 25./26. Mai 1958 kandidierte Tinzl erfolgreich für den Senat der Republik.

1961 bis 1963 nahm Tinzl an der Neunzehner-Kommission teil.[4]

Auszeichnungen

Literatur

  • Annuska Trompedeller: Karl Tinzl (1888–1964). Eine politische Biografie. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2007, ISBN 978-3-7065-4322-4.

Einzelnachweise

  1. Trompedeller, S. 11–13.
  2. Trompedeller, S. 14–23.
  3. Trompedeller, S. 74–76.
  4. a b c d e f Trompedeller, S. 333–336.
  5. Trompedeller, S. 92f.
  6. Trompedeller, S. 281–282.
  7. Trompedeller, S. 24–51.
  8. Trompedeller, S. 83–95.
  9. Zur Diskussion siehe Trompedeller, S. 96–114.
  10. http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Puff#Trivia Der Ursprung des Parteisymbol Edelweiss
  11. Trompedeller, S. 115–128.
  12. Tormpedeller, 279.