Kaspar, der Fagottist, oder: Die Zauberzither

Kaspar, der Fagottist, oder: Die Zauberzither ist ein Singspiel in drei Aufzügen, das am 8. Juni 1791 auf dem Leopoldstädter Theater in Wien uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Joachim Perinet, die Musik von Wenzel Müller, dem damaligen Kapellmeister dieses Theaters.

Inhaltsverzeichnis

Hintergründe

Das Stück ist eine für Perinet typische ‚Kasperliade‘ in der Form eines Singspiels. Es gehört zu dem Typus der Wiener Kasperl- und Zauberoper, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als nichthöfisches Pendant zur Barockoper aufkam. Die Zauberposse beschäftigt sich mit dem Hauptmotiv des Kampfes zwischen Gut und Böse, wie auch schon bekannt aus den „Contes des Fées“ der französischen Märchenschriftstellerin Marie-Catherine d’Aulnoy und WielandsDschinnistan“. In „Kaspar, der Fagottist“ wird dieser Kampf von der guten Fee und dem bösen Zauberer ausgeführt. Die typische Märchenstruktur wird allerdings um die Kasparhandlung und die Motive der Kasperlekomik erweitert. Auch die Form der Maschinenkomödie ist neuer. Perinet setzt auf hohen Aufwand an der Bühnentechnik und bei den Requisiten, es kommt zu Verwandlungen auf offener Szene und spektakulären zauberhaften Auseinandersetzungen. Als Hauptmotive können die Zauber-Instrumente angesehen werden. Aus heutigem Blickwinkel erinnert „Kaspar, der Fagottist“ stark an „Die Zauberflöte“ von Emanuel Schikaneder.

Inhalt

Zusammenfassung

In einem „Niemandsland“ wurde die Tochter einer mächtigen Fee von einem bösen Zauberer entführt und muss gerettet werden. Ein Jüngling bekommt diesen Auftrag, gemeinsam mit seinem Begleiter Kaspar macht er sich auf den Weg und muss mit Geschick allerlei Gefahren bestehen. Außerdem stehen ihm Talismane zur Seite, am wichtigsten die Zauberzither und Kaspars Fagott. Letzten Endes werden die bösen Kräfte besiegt, der Jüngling heiratet die Jungfrau und auch Kaspar bekommt eine Frau. Alle sind glücklich und froh und die Fee hat ihre alte Macht wieder.

1. Aufzug

Armidoro, der Prinz von Eldorado, und Kaspar Bita, sein Begleiter, sind mit ihrem Gefolge auf der Jagd. Als Armidoro ein Reh mit goldenem Halsband erlegt, taucht Perifirime, die strahlende Fee, auf. Ihr wurde vor Jahren ihr vergoldeter Feuerstahl mit geisterspuckender Funktion von dem Zauberer Bosphoro entwendet, da sie sich aufgrund ihrer machtvollen Position zu sehr in Sicherheit wähnte. Nur ein Jüngling, der noch nie geliebt hat, kann es ihr zurückbringen. So erteilt sie dem Prinzen diesen Auftrag und Kaspar die Erlaubnis, ihn zu begleiten.

Der böse Zauberer hält einige Jungfrauen gefangen. Eine von ihnen, Sidi, ist die Tochter der Fee. Damit Bosphoro keinen Verdacht schöpft, gibt Perifirime Armidoro einen Zauberring mit. Dieser kann ihm jede erwünschte äußere Erscheinung verleihen. Außerdem bekommt er eine Zauberzither, welche die Kraft hat, durch ihr Spiel die Herzen zu lenken und Leidenschaften zu entfachen oder zu stillen. Bei dem Palast des Zauberers angekommen, nimmt Armidoro die Gestalt eines alten Mannes an und spielt auf der Zither. Dem Zauberer erzählt er, dass er mit seinem Spiel unwillige Mädchen zähmen kann. Daraufhin lässt Bosphoro ihn eintreten, denn die gefangen gehaltenen Jungfrauen entwickeln sich nicht nach seiner Zufriedenheit. Kaspar jedoch wird nicht eingelassen und wendet sich verzweifelt an die Fee. Diese erinnert ihn an ein Zauberwort („Pizichi“) und als Kaspar es ruft, erscheint ein kleiner Genius. Dieser überreicht ihm ein großes Fagott und rät ihm zu blasen. Der Frauenwächter Zumio ist ganz verzückt und auch Bosphoro gewährt Kaspar nun Eintritt zu seinem Palast. Kaspar ist überzeugt, mit dem Fagott die Mädchen wirklich zu verzaubern.

2. Aufzug

Armidoro und Kaspar werden in die Spinnereistube der Mädchen geführt. Der Prinz verliebt sich auf der Stelle in Sidi und Kaspar in Palmire, Sidis Vertraute. Als der Prinz und sein Begleiter anfangen, ihre Instrumente zu spielen, werden alle, auch der Zauberer und der Frauenwächter, wie in Trance versetzt, tanzen und küssen sich. Wenn Bosphoro und Zumio weg sind, zeigt Armidoro seine wirkliche Gestalt und nun verliebt sich Sidi auch in ihn. Vor den Bösewichten tun die Mädchen, als würden sie sie lieben. Doch Zauberer und Zumio schöpfen Verdacht und planen, Armidoro und Kaspar auf einem Bootsausflug mit Hilfe von bösen Geistern zu ertränken. Perifirime warnt den Jüngling, gibt ihm eine Zauberkugel und Kaspar ein magisches Haar. So können sie sich und ihre Geliebten retten, während Bosphoro auf mit dem zerstörten Boot an Land getrieben wird und Zumio ins Wasser stürzt.

3. Aufzug

Bosphoro und Zumio überleben und wollen sich nun rächen. So planen sie, Armidoro und Kaspar beim Essen zu vergiften. Doch Palmire belauscht den Plan und warnt die beiden Guten. Der kleine Genius Pizichi erscheint und erklärt ihnen, wie sie sich beschützen können mit ihren Talismanen. Beim Mahl fliegt fast noch alles auf, doch Armidoro und Kaspar schaffen es, mit Zauberzither und -fagott alle in einen tiefen Schlaf zu versetzen. So können sie dann Bosphoro auch den Feuerstahl wieder abnehmen und ihre Mädchen retten. Aber die Bösewichte wachen wieder auf und wollen ihren Feinden noch den vergifteten Trunk verabreichen. Da erscheint die Fee Perifirime und verdammt den Zauberer und den Frauenwächter für Jahrhunderte unter die Erde. Am Schluss kehren die Glücklichen zurück in ihr Reich, Armidoro und Sidi werden König und Königin und Kaspar bekommt Palmire zur Frau.

Die komische Figur des Kaspar

Kaspar hat mit dem früheren infantilen Kasperle oder Hanswurst, wie er beispielsweise von Stranitzky bekannt ist, nicht mehr so viel gemein. Zwar weist er teilweise noch typische Kasperleeigenschaften auf, doch darüber hinaus kann er Allüren annehmen, die gar nicht seinem Stand entsprechen. Schon dass auf den Diminutiv verzichtet wird, zeigt die gewichtigere Rolle des Kaspar. Auch den Familiennamen ‚Larifari‘ ersetzt Perinet durch ‚Bita‘. Der Spaßmacher ist in fast allen Szenen aktiv dabei. Er ist nach wie vor verfressen, faul und interessiert an Frauen. Doch dabei ist er nicht mehr so derb und unflätig von der Wortwahl her. Die Sprachkomik ist aber ein bedeutender Faktor in seinem humoristischen Aufbau und hilft ihm gleichzeitig, das sonst für Kasperle typische ängstliche Verhalten abzustreifen. Kaspar ist zwar nach wie vor in der Dienerposition, tritt dabei aber selbstbewusst und schlagfertig auf. Die gesamte eingebaute Kasparhandlung verweist auf Perinets ironisches Verhältnis zum Zauberwesen.

Weblinks

Literatur

  • Eva-Maria Ernst: Zwischen Lustigmacher und Spielmacher. Die komische Zentralfigur auf dem Wiener Volkstheater im 18. Jahrhundert. Hg. von Peter J. Brenner, Band 3, Literatur-Kultur-Medien, Münster, Hamburg, London 2003, ISBN 3-8258 - 6730-7.
  • Norbert Miller, Karl Riha (Hrsg.): Kasperletheater für Erwachsene. Insel-Verlag, Frankfurt a. M. 1978.
  • Otto Rommel (Hrsg.): Die Maschinenkomödie, Reclam (= Barocktradition im österreichisch-bayrischen Volkstheater 1), Leipzig 1935.