Katharina Bregant

Katharina Bregant (* 1. Dezember 1893 in Szoma bei Kaposvár, Königreich Ungarn; † 2. Juli 1991 in Graz Steiermark), geb. Edle von Fautz, war Vizepräsidentin des Steirischen Roten Kreuzes und Ehrenmitglied des Österreichischen Roten Kreuzes.

Katharina Bregant 1988

Inhaltsverzeichnis

Leben

Katharina und Camillo Bregant 1950

Sie wurde als Tochter von Ludwig Ritter von Fautz (1865–1936) im Jahr 1893 geboren und wuchs in Somogyszil südlich des Plattensees im Königreich Ungarn auf einem feudalen Verwalterwohnsitz auf. Ihr Vater war in Diensten der Grafen Hunyady Herr über 40.000 ha Grundbesitz und eine Traber-Pferdezucht und sie war die Großnichte des Ludwig von Fautz (1811–1880), österreichischer Admiral und Marinekommandant. Im Frühsommer 1914 anlässlich der alljährlichen Kaisermanöver wurde ihr Mann, der spätere Generalmajor Camillo Bregant, damals noch Oberleutnant in Szyl am Gut einquartiert. Nach drei Jahren und einer Verwendung als Rote Kreuz-Schwester in einem Rekonvaleszentenspital an der Front in Galizien heirateten sie am 22. August 1917. Für die Heiratserlaubnis musste die sogenannte „Kaution“ durch ihren Vater hinterlegt werden. Diese Finanzhinterlegung ging in eine Kriegsanleihe und war bei Kriegsende unwiderruflich verloren. Der Hausstand wurde in der Garnisonsstadt Marburg an der Drau bezogen. Der Friedensvertrag für Deutschösterreich von St. Germain verfügte die Abtrennung der Untersteiermark und somit auch Marburgs an das Königreich Jugoslawien. Mit der Verlegung der Reste der 5-er Dragoner in die große Reiterkaserne im Bezirk St. Leonhard übersiedelte sie mit ihrem Gatten nach Graz.

Im Jahr 1934 wurde ihr Ehemann im Ständestaat als Generalmajor z.b.V., als „notorisch kaisertreu“, in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde ihr Mann ebenfalls z.b.V. gestellt, da politisch nicht vertrauenswürdig. Es wurde der Familie sogar das Verfügungsrecht bzw. die „Bauernfähigkeit“ über einen Besitz in der Gemeinde Glanz an der Weinstraße entzogen und ein Zwangsverwalter für die 24 ha große Landwirtschaft eingesetzt.

Dienstausweis des Roten Kreuzes

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Steiermark Besatzungszone der Briten. Diese suchten zum Aufbau eines Rettungsdienstes Persönlichkeiten, die sich vom Nationalsozialismus nicht hatten vereinnahmen lassen und fanden in Katharina Bregant eine derartige Person. Auf Grund ihrer ausgezeichneten Englischkenntnisse diente sie als Dolmetscherin und baute mit Hilfe der britischen Besatzungsmacht und von ihr zur Verfügung gestellten Militärsanitätskraftwagen einen mobilen Rotkreuzdienst auf (bei Kriegsende stand nur ein großer Leiterwagen zum Krankentransport zur Verfügung). 1947 erfolgte die Gründung des Steirischen Roten Kreuzes mit Herrn Univ. Prof. Dr. Arnold Wittek [1] als Präsidenten und Katharina Bregant als Vizepräsidentin (1947-1973). Weiteres wurden von ihr Ferienaufenthalte steirischer Kinder in der Schweiz organisiert („Schokoladezüge“), die sie auch selbst mehrfach begleitete (auf Grund ihrer politischen Unbedenklichkeit gehörte sie zu den Wenigen, die Reisefreiheit genossen und zum Verlassen einer Besatzungszone einen 4-sprachigen Identitätsausweis besaßen). Auch war sie an führender Stelle im Jahre 1956 im Rahmen der Hilfsaktionen für Ungarnflüchtlinge tätig, wobei ihr die Muttersprache Ungarisch zustatten kam. Später engagierte sie sich auch in der Sozialbetreuung der Bevölkerung in den steirischen Grenzlandbezirken (vor allem im Bezirk Leibnitz an der steirischen Grenze zur damaligen Republik Jugoslawien). 1973 trat sie in ihrer Funktion zurück, stellte aber ihr Erfahrung dem Präsidium bis ins hohe Alter zur Verfügung. [2][3]

Katharina Bregant 1968

Anekdoten

  • Anlässlich des „Anschlusses“ 1938 wurde vom Ehepaar Bregant in deren Wohnung in der Schumanngasse 27 Graz diskutiert, wie man sich bei der Volksabstimmung verhalten solle. In diesem Moment klingelte es an der Wohnungstüre, und eine Abordnung der NSDAP gab zu verstehen, dass man für den Anschluss votieren möge, da andererseits die Folgen für Familie Bregant unabsehbar wären und man das aus Wertschätzung vermeiden wolle.
  • Der 1918 geboren Sohn Alfred ließ sich 1937 beim Bundesheer zum Flieger ausbilden und wurde kurz nach dem „Anschluss“ zur Luftwaffe eingezogen und nach Berlin-Gatow überstellt. 1940 ist er als Leutnant und Pilot einer Ju 88 über den Niederlanden abgeschossen und tödlich verwundet worden. Im Jahr 1942 erhielt Katharina Bregant eine Vorladung des Grazer Polizeipräsidenten, auf die sie nicht reagierte. Darauf läutete die Gestapo an der Wohnungstüre und verlangte vehement Auskunft über den Aufenthaltsort des fahnenflüchtigen Sohnes Alfred. Katharina Bregant quittierte dieses Ansinnen mit den Worten „man möge ihn auf dem Heldenfriedhof in Köln suchen“ und knallte die Wohnungstüre zu. [4]

Ehrungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.gsund.net/cms/beitrag/10099838/2875420/
  2. Interview "das aktuelle Gespräch" ORF-Radio Steiermark von Günther Bauer am 22.12.1983.
  3. "Pfarrblatt Herz Jesu Graz" Nr.1, 29.Jg Februar-März 1991 S.7 "Das Porträt".
  4. "Anfrage in Wehrmachtsachen" vom 29.August 1942 "Der Polizeipräsident von Graz" Aktenz.: 18/64.
  5. "Regierungsbeschluss vom 15. Juni 1981".
  6. "Regierungsbeschluss vom 12. Dezember 1988".