Kaunitz (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Familie von Kaunitz-Rietberg ab 1699. Das Kaunitzer Stammwappen ist das kleine Wappen in der Mitte.

Das Geschlecht von Kaunitz (tschechisch z Kounic), war ein altes böhmisches Adelsgeschlecht. Die Familie wurde im 14. und 15. Jahrhundert als Herren in Troppau erstmals schriftlich erwähnt, die sich in zwei Zweige teilten: Stošové z Kounic und Šiškové z Kounic.

Inhaltsverzeichnis

Genealogie

Der Urahne des Geschlechts soll Wenzel von Kaunitz (1380–1428) sein, der bei Lapanz fiel. Seine Enkel Ulrich, Peter und Johann erwarben um 1519 die Herrschaft Schlakau.

Ein Ulrich lebte von 1546 bis 1570, sein Sohn Ulrich (1569–1617) hielt Schloss Austerlitz in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aus den Ehen mit Apollonia von Waldstein und Lidmila Roupovská von Roupov gingen je zwei Söhne hervor. Vom Älteren, Friedrich, stammte die böhmische Nachkommenschaft ab, vom Jüngeren, Leo Wilhelm, die mährische Linie.

Wenzel (1380–1428) heiratete Agnes von Mansfeld (* 1396)

  • Georg (1424–1481) heiratete Barbara Brtnicka von Waldstein (* 1438)
    • Ulrich (1470–1519) heiratete Katharina von Rican (* 1490)
      • Peter (1517–1560) heiratete 1545 Dorota Geraltovska von Gerahovic (* 1522)
        • Ulrich (1546–1570) heiratete Anezka Cernohorska von Boskovic (* 1547)
          • Ulrich (1569–1617) heiratete (1) 1590 Apollonia von Waldstein (1565–1597)
          • Ulrich (1569–1617) heiratete (2) 1598 Lidmila Roupovská von Roupov (1576–1626)
            • (1) Friedrich (1597–1627) heiratete 1627 Marie Eusebie Sezimova (* 1604) → Böhmische Linie
            • (2) Leo Willem (1614–1655/65) heiratete (1) Maria Eusebia von Sesyma und (2) 1646 Eleonore von Dietrichstein (1623–1687) → Mährische Linie

Mährische Linie

  • Leo Wilhelm (1614–1655), stammte aus der Ehe des Ulrich von Kaunitz und seiner Frau Lidmila von Roupov. Am 12. Juni 1642 wurde er zum Reichsgrafen ernannt. Gleichzeitig erhielt er die Erlaubnis, als Erbe der Herren von Alttabor deren Symbol in sein Wappen aufzunehmen. Nach dem Tode seiner ersten Frau Maria Eusebia von Sesyma war er in 2. Ehe verheiratet mit Eleonore von Dietrichstein (1623–1687).
    • Dominik Andreas I. von Kaunitz (1654–1705) heiratete 1675 Marie Eleonore von Sternberg (1657–1706)
      • Maximilian Ulrich (1679-1746), war kaiserlicher Geheimrat, Ritter des Orden vom Goldenen Vlies und Landeshauptmann in Mähren, heiratete 1699 die Tochter des 1690 verstorbenen Grafen Ferdinand Max von Ostfriesland und Rietberg, Gräfin Maria Ernestine Franziska (1686–1758). Der Erbschaftsstreit um diese westfälische Grafschaft mit dem Hause Liechtenstein wurde 1726 durch Vergleich dahin beigelegt, dass Rietberg der Gräfin Maria und ihren männlichen Nachkommen verbleiben, aber nach Erlöschen des kaunitz-rietbergischen Mannesstamms das Haus Liechtenstein zur Nachfolge kommen sollte.
        • Wenzel Anton Graf Kaunitz (1711–1794) heiratete 1736 Maria Ernestine Gräfin von Starhemberg (1717–1749). Für die Verdienste, die er Maria Theresia als österreichischer Staats- und Conferenzminister geleistet hatte, wurde er nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges am 8. April 1764 mit seinen männlichen Leibeserben nach dem Recht der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand erhoben.
          • Fürst Ernst Christoph (1737–1797) heiratete Leopoldine von Öttingen-Spielberg (1741–1795). Sein Vater vertraute ihm früh die Verwaltung des Familienvermögens in Mähren an. Er war zugleich Treuhänder seiner Brüder. Genauso wie sein Großvater war er Träger des Goldenen Vlieses. Als höchster Hofmarschall nahm er als Botschafter in Neapel an der Wahl des Papstes Clemens XIV. teil.
          • Dominik Andreas (1740–1812) heiratete 1762 Bernardine von Plettenberg-Wittem (1743–1779). Er wurde vom Grafen Johann Adam von Questenberg († 1752), einem Schwager Anton Wenzels, zum Erben seines Besitzes und seiner Würden eingesetzt und nahm auf Veranlassung seiner Tante Maria Antonia, der Witwe des letzten böhmischen Questenberg mit Genehmigung der Kaiserin den Titel Graf von Questenberg an und nannte sich seither Graf von Kaunitz-Rietberg-Questenberg und residierte zum Teil auch in Jarmeritz, bis er 1797 seinem Bruder in der Regierung als dritter Fürst folgte.
            • Aloys Wenzel Dominik (1774–1848) folgte seinem Vater als Fürst; in kaiserlichem Dienst stieg er bis zum Reichsvicekanzler auf. Er heiratete 1798 Franziska Xaverie Gräfin Ungnad von Weissenwolf (1773–1859) und hatte mit dieser vier Töchter
              • Karoline Leopoldine Johanna (1801–1875), verheiratet 1831 mit Reichsgraf Anton Gundaccar von Starhemberg (1776–1842) und 1860 mit Peter von Arenberg (1790–1877).
              • Leopoldine Dominika Karoline (1803–1888) heiratete 1820 Anton Karl [Antal Karoly] Fürst Pálffy von Erdöd (1793–1879).
              • Ferdinande Karoline Luise (1805–1862), heiratete 1822 den Grafen Ludwig (Lajos) Graf Karoly (1799–1863).
          • Franz Wenzel (1742–1825) nahm militärischen Dienst an und stieg bis zum Rang des Feldzeugmeisters auf.

Mit dem Tod von Aloys Wenzel Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg erlosch die mährische Linie 1848 im Mannesstamm. Was der verschwenderische Fürst nicht zu Lebzeiten verkaufen musste, fiel an Reichsgraf Albrecht von Kaunitz (1829-1897) aus der böhmischen Linie.

Besitzungen

Außer der reichsunmittelbaren, westfälischen Grafschaft Rietberg besass das fürstliche Haus Kaunitz-Rietberg in Böhmen und Mähren die Fideicommiss-Herrschaften und Güter Austerlitz, Ungarisch Brod, Groß-Orczechau, Mährisch-Pruß, Jarmeritz, Banow, Bauschitz, Kojetein und Jakobau.

Wenzel Anton Graf Kaunitz war österreichischer Staatsmann und Diplomat.

Böhmische Linie

Besitzungen

Burg Houska, Neuschloß, Osov, Slavkov u Brna (Austerlitz), Ungarisch Brod, Otschehau, Kojetein, Priesen

Persönlichkeiten

Bildnis der Gräfin Ferdinandine Karolyi, geb. Prinzessin Kaunitz-Rietberg, um 1840. Gemälde von Moritz Daffinger
  • Friedrich (1597–1627) heiratete 1627 Marie Eusebie Sezimova (* 1604)
    • Rudolf (1628–1664/1689), höchster Jagdmeister, heiratete 1648 Maria Elisabeth (1626–1662), die Tochter des Fürsten von Friedland, Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein → Wallenstein.
      • Johann Wilhelm (* 1650/56; † 20. März 1721) heiratete Maria Anna von Sternberg (1662–1724).
        • Johann Adolf (1696–1771) heiratete 1739 Marie Therese von Ogilvy (1718–1775)
          • Michael Karl (1745–1820), Appellationsrat, heiratete 1769 Marie Christine von Salm Reifferscheid Hainspach (1751–1820)
            • Vincent Karl (1774–1829) heiratete 1801 Pauline Julie de Longueval Bucquoy (1780–1857)
              • Michael Karl (* 1803; † 10. April 1852), heiratete 1828 Eleonora Voračická z Paběnic (* 1809; † 10. Januar 1898), eine bekannten Patriotin, die in ihren jungen Jahren mit Josef Dobrovský, František Palacký und Pavel Jozef Šafárik verkehrte. Nach dem Tod ihres Mannes kümmerte sie sich nur noch um ihre Kinder.
                • Albrecht (1829–1897), kaiserlicher Kämmerer, Ehrenritter des Malteser Orden und Erbmitglied des Herrenstandes. Heiratete 1854 Elisabeth von Thun und Hohenstein (1831–1910).
                  • Marie (* 28. März 1855; † 18. Januar 1918) heiratete 1877 Egon Karl zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1853–1896).
                  • Wilhelm Michael (1859-1860)
                  • Karl Wilhelm(1861–1888)
                  • Eleonora (1862–1936/38) heiratete 1882 Géza Andràssy (1856/57–1938)
                • Christina (1830–1875)
                • Rudolf (1831–1889)
                • Heinrich (1832–1912) heiratete 1869 Wilhelmine Widtmann (1842–1914)
                • Ferdinand (* 27. Dezember 1833; † 21. Mai 1885) heiratete
                  • Franz (1880–1928) heiratete
                    • Nachfahren
                  • Georg (1884–1942) heiratete
                    • Nachfahren
                • Georg (1835–1909) heiratete 1887 Zdenka von Wimmer (1841–1923)
                • Elisabeth (1836–1903)
                • Emanuel (1839–1859)
                • Eugen (1841–1919) heiratete 1871 Anna Fenzl (1848–1909)
                • Wenzel Robert von Kaunitz (1848–1913) heiratete 1877 Josefina Čermáková (1849–1895) und 1908 Josefina Horová (1881–1961)

Literatur

  • Karl Otmar von AretinKaunitz, von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, S. 362.
  • Klingenstein, Grete: Der Aufstieg des Hauses Kaunitz. Schriftenreihe der historischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Schrift 12, Göttingen 1975, S. 328.

Weblinks

 Commons: Kaunitz (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien