Kellergasse

Der Begriff Kellergasse wird vorwiegend in Österreich verwendet und bezeichnet die besonders in Weinbauregionen oftmals als Hohlweg ausgebildete Gasse, an der sich die Weinkeller und Presshäuser befinden. Man unterscheidet Kellergassen, in denen sich die Keller nur auf einer Seite des Weges befinden (einzeilige Kellergasse) und solche (oftmals in Hohlwegen) mit Kelleranlagen auf beiden Seiten des Weges (zweizeilige Kellergasse). Im Volksmund wird die Kellergasse oftmals auch als „Dorf ohne Rauchfang“ bezeichnet.

Die Kellergassen gibt es fast ausschließlich im nordöstlichen Niederösterreich (Weinviertel) und den angrenzenden Gebieten in Tschechien sowie im Burgenland und dem Grenzgebiet in Ungarn. Anderswo findet man sie nur äußerst selten. In den einzelnen Kellern treffen einander häufig die Winzer zu einem Umtrunk und/oder um den Fortschritt der Vinifizierung und die Qualität des Weines zu prüfen. Frauen findet man in den Kellern meistens nur während der Weinlese.

Kleinere, meist jahrhundertealte Kelleranlagen wurden in den Weinanbaugebieten häufig außerhalb des Ortes in den Berg getrieben. Die oft dicht nebeneinander liegenden Anlagen haben in der Regel ein knapp unter Erdniveau liegendes Presshaus. Dieses wird durch einen sogenannten Kellerhals mit dem weiter hinten liegenden eigentlichen Lagerkeller verbunden.

In Gebieten mit vorherrschendem Lößboden sind die Kellergassen meist als steilwandige Hohlwege ausgebildet. Zur Gasse hin sind nur die Kellereingänge sichtbar. In Löß oder ähnlich gut bearbeitbaren Böden werden bei Um- oder Ausbauarbeiten auch teilweise Erdställe entdeckt.

Die Kellergassen und ihre Presshäuser stellen erhaltenswertes Kulturgut dar. Daher stehen viele Presshäuser unter Denkmalschutz, wie etwa in der Kellergasse Zipf in Mailberg, wo 21 nebeneinander liegende Presshäuser unter Denkmalschutz stehen (siehe Liste der denkmalgeschützten Objekte in Mailberg).

In den Kellergassen befinden sich häufig auch kleinere Weinstuben und Pensionen. Die Weinfeste in den Kellergassen sind auch über die Grenzen von Österreich hinaus bekannt.

Personen, die Touristen durch Kellergassen führen, werden Kellergassenführer genannt. Die Ausbildung zum Kellergassenführer geht auf eine regionale Initiative im niederösterreichischen Weinviertel zurück und erfolgt in sechs Modulen, wobei die Themen Architektur, Tourismus, Wein, Geschichte, Kommunikation und Praxis gelehrt werden. Der erste Lehrgang wurde im Jahr 2000 abgehalten.

Bekannte Kellergassen im Weinviertel sind beispielsweise die Öhlbergkellergasse in Pillersdorf, der Zipf in Mailberg und die Gstetten in Poysdorf.

Deutschland

Auch in Deutschland gibt es ähnliche Weinbaukelleranlagen, beispielsweise den Guntersblumer Kellerweg.

Literatur

  • Kultur der Kellergasse, Heft 4/5 der Schriftenreihe Das Weinviertel, Eigenverlag Kulturbund Weinviertel, Mistelbach 1980

Weblinks

 Commons: Kellergasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien