Keltendorf Mitterkirchen

Keltendorf Mitterkirchen
Freilichtmuseum Mitterkirchen.jpg
Keltendorf Mitterkirchen
Daten
Ort Mitterkirchen im Machland
Art Freilichtmuseum
Architekt Manfred Pertlwieser
Eröffnung 1991
Besucheranzahl (jährlich) 20.000
Betreiber Marktgemeinde Mitterkirchen im Machland
Website Keltendorf Mitterkirchen

Das Freilichtmuseum Keltendorf Mitterkirchen ist eines von mehreren in Europa errichteten Keltendörfern, das die Rekonstruktion einer keltischen Siedlung aus der Hallstattzeit (800 bis 450 vor Christus) darstellt.

Das Keltendorf befindet sich in der Ortschaft Lehen in der Gemeinde Mitterkirchen im Machland im Bezirk Perg in Oberösterreich, wo 1980 bis 1990 bedeutsame historische Funde, unter anderem eines Wagengrabes, gemacht und archäologische Ausgrabungen vorgenommen wurden.

Das Museum wurde vom Donauhochwasser 2002 zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Es liegt unmittelbar am Donauradweg und am Donausteig. Durchschnittlich sind jährlich 20.000 Besucher zu verzeichnen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Beschlussfassung zur Errichtung eines Freilichtmuseums[2] erfolgte durch den Mitterkirchner Gemeinderat am 15. Dezember 1988 und die Ortsplanerin Helga Lassy wurde mit der Umsetzung betraut. Neben der Infrastruktur wie Zufahrtsstraße und Parkplätze wurden zunächst ein begehbares Hügelgrab zur Veranschaulichung des keltischen Begräbnisrituals rekonstruiert, mit einer Nachbildung des Mitterkirchner Prunkwagen ausgestattet sowie ein erstes hallstattzeitliches Gehöft nach Detailplänen des Archäologen Manfred Pertlwieser errichtet, dem auch die Gesamtkonzeption oblag.

Das Keltendorf wurde bis ins letzte Detail nachprüfbar genauso nachgebaut, wie es ursprünglich entstanden war. Als Glücksfall stellte sich die Beschäftigung rumänisch-stämmiger Personen heraus, die in ihrer bisherigen Heimat noch unter relativ einfachen Voraussetzungen gearbeitet hatten. Wie vor 2700 Jahren durften weder Schrauben noch Nägel oder andere technische Hilfsmittel verwendet werden. Die Häuser wurden mit ausgewähltem, alten handgehackten Holz aufgebaut, wofür zwanzig alte Holzstadeln aus der Umgebung angekauft wurden. Auch alle Tische und Bänke wurden nach uralter Handwerkstradition hergestellt. Sämtliche Holzverbindungen wurden durch Einzapfen und handgehackte Holzdübel hergestellt. Das Schilf für die Dächer wurde im Burgenland gekauft, das Stroh von Bauern in Liebenau geerntet und zu Deckschab verarbeitet und von Handwerkern, die noch die Technik des Strohdeckens beherrschten, verarbeitet.[3]

Nach der Teileröffnung 1991 wurden in den Folgejahren weitere Objekte errichtet, sodass nunmehr 20 Gebäude besichtigt werden können. In verschiedenen Werkstätten kann die urzeitliche Handwerkstechnik der Vorfahren von den Besuchern nachvollzogen werden.[4] Eine Novität im Museumsbetrieb waren die angebotenen Workshops, die von den Besuchern in hohem Maße angenommen wurden.

Mit dem Projekt Medionemeton bewarb sich die Gemeinde Mitterkirchen als Standort für die Oberösterreichische Landesausstellung 2020, wurde jedoch abgelehnt. Die Beschreibung des von Raimund Karl (University of Wales, Bangor) entwickelten Projekts wurde veröffentlicht.[5]

Ausstellung der Funde

Schlüsselhelm, gefunden in Mitterkirchen

Bei den Ausgrabungen in der Ortschaft Lehen in Mitterkirchen im Machland wurde zwischen 1980 und 1990 ein hallstattzeitliches Gräberfeld mit fünfzig Hügelgräbern und achtzig Bestattungen samt reichen Grabbeigaben, unter anderem 900 Gefäßen, freigelegt.

Zu den Funden fanden zwei Ausstellungen des Oberösterreichischen Landesmuseums im Linzer Schlossmuseum statt und 1987 wurde ein Teil der Funde im Rahmen der Europalia in Belgien gezeigt. Fundstücke von Mitterkirchen sind seither in der Regel nur im Schlossmuseum in Linz ausgestellt.

Unter dem Titel Kostbares aus Gräbern - Leben und Tod im hallstattzeitlichen Mitterkirchen bestand von Mai bis Oktober 2010 im Rahmen der grenzübergreifenden Sonderausstellung Donau. Fluch & Segen die Möglichkeit, ein Teil der Exponate der seinerzeitigen Ausgrabungen im Keltendorf Mitterkirchen zu besichtigen.

Literatur

  • Bronzehohlring aus der Hallstattzeit gefunden, in: Mühlviertler Nachrichten,1980
  • Manfred Pertlwieser: Prunkwagen und Hügelgrab. Kultur der frühen Eisenzeit von Hallstatt bis Mitterkirchen, (= Kataloge des OÖ. Landesmuseums, N.F. 13), Linz 1987 ISBN 3-900746-05-2
  • Manfred Pertlwieser: Das hallstattzeitliche Hügelgräberfeld von Mitterkirchen. Grabungsergebnisse 1981-1990. In: Bericht über den 18. Historikertag in Linz, Wien 1991, S. 29-31 (Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Geschichtsvereine 27)
  • Jutta Leskovar: Drei Wagengräber im hallstattzeitlichen Gräberfeld von Mitterkirchen, Oberösterreich. - Diplomarbeit Universität Wien 1998.
  • Museum des Monats August: Freilichtmuseum Keltendorf Mitterkirchen in: OÖ. Gemeindezeitung 2003, F. 9, S. 257.
  • Franz Asanger: Freilichtmuseum, in: Mitterkirchen - Ein historisches Porträt der Machlandgemeinde, Marktgemeinde Mitterkirchen im Machland (Hrsg.), Linz 1999, S 407ff
  • Josef Riesenberger: Mitterkirchen, Hallstattzeitliches Freilichtmuseum, in: Unsere Heimat, Der Bezirk Perg, Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg - Gemeinden des Bezirkes Perg (Herausgeber), Linz 1995, S 263ff

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Prüfbericht 2009 des Landes OÖ., Seite 24
  2. Franz Asanger: Mitterkirchen - Ein historisches Porträt der Machlandgemeinde, Marktgemeinde Mitterkirchen im Machland (Hrsg.), Linz 1999, S 407
  3. Christa und Michael Mössmer: Lebendige Geschichte Im oberösterreichischen Mitterkirchen ist im Laufe von 15 Jahren in mühevoller Kleinarbeit ein Keltendorf entstanden, das ausschließlich nach 2700 Jahre alter Handwerkstradition gebaut wurde, in: Österreich Journal Nr. 33 vom 1. Juni 2005, S 47ff
  4. Entstehung des Freilichtmuseums Keltendorf Mitterkirchen
  5. Medionemeton

48.19583333333314.726944444444Koordinaten: 48° 11′ 45″ N, 14° 43′ 37″ O