Kipfel

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Gebäck Kipfel. Zur auch als Kipfel bezeichneten gemeinen Figur der Heraldik siehe Wagenkipf.

Das Kipfel (althochdeutsch Kipfa „Wagenrunge“, mittelhochdeutsch Kipfe, lateinisch cippus „Pfahl“, schweizerisch Gipfeli, ungarisch Kifli, in Deutschland auch Hörnchen) ist ein gewöhnlich aus Hefeteig bereitetes Gebäck.

Nicht zu verwechseln ist das Kipfel mit dem Kipferl, einem Feingebäck. Ein Butterkipfel beispielsweise ist ein knuspriges Weißbrotgebäck, das mit Butter bestrichen gegessen wird und beim Brechen stark bröselt („splittert“, daher auch der Name „Splitterkipfel“). Ein Butterkipferl dagegen ist ein aus Mehl, Zucker, Butter und Eiern bereitetes Keksgebäck.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die „Erfindung“ des Kipfels wird gerne Wiener Bäckermeistern zugeschrieben. Demnach hätte ein Wiener Bäckermeister namens Peter Wendler während der Belagerung der Stadt durch die Türken im Jahre 1683 erstmals ein sichelförmiges Gebäck kreiert, um den türkischen Halbmond, den diese auf dem Stephansdom aufgepflanzt hatten, zu verspotten.

Eine andere Legende besagt, die Wiener Bäcker hätte, weil sie so früh aufstehen mussten, als erste bemerkt, wie sich die Türken mit Tunnelbauarbeiten Zutritt zur Stadt verschaffen wollten. Sie hätten Alarm geschlagen und damit maßgeblich zur Rettung Wiens beigetragen. Eine fast gleichlautende Geschichte gibt es für die Stadt Budapest, bei deren Belagerung durch die Türken die Budapester Bäckermeister bemerkt hätten usw. Weiterhin wird einem badischen Bäckermeister der Ruhm dieser Erfindung zugeschrieben.

Historiker konnten nachweisen, dass es das Kipfel schon lange vor 1683 in Wien gegeben hat (übrigens ist Peter Wendler bereits am 6. Dezember 1680 gestorben). 1227 überreichten Wiener Bäcker dem Babenberger Herzog Leopold dem Glorreichen bei seinem Einzug in Wien zu Weihnachten eine Tracht „Chipfen“. Weiterhin wurden „kipfen“ 1630 in Akten der Wiener Medizinischen Fakultät, 1652 in Schutzpatenten und 1670 in einem kaiserlichen Privileg erwähnt, das den Wiener Bäcker Adam Spiel „ayren khüpfelgebächt“ feilzubieten erlaubte. Abraham a Santa Clara erwähnt in seinen Schriften „vil lange, kurze, krumpe und gerade küpfel“.

Die Kipfel gehen vermutlich auf ein Klostergebäck zurück - die ersten Bäckereien waren Klosterbäckereien. Wahrscheinlich handelt es sich um ein altes Ostergebäck, das Ziegenhörner nachahmt (daher auch der Name „Hörnchen“).

Angeblich stand das Kipfel Pate für das Croissant, das jedoch aus einem anderen Teig hergestellt wird. Demzufolge machte die Tochter der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia, Marie Antoinette, nach ihrer Heirat mit Ludwig XVI. von Frankreich das Kipfel als „Croissant“ in ihrer neuen Heimat populär.

Handwerkliche Herstellung

Literatur

  • Franz Maier-Bruck: Das große Sacher-Kochbuch. Die österreichische Küche, Herrsching 1975, S. 515f.

Weblinks