Klaus Sandler

Klaus Sandler (* 1945 in Plagwitz, Niederschlesien[1]; † 1984 in St. Pölten, Niederösterreich) war ein Schriftsteller, Herausgeber und Verleger österreichischer Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Sandler arbeitete als Lehrer in St. Pölten. Er war - zusammen mit einem Team österreichischer Autoren und Norbert Kühne (Deutschland) - der Herausgeber der Zeitschrift "das pult" und damit bis zu seinem Tod ein großer Förderer der Literatur in Niederösterreich. Mit der Edition Maioli zu Wien - anfangs auch in Zusammenarbeit mit der Edition Roetzer, Eisenstadt - publizierte er (oft mit staatlicher Unterstützung) eine Reihe zeitgenössischer österreichischer (vor allem niederösterreichischer) Literatur. Er ermöglichte damit vielen jungen Autoren und Autorinnen (wie etwa Hans Raimund) erste Schritte an die Öffentlichkeit. Aber auch seine Kontakte zur bundesdeutschen Literaturszene waren ausgezeichnet; so publizierte er Texte von vielen Autoren der damaligen sogenannten Untergrund-Szene in Deutschland. In Marl organisierte er auch zusammen mit Norbert Kühne die österreichischen Literaturtage, bei denen Autoren aus Österreich Lesungen anboten.

Neben seinen Romanen publizierte er auch Hörspiele im ORF, Bayerischen Rundfunk, RAI (Italien) und RIAS Berlin; und 1982 brachte er zusammen mit Klaus Scherner die LP Gegenwart absolut windstill (Wien) heraus.

1978/79 erhielt er das Österreichische Staatsstipendium für Literatur; 1979 den Förderpreis für Dichtkunst des Landes Niederösterreich, 1980 die Buchprämie des BMUK für den Roman Friedliche Anarchie.

Seit 1966 war Klaus Sandler zuckerkrank. Am 28. Oktober 1984 starb er im Alter von 39 Jahren an den Spätfolgen einer Nierentransplantation.

Wirken

Sandler war maßgeblicher Initiator des Kulturpreises der Stadt St. Pölten, den er - unter anderen - mehrere Jahre betreute. So gab es in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "das pult" (u. a. zusammen mit Hans Raimund, Friedrich Hahn (Schriftsteller) und Brigitte Kronauer) auch bundesdeutsche Mitarbeiter (erstes Heft Juli 1968). Seine Frau Nadia Ave war eine bekannte Grafikerin, die das Layout der Zeitschrift und viele künstlerische Inhalte maßgeblich und über viele Jahre hin prägte. Sandler initiierte u. a. eine Nummer der Zeitschrift zum Thema Frieden, die im Wesentlichen von westdeutschen Autoren bestritten wurde (Titel der Nummer: Wer früher stirbt, ist länger tot, Hg.: Norbert Kühne & Hans van Ooyen). Regelmäßig wurden in "das pult" auch Beiträge aus der gesellschaftlichen Diskussion der damaligen BRD publiziert. "das pult" wurde nach dem frühen Tod des Herausgebers Klaus Sandler mit einem Nachruf-Heft (Nr. 74 /1985) eingestellt. Zu Sandlers 50. Geburtstag erschien dann noch einmal ein „pult-extra“, in dem ausgewählte, zum Teil schon früher verstreut veröffentlichte Texte des Autors und Würdigungen seiner Persönlichkeit und seines Werks durch Zeitgenossen und Weggefährten abgedruckt sind.

Den Nachlass verwaltet Nadia Ave-Sandler (St. Pölten). Sie plant die Herausgabe der Romane als Hörbücher.

Seit 1986 gibt es im St. Pöltner Stadtteil Harland eine Klaus-Sandler-Gasse.[1]

Die Zeitschrift das pult wird von der Österreichischen Nationalbibliothek digitalisiert; d. h. zum Beispiel: Die Zeitschrift wird mit einem Autorenregister versehen.

Kritik

"Es markiert den besonderen Rang Sandlers in der österreichischen Literatur, dass er sich nicht an die gewohnten Genregrenzen gehalten hat und sich nicht damit zufrieden gab, sich literarisch in fest abgesteckten Revieren zu bewegen: Er ist ein Naturdichter mit präziser Beobachtungsgabe und philosophioscher Tiefe - aber er nähert sich der Natur nicht, um sich von der Gesellschaft zu entfernen; er ist ein gesellschaftskritischer Erzähler - aber er dankt nicht ab, um künftig lebensfeindliche Strukturen und anonyme Prozesse statt widersprüchlicher Menschen zu gestalten; er sucht ihn literarisch immer wieder, jenen schönen Moment, den Augenblick des Überschwangs, der Exstase, in dem wir mit einem Mal der Fülle innewerden, die im Bild gerade nur aufblitzt - aber er ist kein literarischer Sammler geglückter Momente und schöner Sätze." (Karl-Markus Gauß, in: Der Roman, der uns fehlt, das pult extra, S. 104 - 107, Wien 1995; s.u.)

Werke

  • Tom macht den Sprung aus dem Fenster rückgängig, Wallereu/Schweiz, Edition Lentz, 1974
  • Anatomie einer Flucht, Eisenstadt, ISBN 3-85374-032-4 Edition Roetzer, 1977
  • Friedliche Anarchie, Volk und Jugend, 1980
  • Das vorläufige Leben, Edition Maioli, 1983
  • Ein Zelt und nichts weiter, Edition Maioli, 1985
  • mit Harald Koelbl; Cover: Nadia Ave: In Kuhlen und Hohlwegen; CD aus dem Nachlass, Wien 2006, ISBN 3-221-17532-9

Hörspiele

  • Heimo in acht Bildern, ORF Burgenland (1978)
  • Muschelgespräche, ORF Niederösterreich (1974)
  • O Lord don't let the rain come down, Lustspiel, ORF Burgenland (1976)
  • Die Geschichte ist eine unerlöste Landschaft, RIAS Berlin (1982)
  • Rosemarie ( eine Suburbiade) ORF (1980)

Sekundärliteratur

  • Brigitte Kronauer: Ein Zelt und nichts weiter. Zu Klaus Sandler. In: Aufsätze zur Literatur. Klett-Cotta, Stuttgart 1987
  • Hans Raimund: Klaus Sandler - Erinnerungen an einen, der immer weniger wissen und immer mehr sehen wollte; LITERATUR & KRITIK, Otto Müller Verlag, Salzburg, juli 2006/4050-406
  • das pult - extra; zum Gedenken an Klaus Sandler; Gedenkschrift zum 50 Geburtstag, Wien 1995; ISBN 3-9500469-0-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Manfred Wieninger: St. Pöltner Straßennamen erzählen. Löwenzahn, Innsbruck 2002, ISBN 3-7066-2208-4, S. 224: Eintrag zur Klaus-Sandler-Gasse.