Klein (Familie)

Die Familie Klein war eine altösterreichische Unternehmerfamilie, deren Wurzeln in das ausgehende 18. Jahrhundert zurückreichen und die den höchsten Bekanntheitsgrad während des 19. Jahrhunderts hatte. Sie war hauptsächlich in Mähren beheimatet.

Die bekanntesten Vertreter der Familie waren sechs Brüder in der zweiten Generation, die in zahlreichen Chroniken, vor allem in Mähren und Österreichisch Schlesien erwähnt sind. In der Literatur findet man aber meist nur Franz und den jüngsten Hubert. Es ist auch nicht leicht zu entscheiden, ob erwähnte Leistungen wirklich auf einen einzelnen zutreffen oder nur der Einfachheit halber auf Franz bezogen werden, da dieser die Leitung der Gebrüder Klein sein ganzes Leben über innehatte.

Inhaltsverzeichnis

Erste Generation

Die Stammeltern sind Johann Friedrich Klein (* 8. Januar 1756 im Bezirk Mährisch-Schönberg, †30. September 1835 in Groß Raigern) und Maria Elisabeth Hampel. Sie haben 1790 geheiratet.

Zweite Generation

Die Brüder Klein von Wisenberg, Lithographie von Josef Kriehuber, 1849

Franz erlernte den Gärtnerberuf. Gemeinsam mit seinen Brüdern machte er sich bald selbständig und führte Straßen- und Wasserarbeiten durch. Durch den guten Ruf, den das wachsende Unternehmen bald hatte, bekam dieses 1815 den ersten staatlichen Auftrag. Die Firma, die ihre Tätigkeiten bald auf alle Zweige des Bauwesens ausweitete, nahm Stromregulierungen ebenso vor wie sie Eisenbahnbauten ausführte. Von diesen Bauten sind vor allem die Tunnels der Semmeringbahn hervorzuheben.

Franz hatte die Leitung dieser Unternehmen bis zu seinem Tode inne. Er gilt als sozial engagiert und richtete beispielsweise Spinnschulen ein.

Verheiratet war Franz mit Franziska Hillebrandt aus Brünn, mit der er vier Kinder hatte.

  • Engelbert (* 27. August 1797 in Wiesenberg, † 9. April 1830 in Jägerndorf)
  • Libor (* 2. Februar 1803 in Zuckmantel,† 9. Februar 1848 in Brünn)
  • Albert (* 16. Januar 1807 in Wiesenberg, † 31. Oktober 1877 in Zöptau)

Im Jahr 1859 erhielt Albert Klein den österreichischen Adelstitel Edler, 1864 das Prädikat Ritter und 1872 den Titel Freiherr, so dass er sich fortan Albert Klein von Wisenberg nannte. [1] In der Folge wurde dieser Titel auch auf seinen Neffen Franz, den Sohn seines Bruders Franz, übertragen. Er gründete 1862 die Aktienzuckerfabrik Keltschan. Albert war verheiratet mit Amalie Langer aus Schlesien. Mit ihr hatte er elf Kinder.

  • Hubert (31. Dezember 1811 in Wiesenberg, † 28. Juli 1856 in Reichshof in Polen).

Nach dem technischen Studium trat er in die Unternehmen seiner Brüder ein und beschäftigte sich vor allem mit dem Braunkohlebergbau in Tscheitsch. In der ebenfalls dort errichteten Glashütte wurde erstmals aus Braunkohle hergestelltes Gas nach selbst entwickeltem Verfahren im Jahr 1852 zu Produktionszwecken verwendet. Auch er gründete zahlreiche wohltätige Stiftungen.

Verheiratet war er mit Franziska Podušková.

weitere Nachkommen

  • Franziska (1853-1940), Tochter von Franz Klein von Wisenberg und Leopoldine Hauptmann (5. Generation), war verheiratet mit Franz von Ringhoffer.
  • Friederike (1855-1936), eine weitere Tochter, war verheiratet mit Emanuel Freiherr von Ringhoffer.
  • Marie (1858-1951), eine weitere Tochter, war verheiratet in erster Ehe mit Carl Freiherr von Ludwig, k.u.k. Feldmarschall-Leutnant, und in zweiter Ehe mit Viktor Freiherr von Ringhoffer.
  • Emmy Freiin von Ringhoffer (1858-1947), Tochter von Franz Freiherr von Ringhoffer und Josephine Schallowetz, war verheiratet mit Franz Freiherr Klein von Wisenberg (1851-1930)

Gemeinsame Unternehmen

Bahnstrecken in Tschechien, welche von den Gebrüdern Klein gebaut wurden.
Eine der von Klein gebauten Brücken aus dem Jahr 1888 über die March

Die Brüder Klein gehörten zu den Pionieren des Eisenbahnbaus in der k.k. Monarchie. Die erste von ihnen errichtete Strecke entstand 1837 zwischen Wien und Gänserndorf. 1847 entstand das Unternehmen Gebrüder Klein. Bis 1873 errichteten die Brüder Klein über 3500 Kilometer Bahnstrecken im gesamten Gebiet der Monarchie. Auch der Praha Masarykovo nádraží, der Prager Masaryk-Bahnhof, wurde von einem Konsortium der Brüder mit Karl Adalbert Lanna errichtet.

Im Jahr 1844 erwarben die Brüder die Herrschaft Zöptau und damit auch die alten Eisenwerke Zöptau. Der Besitz dieser Werke ermöglichte es dem Unternehmen, den benötigten Stahl für die Bauten selbst, und damit kostengünstiger und rascher, herzustellen. In Zöptau entstand eine Brückenbaufabrik, die vorerst Kettenbrücken herstellte, später auch andere Stahlbrücken. Bis zum Jahr 1898 wurden allein 1.436 Eisenbahnbrücken hergestellt.

Die Familie heute

Die Nachkommen der Familie leben in Österreich und Bayern.

Literatur

Mausoleum der Familie in Zöptau
  • Wurzbach (Großindustrie Österreichs): Franz Klein. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 378.
  • Wurzbach (Großindustrie Österreichs): Hubert Klein. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 380.
  • Exner: Gewerbe und Erfindungen, Teil 2, S. 142
  • Großindustrie in Österreich, Bd. 6 S.69; Slokar, S.466
  • Kosch: Das katholische Deutschland
  • [GÁBA, Zdeněk; TEMPÍROVÁ-KOTRLÁ, Dagmar. Bratří Kleinové - stavitelé železnic. Šumperk: Okresní vlastivědné muzeum, 2000] (tschechisch)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Freiherrn Klein von Wisenberg abgerufen am 25. Oktober 2009