Klimt-Villa

Klimt-Villa, Blick von der Gartenseite. Im Erdgeschoß ist das ehemalige Atelier von Gustav Klimt

Als Klimt-Villa (auch: Villa Werner) wird ein im 13. Wiener Gemeindebezirk, Hietzing, in der Feldmühlgasse 11 im Bezirksteil Unter-St.-Veit stehendes, Anfang der 1920er Jahre errichtetes Villengebäude bezeichnet, das in seinem baulichen Kern das letzte Atelier des Malers Gustav Klimt enthält.

Die Verbindung des Begriffs Villa mit dem Namen Klimt ist unhistorisch und diente seit den 1990er Jahren dazu, die Erhaltung des heruntergekommenen Gebäudes zu bewirken. Klimt hat hier nicht in einer zweigeschoßigen, großbürgerlichen Villa gewohnt, sondern in einem schmucklosen, ebenerdigen Landhaus.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seitenansicht der Klimt-Villa, von der Feldmühlgasse aus gesehen, vor der erfolgten Änderung im Dachbereich

Klimts Atelier

Bauforschungen von Helmut und Heide Buschhausen, Mario Schwarz und Gerhard Weißenbacher haben nachgewiesen, dass in das gegenwärtige, zweigeschoßige Villengebäude an der Adresse Feldmühlgasse 11 (frühere Adressbezeichnungen: Feldmühlgasse 9, Wittegasse 15) tatsächlich im Erdgeschoß Gustav Klimts letztes, 1911 / 1912 bis 1918 verwendetes Atelier baulich inkorporiert wurde.

Im Sommer 1998 konnte durch weitere Forschungen von Herbert Rasinger[1] und Gerhard Weißenbacher[2] der schlüssige Nachweis erbracht werden. Um diese – lange bestrittene – Tatsache rankte sich ein beträchtlicher Teil der über zehn Jahre gelaufenen Kontroverse um Verkauf und Abriss oder Bewahrung des Gebäudes.

Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand liegt es nahe, dass der mit Gustav Klimt, aber auch mit der Besitzerfamilie der Liegenschaft, dem Möbelfabrikanten Josef Hermann, befreundete Maler Felix Albrecht Harta Gustav Klimt empfohlen hat, das schlichte eingeschoßige Landhaus mit hohen Fenstern (so Arthur Roessler) als Atelier zu mieten. Gustav Klimt schrieb am 26. August 1911 an die Redaktion des Adressbuchverlages Lehmann[3]: Meine jetzige Adresse lautet „Gustav Klimt, Maler, XIII., Feldmühlgasse 9, nicht mehr VIII Josefstädterstr. 21“. Gustav Klimt hatte sein Atelier zuvor von 1892 bis 1911 im Gartenpavillon des Hauses Wien 8., Josefstädter Straße 21.

Im November 1912 mietete Klimts Malerkollege Egon Schiele, dem er als väterlicher Freund half, ein Atelier in der Hietzinger Hauptstraße 101, nur vier Häuserblöcke von Klimts Haus entfernt. In Lehmann's Allgemeinem Wohnungs-Anzeiger[4] war Klimt 1912 bis 1915 nur mit der Adresse Feldmühlgasse (damals mit Hausnummer 9) verzeichnet. Nach dem Tod seiner Mutter Anna scheint Klimt ab 1916 im Lehmann unter deren letzter Wohnadresse Wien 7., Westbahnstraße 36, auf.

Klimts Werkverzeichnis enthält etwa zwölf Bilder, die er, wenn nicht im Sommer am Attersee aktiv, im Haus Feldmühlgasse gemalt haben dürfte. Unter anderem malte Klimt 1914 hier nach Rückkehr von der Sommerfrische am See das Gemälde Litzlberg am Attersee. Das Bild wurde bei einer Versteigerung in New York im November 2011 um 40,4 Millionen Dollar (29,5 Millionen Euro) verkauft.[5] In diesem Atelier entstanden somit einige seiner berühmtesten Werke, darunter die „Goldene Adele“.

Ausbau zur Villa

1922 begann die kulturell interessierte (unter anderem mit Harta am Gründungsprozess der Salzburger Festspiele beteiligte) Familie Hermann den Villenbau rund um die erhaltenen Mauern von Klimts letzter Wirkungsstätte, den sie aber offenbar aus wirtschaftlichen Gründen unterbrechen musste. Das Gebäude wurde nach dem Tod von Josef Hermann von der nunmehrigen Alleinbesitzerin und Witwe Helene Hermann 1922 als Rohbau verkauft.

Erwerberin war Ernestine Werner, die bald darauf den Weingroßhändler Felix Klein heiratete. Sie ließ die Villa im damals beim k.u.k.-nostalgischen (speziell jüdischen) Großbürgertum verbreiteten „Rosenkavalier-Stil“ als zweigeschoßigen neobarocken Bau mit Freitreppe fertigstellen. Felix Klein war in Lehmanns Wiener Adressbuch 1928 erstmals, 1939 zum letzten Mal mit der Adresse Feldmühlgasse 11 eingetragen.[6] (Über das kultivierte Leben in diesem Ambiente gibt eine Darstellung der Zeitzeugin Edith Crossman, geb. Werner, Auskunft.)[7]

Staatseigentum

Die jüdische Familie Klein musste 1939 fliehen und verkaufte die 1948 restituierte Villa 1954 um 500.000 Schilling an die Republik Österreich, die das Gebäude für Schulzwecke nutzte und durch moderne, ebenerdige Baulichkeiten im Umfeld ergänzte. Gegen den von Bundesdienststellen vor allem aus finanziellen Gründen betriebenen Verkauf des Gebäudes wandte sich kurz vor 2000 eine Bürgerinitiative, die sich im Jänner 1999 als Verein Gedenkstätte Gustav Klimt[8] konstituierte und den Erhalt der Gebäudeteile mit dem Atelier und seinem weitläufigen Garten forderte. Der Verein erhielt die Villa vom Staat 2002–2007 als Prekarium (Bittleihe) und trat mit diversen kulturellen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit.

Kontroverse

2007 übernahm die Österreichische Galerie Belvedere unter ihrer neuen Direktorin Agnes Husslein auf Einladung des Wirtschaftsministeriums das Areal zur musealen Nutzung, nahm aber 2008 von der Betreuung der Villa Abstand, da ihre Pläne zur Rückführung auf den Bauzustand zu Lebzeiten Klimts nicht akzeptiert wurden.

Die in Sachen Klimt-Villa aktiven Kreise haben stets die Rettung des Gebäudes und seines Parks angestrebt, wobei der gegebene Baubestand (allenfalls zurückgeführt auf den Zustand von 1923 ohne das 1958 aufgesetzte Walmdach) respektiert werden sollte. Agnes Husslein wollte demgegenüber das Gebäude auf den Bestand zur Zeit Klimts zurückführen und dazu das neubarocke Villengebäude abreißen lassen.

Dagegen wurde geltend gemacht, dass eine Rückführung des Bauzustandes auf die Zeit Klimts aufgrund mangelnder Dokumentation gar nicht möglich sei. Zudem repräsentiere die weitgehend erhaltene Villa eine wesentliche und bisher missachtete Kulturleistung des Wiener jüdischen Bürgertums.

Die 2007 geführte öffentliche Debatte über den etwaigen Abriss des Villengebäudes und die Herausschälung der Reste von Klimts Atelier gewann Ende des Jahres aufgrund eines Berichts über geheime Abrisspläne erneut an Schärfe.[9][10] Im März 2008 fiel letztlich aus denkmalschützerischen Erwägungen die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums gegen das vom Belvedere präferierte Projekt bzw. für die Erhaltung der Villa sowie ihre behutsame Rückführung auf den Bauzustand zur Zeit ihrer Errichtung 1923 mit einem Flachdach.[11]

Neue Nutzung

Das Wirtschaftsministerium übertrug 2008 den Fruchtgenuss an der Liegenschaft an das Kuratorium für künstlerische und heilende Pädagogik (Comenius-Institut, Präsidentin Elisabeth Rössel-Majdan) mit der Auflage, die ehemaligen Gustav-Klimt-Atelierräume der Öffentlichkeit als Gedenkstätte zugänglich zu machen.

Die Burghauptmannschaft Österreich renovierte zwei Nebengebäude nach den Bedürfnissen der neuen Nutzer. 2009 eröffnete das Comenius-Institut eine Behindertenwerkstatt, im gleichen Jahr wurde die Villa unter Denkmalschutz gestellt. 2010 stellten die neuen Nutzer ein Konzept für den Betrieb der Klimt-Gedenkstätte vor und bezifferten das nötige Budget mit 1,8 Millionen Euro. Die Sanierungsarbeiten begannen im Frühjahr 2011. Am 30. September 2012 wurden die Räume der Öffentlichkeit vorgestellt.[12]

Literatur

Weblinks

 Commons: Klimt-Villa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Herbert Rasinger, Gustav Klimts 3. Atelier in Wien XIII, Wittegasse 15/Feldmühlgasse 11 in Steine Sprechen, Österreichische Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, Nr. 112, Wien 1999, S. 8-9, (Neuauflage 2000, Nr. 118a).
  2. Gerhard Weissenbacher: Anmerkungen zur Baugeschichte des Gustav Klimt-Ateliers; in Steine Sprechen, Österreichische Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, Nr. 112, Wien 1999, S. 3-7. (Neuauflage 2000, Nr. 118a).
  3. Postkarte in Klimt persönlich, Ausstellung vom 24. Februar bis 27. August 2012 im Leopold Museum, Wien; Ausstellungskatalog Klimt persönlich, Verlag Brandstätter, Wien 2012, ISBN 978-3-85033-657-4, S. 249
  4. Lehmann's Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger auf der Website der Wienbibliothek im Rathaus
  5. 29,5 Millionen Euro für Klimt-Gemälde: Spätes Erbe bringt Geldsegen, in: Tageszeitung Süddeutsche Zeitung, München, 3. November 2011.
  6. Lehmann, Ausgabe 1928, Teil I, S. 715
  7. Robert Streibel: Als der Klimt-Garten noch blühte (...). Zu Besuch in der Vergangenheit bei Edith Crossman. Auf der Spur des Klimt-Ateliers in Hietzing. Kündigungsgrund »Nichtarier«, in: Spurensuche, Zeitschrift für Wissenschaftspopularisierung, 11. Jg., Wien 2000, Heft 1-2
  8. Verein „Gedenkstätte Gustav Klimt“, ZVR-Zahl 395391338, Auhofstrasse 43, 1130 Wien.
  9. Klimtvilla-Abriss: Denkmalamt bremst (diepresse.com, 26. Juni 2007).
  10. Umstrittener Rückbau der Klimt-Villa (orf.at, 29. Juni 2007).
  11. Klimtvilla: Abriss gestoppt (diepresse.com, 17. März 2008), sowie gesamte Wiener Tagespresse vom 19. September 2008 mit Details der Nutzung.
  12. Klimt Villa Wien eröffnet! Abgerufen am 30. September 2012.

48.18861111111116.283055555556Koordinaten: 48° 11′ 19″ N, 16° 16′ 59″ O