Kogl im Burgenland

Kogl im Burgenland ist ein Dorf im Burgenland, das seit 1971 zur Großgemeinde Pilgersdorf gehört. Die Ortschaft liegt im äußersten Südwesten des Bezirks Oberpullendorf in einer Hügellandschaft, Bucklige Welt genannt.

Das typische Straßendorf hat 124 Einwohner, liegt auf einer Seehöhe von 599 m am Hang eines kegelförmigen Berges ("Kogl") und hat eine Größe von rund 518 ha.[1][2] Zum Ortsgebiet von Kogl gehört auch die Rotte Anger, bis nach dem Krieg noch als Weidefläche für die Hausschweine genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ende des 16. Jahrhunderts hat man im Herrschaftsgebiet von Lockenhaus großflächige Rodungen durchgeführt, wobei der Grundherr Franz II. Nádasdy (1555–1604) vor allem Untertanen aus Pilgersdorf, Bubendorf, Deutsch Gerisdorf und Salmannsdorf bei der Robot zum Einsatz brachte. Allerdings war die Bewirtschaftung der in Kogl gelegenen Flächen mehr als umständlich, weil diese von den genannten Ortschaften vier bis acht Kilometer entfernt waren. Daher beschloss der Grundherr, in diesem sehr entlegenen Rodungsgebiet eine Siedlung anzulegen, die im Urbar der Burg Lockenhaus im Jahr 1597 als „Kukli“ im Komitat Eisenburg erwähnt wird. Diesem Urbar ist auch zu entnehmen, dass die Ortschaften Lebenbrunn und Steinbach vom Pilgersdorfer Gericht mitbetreut wurde.[3] Die heute übliche Ortsbezeichnung ist erstmals bereits für das Jahr 1596 als „Kogli“ belegt, als es zu einer großen Grenzbegehung der diversen Grundherren dieses Raumes kam. Um ca. 1660 erfolgte die Loslösung von Pilgersdorf, im Jahr 1789 wurde Kogl auch zunächst eine Lokalkaplanei und wenig später sogar Pfarre, die auch für Lebenbrunn und die katholischen Bewohner der mehrheitlich evangelischen Ortschaft Redlschlag zuständig wurde.[4]

Die Kogler Kirche wurde im Jahr 1752 als Kapelle errichtet und im Jahr 1807 erweitert. Sie ist dem Hl. Oswald geweiht, die eher schlicht gehaltene Einrichtung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Zuge von Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten hat man unter der einfachen Fassung des Hochaltars eine Oberfläche mit Holzeinlegearbeiten entdeckt und freigelegt, womit das Erscheinungsbild des Altars stark aufgewertet werden konnte.[5] Die Wallfahrtskirche wurde vor allem beim Kirtag im August von den Bauern der Umgebung besucht, die dort um gute Ernte und gesundes Vieh beteten. Der ursprünglich an diesem wichtigsten Tag des Jahres abgehaltene große Krämermarkt mit Schaukeln, Ringelspiel und Schießbude mit beiderseitigen Marktständen vom Ortseingang zum Ortsausgang ist in den letzten zwanzig Jahren sukzessive kleiner geworden. Seit dem überraschenden Tod von Pfarrer Werner Gruber im Jahr 2008[6] steht das Pfarrhaus leer, die Pfarre Kogl ist Teil des Pfarrverbands Pilgersdorf-Kogl-Piringsdorf-Unterrabnitz. Aufgrund des Priestermangels soll dieser Pfarrverband mit den Pfarren Lockenhaus und Rattersdorf einen neuen Pfarrverband bilden, für den insgesamt zwei Geistliche, ein(e) Pastoralassistent/in, ein(e) Sekretär/in und eine weitere Bezugsperson zur Verfügung stehen.[7] Das Lebensmittelgeschäft, bis in die Nazizeit von einer jüdischen Familie betrieben, wurde schon vor Jahrzehnten aufgegeben, die Volksschule Ende der 70-er Jahre zugesperrt, das Wirtshaus knapp nach der Jahrtausendwende geschlossen. Die mangelnden wirtschaftlichen Perspektiven in der kleinstrukturierten Landwirtschaft und fehlende Arbeitsplätze in den anderen beiden Wirtschaftssektoren in der näheren Umgebung führten zu einer massiven Abwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Kogl wurde im Zuge großer Gemeindezusammenlegungen im gesamten Burgenland im Jahr 1971 mit den Ortschaften Pilgersdorf, Lebenbrunn, Deutsch Gerisdorf, Salmannsdorf, Bubendorf und Steinbach Teil der neuen Großgemeinde Pilgersdorf. In den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Straßen im Ort asphaltiert und Gehsteige angelegt. Konflikte mit der Großgemeinde führten zu eigenständigen Lösungen bei der Kanalisation des Ortes und der Trinkwasserversorgung (Wasser- und Abwassergenossenschaft Kogl). Die Ableitung der Dachabwässer wurde hingegen von der Gemeinde vorgenommen.[8] Das leerstehende Schulgebäude wurde im Jahr 2012 per Gemeinderatsbeschluss gegen den Widerstand eines großen Teiles der Kogler Bevölkerung an eine Privatperson verkauft, die aber vom Anbot wieder Abstand nahm, als sie bei einem Ortsbesuch angeblich beschimpft und bedroht wurde.[9] Im Gegensatz zur Großgemeinde Pilgersdorf, die von der ÖVP dominiert wird, ist Kogl mit einer 3/4-Mehrheit eine Hochburg der SPÖ.[10] Ortsvorsteherin ist Waltraud Weber von der ÖVP.[11]

Bevölkerung und Wirtschaft

Wie in der gesamten Großgemeinde ist die Einwohnerzahl seit Jahrzehnten rückläufig, zurückzuführen auf eine negative Geburten- und Wanderungsbilanz. Im Ort selbst gibt es keine, in der näheren Umgebung nur wenige Arbeitsplätze, sodass die berufstätige Bevölkerung zum täglichen Auspendeln gezwungen ist. Straßen führen über die benachbarte Ortschaft Redlschlag (höchster Punkt des Burgenlands und Standort des nächstgelegenen Wirtshauses) und Bernstein (einziges Serpentinvorkommen in Österreich) Richtung Oberwart ins südliche Burgenland, weiters über Lebenbrunn und Steinbach nach Kirchschlag in der Buckligen Welt in Niederösterreich, das eine wichtige Funktion als Zentraler Ort innehat (z. B. nächstes Postamt). Eine weitere Verbindung, die Kogler Landesstraße L 346, führt ins vier Kilometer entfernte Pilgersdorf, Sitz der Gemeindeverwaltung und des zuständigen Pfarrers, Standort des nächstgelegenen Lebensmittelgeschäfts und von Kindergarten und Volksschule für alle sieben Ortschaften der Großgemeinde. Zweimal in der Woche kommen Bäcker mit ihren Lieferautos in den Ort und ermöglichen weniger mobilen Bewohnern an bestimmten Stellen den Einkauf wichtiger Lebensmittel. Einmal in der Woche schaut ein Praktischer Arzt bei den Kranken und Bettlägerigen des Ortes vorbei.

Der Anteil an Pensionisten ist sehr hoch, zahlreiche Häuser stehen leer bzw. werden nur in Ferienzeiten als Zweitwohnsitz genutzt. Die Ortschaft verfügt inzwischen weder über ein Gasthaus noch über ein Lebensmittelgeschäft, die Schule wurde im Jahr 1979 geschlossen. Die Preise für Baugrundstücke liegen derzeit (2012) bei 12–13 Euro für den Quadratmeter.[12] Die meisten Grundbesitzer haben ihre Äcker und Wiesen verpachtet, zumal keine Flurbereinigung vorgenommen wurde, dominiert die Gewannflur. Der Erhalt des Landschaftsbildes – ein Wechselspiel von Wald, Wiesen und Äckern (vor allem Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Dinkel, Raps und Mais) – ist vorerst gewährleistet. Selbst Hühner oder Schweine, früher von jeder Familie gehalten, sind selten geworden, Enten und Gänse gänzlich verschwunden. Das Jagdrevier ist von heimischen Jägern gepachtet. In den letzten Jahren hat das nahezu verschwundene Niederwild – Hasen und Fasane – erfreulicherweise wieder zugenommen. Privaten Grundbesitzern gehören kleine Waldstreifen, es gibt daneben aber auch einen Gemeinschaftsbesitz, den "Urbarialwald". Zum Teil grenzt daran der "Herrschaftswald" von Esterhazy an, dem größten Grundbesitzer im Burgenland.

Vereine

  • Am 21. Juni 1996 wurde der OFDK Kogl gegründet, der sich der Brauchtumspflege (z. B. Osterfeuer, Faschingsfeiern, Weihnachtsfeiern) widmet und den Besuch kultureller Veranstaltungen organisiert.[13] Obmann ist Ing. Anton Grosinger.[14]
  • Wesentlich älter ist die Freiwillige Feuerwehr Kogl, die im Jahr 2011 ihr 90-jähriges Bestehen mit einem Festakt feierte.[15] Derzeitiger Kommandant ist Oberbrandinspektor Gerhard Krug.[16]
  • Im Ort existieren noch ein von Gerhard Hummel geführter Darts-Verein, ein Sparverein, ebenfalls geführt von Gerhard Hummel, und ein Verschönerungsverein, geleitet von Brigitte Knarr.
  • Die nächsten Fußballplätze befinden sich in Redlschlag, das in der untersten burgenländischen Liga, der 2. Klasse A Süd spielt, und in Pilgersdorf, mit einer Kampfmannschaft sogar in der Zweiten Liga Mitte vertreten.[17]

Brauchtum

  • Zur Pflege des Brauchtums gehört das "Zwickscheitelaustragen" zu Silvester: Die Jugendlichen des Ortes gehen von Haus zu Haus, wünschen den Bewohnern für das neue Jahr alles Gute, und legen ein großes Holzscheit unter den Esstisch, das im neuen Jahr Glück bringen soll. Sie erhalten dafür eine kleine Spende für die Jugendkassa. Der Spruch, der dabei aufgesagt wird, lautet: "Dou bring ma eng a Zwickelscheidl, zwickts Wogn und Pflui aun, seitzts Hia und Geins aun, bauts Woaz und Troad aun, dass nix erstickt und olls erquickt, und olls Unglick beim Giebelfenster außifluigt." In die Schriftsprache übertragen bedeutet das: "Da bringen wir euch ein ein Zwickelscheit, hängt Wagen und Pflug an, setzt Hühner und Gänse an, baut Weizen und Roggen an, damit nichts verdorrt und alles aufkommt, und alles Unglück beim Giebelfenster hinausfliegt."
  • Wenn ein Ortsbewohner heiratet, tauchen Kogler auch uneingeladen bei der Hochzeitsfeier als "Maschkara" auf, und halten den Frischvermählten und deren Verwandten, selbst unter einer Maske verborgen, in Gedichtform eine Art Charakterspiegel vor.
  • Wie in anderen katholischen Orten sind auch in Kogl am Karfreitag und am Karsamstag die "Ratschenkinder" unterwegs, welche mit ihren hölzernen Ratschen die "nach Rom geflogenen Glocken" ersetzen. Sie erhalten dafür von jedem Haushalt das "Ratschnaei", heute (2012) meist Süßigkeiten oder eine kleine Geldspende. Zu den Gebeten und Andachten wird mit folgendem Spruch aufgerufen: "Wir ratschna, wir ratschna den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Follts nieda, follts nieda auf eingare Kniea, und betts an Vaterunser und drei Ave Marie."
  • Am Karsamstag wird traditionell ein großes Osterfeuer entzündet, bei dem Gestrüpp, Strauchwerk und Holzabfälle verbrannt werden.
  • Im Ortsteil Anger wird jedes Jahr ein hoher Maibaum aufgestellt, der Ende Mai im Rahmen einer kleinen Feier wieder umgeschnitten wird.

Bilder

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria: Einwohner nach Ortschaften – Gemeinde: Pilgersdorf (pdf-Datei, 8 KB, abgerufen am 21. Februar 2011)
  2. Gemeinde Pilgersdorf: Gemeindenachrichten 2011_1 (abgerufen am 21. Februar 2011)
  3. http://ofdk-kogl.at/chronik/index.html
  4. http://www.pilgersdorf.at/die-ortsteile/kogl.html
  5. http://www.tagdesdenkmals.at/burgenland/17984/kogl-pfarrkirche-hl-oswald
  6. http://bglv1.orf.at/stories/300007
  7. http://begegnungunddialog.blogspot.co.at/2011/04/offene-pfarrstellen-der.html
  8. http://ofdk-kogl.at/ausdervereinsgeschichte/1999/index.html
  9. Burgenländische Volkszeitung (BVZ) vom 18. Juli 2012, S. 19 und BVZ vom 19. September 2012, S. 30.
  10. https://wahl.bgld.gv.at/wahlen/lt20100530.nsf/vwORTNav/7194
  11. http://www.pilgersdorf.at/fileadmin/gemeindenachrichten/2007/RS_6_A4.pdf
  12. http://www.exclusive-bauen-wohnen.at/de/bau_news/grundstueckspreise/burgenland.html
  13. http://ofdk-kogl.at/ueberuns/index.html
  14. http://ofdk-kogl.at/impressum.html
  15. http://www.pilgersdorf.at/fileadmin/gemeindenachrichten/2011/RS_3_A4.pdf
  16. http://www.bfkdo-op.at/abschnitte/abschnitt_vi/page.htm
  17. http://www.bgld-fussball.at/

47.44559816.299065599Koordinaten: 47° 27′ N, 16° 18′ O