Kollegiatstift Mattighofen

Das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zu Mattighofen ist ein im 15. Jahrhundert gegründetes Kollegiatstift (Chorherrenstift) in Mattighofen, Oberösterreich, in dem eine Gruppe von Geistlichen in einer klosterähnlichen Gemeinschaft lebt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfang des 15. Jahrhunderts fasste Konrad V. von Friedburg aus dem Geschlecht derer von Kuchl den Entschluss in Mattighofen ein Kollegiatstift zu errichten. Da er früh starb und keine Erben vorhanden waren, wurde der Plan von seinem Bruder Hans und seiner Frau Katharina von Krey in die Tat umgesetzt. Am 29. November 1438 unterzeichnete der Bischof von Passau, Leonhard von Laiming, den Stiftungsbrief. Erster Stiftsdekan wurde der damalige Kanonikus von Mattsee und Pfarrer von Pischelsdorf, Friedrich Peterlehner. Das Stift wurde unter anderem von den Päpsten Nikolaus V. und Pius II. bestätigt.

Durch zum Teil unfähige Leitung kam es jedoch bald zu einem Niedergang des Stiftes und Besitzungen, die man von den Gründern geerbt hatte, mussten veräußert werden. So wurden ab der Reformationszeit keine neuen Kanoniker mehr ernannt und das Stift sollte in ein Jesuitenkonvent umgewandelt werden. Kurfürst Maximilan Emanuel von Bayern, unter dessen hoher Protektion das Stift stand, holte sich daraufhin von Papst Innozenz XI. und dem Fürstbischof von Passau, Johann Philipp von Lamberg, die Genehmigung das Stift zu einer Propstei zu erheben. Im Jahre 1685 wurde mit Johann Friedrich Ignaz Graf von Preising der erste Propst investiert.

Im Jahre 1864 verlieh Papst Pius IX. den Mattighofener Pröpsten das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien.

2008 erhielt das Stift durch den Bischof von Linz Ludwig Schwarz ein neues Statut. Dem Stiftskapitel gehören jetzt 10 Kanoniker an: der Propst, fünf Kapitularkanoniker und vier Ehrenkanoniker. Am 31. Oktober 2008 fand unter seiner Leitung ein Pontifikalamt statt, in dem die ersten beiden Kanoniker und Walter Brugger, der seine Dissertation über das Stift geschrieben hatte, zum Ehrenkanonikus ernannt wurden. Propst blieb Walter Plettenbauer, der sich um eine Wiederbelebung des Stifts bemüht hatte.

Das Stiftskapitel

  • Mons. Walter Plettenbauer, Propst, Stiftspfarrer und Dechant (Dekanat Mattighofen), wohnt in der Propstei
  • Mons. Leon Sireisky, Kapitularkanonikus, Pfarrvikar, Pfarradministrator von Pischelsdorf, wohnt im Stift
  • Karl Johann Joseph Wanka, Kapitularkanonikus, Kapitelsenior, wohnt im Stift
  • Johannes Enichlmayr, Kapitularkanonikus, wohnt in Linz
  • Marek Michalowski, Kapitularkanonikus, Pfarrer von Friedburg, Pfarradministrator von Lengau und Schneegattern, wohnt in Friedburg
  • Prälat Walter Brugger, Ehrenkanonikus
  • Mons. Ewald Kiener, Ehrenkanonikus, Militärdekan, Landeskurat des Kameradschaftsbundes Oberösterreichs, wohnhaft in Linz
  • Walter Heinzl, Ehrenkanonikus, wohnhaft in Linz
  • Mons. Stefan Hofer, Ehrenkanonikus, Regionaldechant des Innviertels, Dechant des Dekanates Braunau, Stadtpfarrer in Braunau, wohnt in Braunau

Die Kanoniker dürfen die schwarze Soutane mit roten Knöpfen und Nähten, sowie das Kapitelkreuz am Band tragen. Als Kopfbedeckung benützen sie ein violettes Birett oder das schwarze Zucchetto.

Die Stifts– und Propsteipfarrkirche

Die Kirche ist der Himmelfahrt Mariens geweiht, das Patrozinium ist am 15. August.

Geschichte

Der erste Kirchenbau, der am Ort eines keltischen Heiligtums errichtet worden war, geht auf das 6. Jahrhundert zurück[1], und war Maria geweiht, damit ist die Kirche eine der ältesten Marienkirchen Österreichs. Diese ursprüngliche hölzerne Kirche wurde im 10. Jahrhundert durch einen steinernen Bau ersetzt. In der Spätgotik wurde das Dach mit Spitzbögen einbewölbt, der Turm mit gotischen Formen versehen und ein Oratorium angebaut.

1649 wurde die Kirche barock umgestaltet und nach 1774 musste man die Kirche nach einem Brand erneuern. Bis 1779 wurde diese Erneuerung nach Plänen Franz Anton Kirchgrabners im spätbarocken bis frühklassizistischen Stil ausgeführt.

1974 erfolgte eine Außenrenovierung, 1986 eine Innenrenovierung.

Ausstattung

Die Kirche besitzt wertvolle Skulpturen der beiden Apostel Petrus und Paulus von Thomas Schwanthaler, die am Hochaltar platziert sind. Das Hochaltarbild wurde von Franz Ignaz Oefele gestaltet und zeigt die Himmelfahrt Mariens, darüber ist ein rundes Gemälde der heiligen Dreifaltigkeit zu finden. Neben dem Hochaltar besitzt die Kirche noch vier weiter Seitenaltäre, darunter eins mit einem Altarbild hl. Florian von Johannes Nepomuk della Croce.

Die Deckenfresken wurden ebenfalls von della Croce gestaltet, davon sind zwei besonders erwähnenswert, das eine befindet sich in der Vierung und zeigt den Hof der Königin von Saba, das andere befindet sich im hinteren Presbyterium und zeigt das Stifterpaar Hans Kuchler und Katharina von Krey mit den ersten Chorherren.

Eine sehr schön gemachte Kreuzigungsgruppe ist rechts über der Kommunionbank aufgehängt. Vom Presbyterium gelangt man auch in die Taufkapelle, die mit Stuckarbeiten von Johann Michael Vierthaler ausgestattet ist.

Im Jahre 1997 wurde eine neue Orgel eingebaut, die auch als Konzertorgel genützt werden kann.

Kreuzgang

Ein Teil des gotischen Kreuzganges, der Kirche und Kapitelhaus verbindet, ist erhalten und mit alten Fresken ausgestattet. Er wird als Werktagskapelle genutzt.

Krypta

Unter dem Propsteigebäude ist eine gotische Krypta erhalten, welche vor der Landesausstellung 2012 renoviert wurde und während der Landesausstellung als Ausstellungsort für die Stadt- und Stiftsgeschichte dienen wird.

Geläute

Nachdem das Geläute den beiden Weltkriegen zum Opfer gefallen war, wurden am 1. Oktober 1949 neue Glocken bei der Gießerei Pfundner in Wien bestellt, die am 18. Dezember geweiht wurden:

  • Glocke 1 Ton c‘ 1955 kg Marienglocke
  • Glocke 2 Ton e‘ 1055 kg Josefsglocke
  • Glocke 3 Ton g‘ 564 kg Petrus und Paulus
  • Glocke 4 Ton a‘ 425 kg hl. Florian, hl. Leonhard, hl. Sebastian

Eine kleine Sterbeglocke von 1695 ist erhalten.

Liturgische Geräte

Vor allem aus der späten Barockzeit sind dem Stift einige sakrale Gegenstände von zum Teil bedeutendem kunst- und kulturhistorischem Wert erhalten. So etwa eine 90 cm hohe Monstranz aus 1760/1770 oder eine Lavabogarnitur, welche das Wappen des Propstes Joseph Ferdinand Guidobald Graf von Spaur zeigt. Auch 2 mit Emailplaketten versehene Kelche besitzt das Stift.

Literatur

  • Kirchenführer Mattighofen
  • Franz Sonntag: Bildchronik Mattighofen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]

48.10611111111113.148888888889Koordinaten: 48° 6′ 22″ N, 13° 8′ 56″ O