Konstantin Kammerhofer

Konstantin Kammerhofer in SS-Uniform (ca. 1938)

Konstantin Kammerhofer (* 23. Januar 1899 in Turnau; † 29. September 1958 in Oberstdorf) war in der Zwischenkriegszeit Landesleiter des Steirischen Heimatschutzes in Österreich, zur Zeit des Nationalsozialismus SS-Gruppenführer, Generalleutnant der Polizei und Beauftragter des Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, im Unabhängigen Staat Kroatien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Besuch der Volks-, Mittel- und Handelsschule nahm Kammerhofer am Ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee teil. Nach Kriegsende befand sich Kammerhofer ein Jahr lang in italienischer Kriegsgefangenschaft. Ab 1924 war Kammerhofer verheiratet, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Von Beruf war er Weinhändler.

Kammerhofer engagierte sich in der völkischen Turnerbewegung und im Steirischen Heimatschutz. Kammerhofer war im September 1931 in den Pfrimer-Putsch in der Steiermark verwickelt, im darauffolgenden Hochverratsprozess wurde er jedoch freigesprochen.[1] Kammerhofer gehörte der radikalen deutschnationalen und antisemitischen Gruppe im Steirischen Heimatschutz um August Meyszner und Hanns Albin Rauter an, die wie er selbst später im NS-Staat Karriere machen sollten. Von 1932 bis 1933 war Kammerhofer als Nachfolger von Walter Pfrimer Landesleiter des Steirischen Heimatschutzes und als solcher maßgeblich an der Formierung einer „Kampfgemeinschaft“ mit den Nationalsozialisten und schließlich an der Verschmelzung seiner Organisation mit der Sturmabteilung (SA) der in Österreich illegalen NSDAP beteiligt. Kammerhofer leitete als SA-Brigadeführer seit Ende 1933 die Brigade „Obersteiermark“.[2] Ehemalige Heimatschutz-Funktionäre aller Rangstufen erhielten entsprechende SA-Ränge und spielten anschließend auch beim Juliputsch gegen die Regierung Dollfuss eine wesentliche Rolle.

Nach dem gescheiterten Juliputsch von 1934 floh er von Österreich über Jugoslawien in das Deutsche Reich.[1] Hier arbeitete er in Berlin von Januar bis März 1935 beim Flüchtlingshilfswerk und trat später in die SS (Mitgliedsnr. 262.960) ein.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 trat er im Mai 1938 erneut in die NSDAP (Mitgliedsnr. 6.165.228) ein.[1] Zudem war er ab 1938 Mitglied des Reichstages (11. Wahlperiode) sowie Ratsherr in Wien. Kammerhofer war Träger der Medaille zur Erinnerung an den 9. November 1923, des im NS-Sprachgebrauch bezeichneten „Blutordens“. Ab 1936 zumindest bis 1941 war er SS-Führer in den Städten Essen, Bochum und Wien.[2]

Zweiter Weltkrieg

Ende Januar 1941 erfolgte Kammerhofers Beförderung zum SS-Brigadeführer; in dieser Funktion betreute er von Juni 1941 bis März 1942 die flämische SS in Brüssel. Von 1942 bis 1943 war er SS- und Polizeiführer der Gruppe „Asserbeidschan“, die er in Hindenburg selbst gegründet hatte.[2]

Im Juli 1942 erfolgte Kammerhofers Beförderung zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei, und von März 1943 bis 1945 fungierte Kammerhofer als „Beauftragter des Reichsführers-SS“ analog zu einem Höheren SS- und Polizeiführer im Unabhängigen Staat Kroatien. Nach persönlicher Intervention Heinrich Himmlers bei Ante Pavelic konnte Kammerhofer in Kroatien fast ungehindert handeln. Kammerhofer hatte unter anderem die Aufgabe, gemischte deutsch-kroatische Polizeieinheiten zur Bekämpfung der Partisanen- und Cetnicibewegung aufzubauen, die seinem Oberkommando unterstellt waren. Damit hatte Kammerhofer beziehungsweise die SS einen bedeutenden Teil der staatlichen Exekutive in der Hand. Der zunehmende Einfluss der SS in Kroatien führte zu starken Spannungen Kammerhofers mit dem Ustascha-Regime, dem Auswärtigen Amt und dem deutschen Gesandten in Zagreb, Siegfried Kasche. Bei der Partisanenbekämpfung befahl Kammerhofer rücksichtsloses Vorgehen. Beispielsweise ließ er nach einem Anschlag, dem ein ranghoher SS- und Polizeifunktionär zum Opfer fiel, alle Häuser im Umkreis des Tatortes abbrennen und mehr als 100 Personen exekutieren.

Anfang Juli 1943 wurde Kammerhofer zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei befördert.[2]

Nach Kriegsende

Kurz nach Kriegsende geriet Kammerhofer am 11. Mai 1945 in der Nähe von Salzburg in alliierte Kriegsgefangenschaft und wurde 1947 in Nürnberg vernommen. Anschließend wurde er nach Österreich ausgeliefert und in Graz vor Gericht gestellt. Kammerhofer konnte jedoch fliehen und als Bauhilfsarbeiter in Hannover untertauchen. Genaue Daten sind nicht bekannt.

Am 29. September 1958 wurde Kammerhofer tot in einer Fremdenpension in Oberstdorf aufgefunden. Ob es Suizid, Mord oder ein natürlicher Tod war, ist bis heute nicht geklärt. In Kammerhofers Biographien wird fälschlicherweise oft Hannover, sein letzter bekannter Aufenthaltsort, als Todesort angegeben.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Maren Seliger: Scheinparlamentismus im Führerstaat. Gemeindevertretung im Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Funktionen und politische Profile Wiener Räte und Ratsherrn 1934-1945 im Vergleich, Lit-Verlag, Wien/Berlin, ISBN 978-3-643-50233-9, S. 478f.
  2. a b c d Edmund Glaise von Horstenau, Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht: die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau, Wien 1983, S. 190.