Konsumverband

Der Zentralverband österreichischer Konsumgenossenschaften, kurz Konsumverband, ist ein 1903 gegründeter genossenschaftlicher Revisionsverband in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nachdem es in Deutschland schon 1902 auf einer Tagung in Kreuznach zur Ausstoßung von 98 politisch links orientierten Arbeiterkonsumgenossenschaften aus dem 1864 gegründeten „Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften" gekommen war, zeichnete sich in der Donaumonarchie um die Jahrhundertwende eine ähnliche Entwicklung der Ab- und Ausgrenzung von der Schulze-Delitzschen Richtung ab. Zwischen 1890 und 1910 verfünffachten die Konsumgenossenschaften in der österreichischen Reichshälfte ihre Umsätze und Mitgliederzahl. In der Mehrzahl handelte es sich dabei um Gründungen im Umfeld der Sozialdemokratie. Diese schwer kontrollierbare Volksbewegung der Arbeiterkonsumgenossenschaften beinhaltete allerdings auch Risiken, und es gab in der SDAP zunächst auch deutliche Vorbehalte.

1903 trat das österreichische Genossenschaftsrevisionsgesetz in Kraft, das für Genossenschaften regelmäßige Pflichtprüfungen im zweijährigen Abstand durch unabhängige Revisoren vorsah. In der Folge kam es, durch starke Unterstützung von Teilen der Sozialdemokratischen Partei, zur Gründung des "Zentralverbandes österreichischer Konsumgenossenschaften" als eigenständigem Revisonsverband.

1904 gehörten dem Konsumverband bereits 220 Konsumgenossenschaften an. Bis 1913 waren es 70 Prozent aller österreichischen Konsumgenossenschaften. Im Allgemeinen Verband verblieben nur bürgerliche Konsumgenossenschaften, so etwa die bedeutende Genossenschaft Erster Wiener Consum-Verein. Die Gründung des neuen Revisionsverbands führte allerdings nicht unmittelbar zu wirtschaftlichem Erfolg. Mit Unterstützung der sozialdemokratischen Partei mussten fünf finanziell schwer angeschlagene Konsumgenossenschaften zur Konsumgenossenschaft Vorwärts zusammengelegt werden. Auch die Gründung der Großeinkaufsgesellschaft GöC und jene der Hammerbrotwerke belastete den Sektor.

1913 musste schließlich Karl Renner, der damalige Vorsitzende des Konsumverbands, auf die finanziell gespannte Lage der Konsumgenossenschaften reagieren, indem er den Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen (Vorläufer der 1923 gegründeten Arbeiterbank und heutigen Bank für Arbeit und Wirtschaft) gründete. Dieser Verband bündelte Gewerkschaftsgelder, Geldmittel der Konsumgenossenschaften und der sozialdemokratischen Organisationen.

In der Zwischenkriegszeit und, nach einer kurzen Unterbrechung während des NS-Regimes, ab 1945, profilierte sich der Konsumverband als hauptsächlich betriebswirtschaftlich orientierte Beratungs- und Betreuungsinstitution. Die Revisionsfunktion gab der Institution eine gewisse Macht, allerdings vorwiegend gegenüber den kleineren der Regionalgenossenschaften. (Die Revisoren waren zwar Angestellte des Verbandes, zeichneten aber in Eigenverantwortung ihre Prüfungsberichte). Die solidarische Betreuungsprüfung zeigte sich gegenüber der Pflichtprüfung laut Aktienrecht lange Zeit eher überlegen. Verbandsdirektor Andreas Vukovich nahm seit den 1930er-Jahren über Jahrzehnte eine hoch geachtete Stellung im Sektor ein.

Gegenüber Großgenossenschaften wie der Konsumgenossenschaft Wien und Umgebung (KGW) und ab 1978 dem Konsum Österreich erwies sich allerdings die Autorität des Verbandes, seiner Revisoren und seiner Führung als unzureichend. Der Konsumverband führt nach 1995 (dem Untergang des Konsum Österreich) nur mehr ein schattenhaftes Dasein in erneuter enger Anbindung an die Genossenschaftsgruppierung der Richtung Hermann Schulze-Delitzsch (Österreichischer Genossenschaftsverband).

Der Konsumverband im 21. Jahrhundert

Waren 1995 noch über 20 Genossenschaften im Verband organisiert, hat sich die Zahl durch weitere Konkurse oder Liquidationen bis 2011 mehr als halbiert. Dies geschah meist unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, nur das Ende der Firmen Ausseerland-Konsum im Jahr 2000 und Salzkammergut-Konsum Mitte 2011 erweckte ein gewisses mediales Interesse.

Beim Revisionsverband ist im Firmenbuch ersichtlich, bei welchen Genossenschaften er die Abschlussprüfung durchführt. Derzeit sind noch 10 Unternehmen eingetragen, und zwar

in Wien

in Vorarlberg

  • Konsum Bizau reg.Gen.m.b.H.
  • Konsum-Verein Sonntag reg.Gen.m.b.H.
  • Konsum-Verein in Mellau e.Gen.
  • Konsumverein Höchst und Umgebung reg.Gen.m.b.H.
  • Konsumverein Hörbranz reg.Gen.m.b.H.
  • Konsumverein Schnifis reg.Gen.m.b.H.
  • Konsumverein Düns und Dünersberg reg.Gen.m.b.H.
  • Konsumverein Übersaxen reg.Gen.m.b.H.
  • Konsumverein Silbertal e.Gen

In den anderen sieben Bundesländer ist der Revisionsverband mangels dortiger Konsumgenossenschaften nicht mehr präsent.

Darüber hinaus gibt es noch einige wenige weitere "Konsum", dort scheint der Konsumverband aber nicht als Kontrollorgan auf, zum Beispiel bei den Konsumvereinen Nüziders und Schwarzenberg (Bregenzerwald). Beim aus dem Bauernkonsumverein Tamsweg hervorgegangenen Firma "Erster Lungauer Wirtschaftsverein" zeichnet als Prüfer der Raiffeisenverband Salzburg.[1]

Literatur

  • Johann Brazda, Siegfried Rom (Hg):150 Jahre Konsumgenossenschaften in Österreich, Wien 2006
  • Robert Schediwy: Die genossenschaftliche Verbandsprüfung Wien 1972
  • Emile Vandervelde: Neutrale und sozialistische Genossenschaftsbewegung, J.H.W. Dietz, Berlin 1974, speziell S 72 (Nachdruck der Erstausgabe von 1914)

Einzelnachweise

  1. Firmenbuch-Abfrage mit Suchwort: Konsum, ausgedruckt am 2. August 2011