Kriemhild Trattnig

Kriemhild Trattnig (* 1937 [1]) ist eine ehemalige österreichische Politikerin der FPÖ in Kärnten. Sie war unter anderem Klubobfrau der FPÖ im Kärntner Landtag und zweite Landtagspräsidentin. In beiden Positionen war sie die erste Frau. [2]

Trattnig hat den politischen Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider in den Achtziger Jahren an verantwortlichen Positionen begleitet. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes sieht in ihr die "einst führende freiheitliche Ideologin"[3], die Zeitung Der Standard bezeichnet sie als "politische Ziehmutter Haiders"[4]. Zu Beginn der Neunziger Jahre wandte sie sich jedoch von Haider ab, blieb der FPÖ weiterhin als einfaches Mitglied verbunden und tritt seit der Abspaltung des BZÖ öfter als Mahnerin für die Wurzeln der Partei in Erscheinung. Von Medien wird sie gerne als freiheitliches "Urgestein" bezeichnet.[5]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Trattnig wuchs als eines von insgesamt 11 Geschwistern in der Gemeinde Albeck (Kärnten) auf. Ihr Vater Reinhold Huber war Landwirt und 1949 Anführer der VdU, der Vorgänger-Partei der FPÖ. Im Dritten Reich war Huber SA-Truppenführer, Ortsgruppenleiter und schließlich Landesbauernführer. Er war 1945 in britische Gefangenschaft geraten und 1947 freigelassen worden. [6]

Sie ist die Schwester des verstorbenen Kärntner FPÖ-Politikers Alois Huber.[7] Trattnig ist verheiratet und hat vier Kinder.

Politische Karriere

Trattnig zog im Jahr 1979 erstmals in den Landtag in Kärnten ein. Sie war von 1986 an Klubobfrau des Kärntner FP-Klubs und wurde 1989 als erste Frau zweite Landtagspräsidentin in Kärnten.

Vor der Machtübernahme Jörg Haiders am FPÖ-Parteitag in Innsbruck taten sich Trattnig und der Abgeordnete Alois Huber als Kritiker des damaligen Parteichefs Norbert Steger hervor, dessen Kurs sie für zu liberal hielten. Nach der Installierung Haiders als Bundesparteichef begann auch für Trattnig ein rascher Aufstieg in der Partei. Sie galt als Vertraute Haiders. Trattnig vertrat stets ein konservatives Familienbild und lehnte die Förderung berufstätiger Frauen ab - vielmehr sollten die Familienväter besser entlohnt werden, damit sich Frauen auf ihre Aufgaben als Mütter konzentrieren könnten. Auch in der Ausländerpolitik vertrat sie einen harten, von vielen als ausländerfeindlich interpretierten Kurs.

Allerdings geriet Trattnig bald in Streit mit der sogenannten „Buberlpartie“ rund um Jörg Haider, die sich mehr und mehr von den deutschnationalen Traditionalisten der FPÖ abzugrenzen versuchten, zu denen Trattnig zählte. [8] Es kam zu mehreren öffentlichen Auseinandersetzungen Trattnigs etwa mit Gernot Rumpold, Mathias Reichhold, Walter Meischberger oder Reinhart Gaugg, die Trattnig zu verstehen gaben, dass sie nicht in das von ihnen vorgegebene Bild einer modernen FPÖ passte.[9] Trattnig selbst schrieb in einem offenen Brief, dass „Rumpold, Reichhold Gaugg & Co“ ab dem Jahr 1989 „immer wieder über Medien ein Kesseltreiben“ gegen sie betrieben hätten.[10]

Die Streitigkeiten erreichten am FPÖ-Parteitag in Bad Gastein 1992 ihren Höhepunkt. Gernot Rumpold betrat im Dirndl, als Trattnig verkleidet die Bühne und verhöhnte die Landtags-Vizepräsidentin als "Vertreterin der Goldhauben-Frauen".[11] Viele Beobachter hielten das für eine von Haider gesteuerte Aktion.[12] Trattnig legte daraufhin alle Parteiämter nieder. Sie war in den darauffolgenden Jahren lediglich in ehrenamtlicher Position für die Partei tätig, unter anderem als Vorsitzende einer internen Wertekommission.

Sie kritisierte die Abspaltung des BZÖ unter Jörg Haider mehrmals scharf und trat etwa im Wahlkampf zur Nationalratswahl 2008 als Unterstützerin der FPÖ auf - sie kandidierte auch für den Nationalrat, allerdings auf aussichtsloser Position.

Im Jahr 2004 verlieh ihr das Land Kärnten die „Kärntner Lorbeer in Silber“ für ihr Engagement bei den Goldhaubenfrauen. Sie nahm die Auszeichnung an, blieb aber der Verleihungszeremonie mit Landeshauptmann Haider fern.[13]

Auch nach der Wiedereingliederung eines Großteils des Kärntner BZÖ als FPK in die Strukturen der Bundes-FPÖ blieb Trattnig auf Distanz zu dieser Sektion der Freiheitlichen und forderte den Landesparteiobmann Uwe Scheuch auf, "alle Haider'schen Manieren" abzulegen[14].

Literatur

  • Haider nahm die Maske ab, Interview mit Kriemhild Trattnig, in: Mölzer, Andreas (Hg.): Was bleibt von der Dritten Kraft?; W3-Verlag: Wien 2005, ISBN 3-900052-04-2
  • Interview mit Kriemhild Trattnig, in: Eibicht, Rolf-Josef (Hg): Jörg Haider - Patriot im Zwielicht?; DS-Verlag: Stuttgart 1997, ISBN 3-9805844-1-0

Einzelnachweise

  1. Wahlvorschlag der FPÖ im zweiten Kärntner Landeswahlkreis zur Nationalratswahl 2008 auf den Seiten des österreichischen Innenministeriums
  2. Magazin Datum Ausgabe 04/2006: Maderlpartie ohne Lobby
  3. Brigitte Bailer-Galanda: Frauenbild und Frauenrepräsentanz im Rechtsextremismus
  4. Der Standard, 2. März 2010, Seite 26: "Kopf des Tages"
  5. Vgl. etwa Datum, Kleine Zeitung, Der Standard.
  6. Herbert Lackner: Die Bludordens-Haberer, in: Profil vom 16. September 1996, Seite 34)
  7. diepresse.com am 21. August 2007: Ehemaliger FPÖ-Abgeordneter Alois Huber gestorben
  8. Andy Kaltenbrunner: Die Rotzbuben AG, in Profil vom 9. Mai 1994, Seite 24
  9. Der Standard, 6. August 1993, Seite 5
  10. www.fpoe.at: Brief Trattnigs an Josef Lobnig
  11. diepresse.com am 21. August 2007: Ehemaliger FPÖ-Abgeordneter Alois Huber gestorben
  12. Vgl. etwa Berliner Zeitung vom 5. Februar 2000: Königskobra im Kabinett
  13. Kleine Zeitung, 12. Oktober 2004, Seite 19
  14. Interview mit der Kleinen Zeitung, 21. Januar 2010: Entschuldigung wäre fällig