Kunstkammer Wien

Die Kunstkammer Wien ist eine Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Sie ist den Kunst- und Wunderkammern des späten Mittelalters, der Renaissance- und der Barockzeit nachempfunden und geht vor allem auf die früheren Sammlungen der Habsburger zurück.

Blick in die Kunstkammer Wien
Marmorplastik der Giulia Albani degli Abati Olivieri von Camillo Rusconi (Rom, um 1719) in der Kunstkammer Wien[1]
Gerät zum perspektivischen Zeichnen von Jost Bürgi (Kassel, 1604) in der Kunstkammer Wien
Elfenbeinstatuette „Apollo und Daphne“ von Jakob Auer (Wien, um 1688/90) in der Kunstkammer Wien[2]

Inhaltsverzeichnis

Sammlungsgeschichte

Die Kunstkammer Wien entstand aus mehreren Einzelsammlungen, welche durch verschiedene Auftraggeber zusammengetragen wurden. Folgende Sammlungen bilden die Grundlage für die heutige Kunstkammer:

  • Die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. (1552–1612), die in Prag zusammengetragen wurde. Viele der Schätze Rudolfs gingen im Dreißigjährigen Krieg bei der Plünderung der Prager Burg verloren, doch wurde diese aus den zuvor nach Wien verbrachten Beständen mit Werken der Goldschmiede- und Steinschneidekunst der Zeit um 1600 sowie um Bronzen bereichert.
  • Im 17. Jahrhundert kamen die Bestände aus der Kunstkammer Erzherzog Leopold Wilhelms (1614–1662) hinzu. Er gilt als einer der Väter der heute im Kulturhistorischen Museum untergebrachten Gemäldegalerie, erwarb jedoch auch Renaissancebronzen meist italienischer Herkunft sowie Kleinplastiken aus Stein und Holz.
  • In die Schatzkammer im Schweizertrakt der Wiener Hofburg gelangten im 17. Jahrhundert zudem seinerzeit beliebte Arbeiten aus Halbedelsteinen, Drechselarbeiten aus Elfenbein, Schnitzereien aus Rhinozeroshorn und miniaturhafte Wachsmodellierungen.

Die Sammlung im Schloss Ambras wurde 1806 vor den Truppen Napoleons nach Wien in Sicherheit gebracht, wo sie im Unteren Schloss Belvedere zunächst ihre Selbständigkeit bewahrte. Erst die unter Kaiser Franz Joseph I. ab 1875 in Angriff genommene große Reform der kaiserlichen Sammlungen vereinte schließlich alle Kunstkammerbestände im 1891 eröffneten Kunsthistorischen Museum und beließ nur die Objekte mit Insigniencharakter und solche, die an Mitglieder des Kaiserhauses erinnern, in der Schatzkammer.

Die neu gebildete Sammlung fand ihren Platz im Hochparterre des Gebäudes und wurde zunächst als „Sammlung kunstindustrieller Gegenstände“ bezeichnet. 1919 erhielt sie den Namen „Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe“. Da diese Sammlung jedoch nur in geringem Maße Großplastiken und nur wenige zweckgebundenen Gegenstände des Kunsthandwerks enthält, wurde dieser Name als unpassend betrachtet und man entschloss sich 1990 zur Rückbenennung in „Kunstkammer“.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 gliederte man der Wiener Kunstkammer die Sammlungen der Nebenlinie Österreich-Este an, 1921 kam die Tapisseriensammlung dazu, bestehend aus ca. 800 Wandteppichen, welche ursprünglich der Ausgestaltung der kaiserlichen Schlösser gedient hatten. Diese Sammlung zählt neben der im Besitz der spanischen Krone befindlichen zu den bedeutendsten ihrer Art. 1938 stiftete Gustav von Benda mit einem Legat der Sammlung weitere wichtige Werke der Florentiner Frührenaissance. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kunstsammlung mit sehr geringen Verlusten. Lediglich Teile der Tapisseriensammlung, welche als Leihgabe nach Berlin und zur Ausstattung von Görings Jagdschloss Carinhall gegeben werden mussten, gelten seit Kriegsende als verschollen.

Seit 1963 sind alle Bestände der Sammlung wieder im Kunsthistorischen Museum Wien vereint. 2002 erforderten die baulichen und technischen Gegebenheiten die vorübergehende Schließung der Kunstkammer. Im Anschluss erfolgte eine grundlegende Sanierung und Erweiterung der Räumlichkeiten sowie die Neuaufstellung und zeitgemäße Präsentation der Objekte. Zu den künstlerisch bedeutenden Exponaten zählen Goldschmiedearbeiten wie die berühmte Saliera von Benvenuto Cellini, Skulpturen wie die Krumauer Madonna, Bronzefiguren, Elfenbeinarbeiten und Steingefäße, aber auch Uhren, mechanische Automaten, wissenschaftliche Instrumente, technische Spielereien und vieles mehr.

Nachdem bereits im Dezember 2012 in einer öffentlichen Vorabpräsentation der erste Raum des Museums besucht werden konnten, wird die als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt geltende Kunstkammer Wien am 1. März 2013 wieder eröffnet. Künftig sind auf einer Fläche von rund 2.700 m² mehr als 2.200 Objekte zu sehen, welche in 20 Themenräumen präsentiert werden.[3]

Literatur

  • Kunsthistorisches Museum Wien (Hrsg.): Ein Wunderraum der Phantasie: die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums. Wien 2009, ISBN 3-85497-156-7.
  • Franz Kirchweger und Sabine Haag: Die Kunstkammer – Die Schätze der Habsburger. Brandstätter Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85033-661-1.

Einzelnachweise

  1. Camillo Rusconi: Giulia Albani degli Abati Olivieri; Halbfigur. Europeana. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  2. Jakob Auer: Apollo und Daphne. Europeana. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  3. The Epoch Times, abgerufen am 17. Januar 2013

Weblinks