Kunz Jehle

Kunz Jehle (* um 1480 in Niedermühle; † um den 12. Dezember 1525 in Waldshut; gebürtig/eigentlich Konrad Jehle) war der Führer des Hauensteiner Haufens im Deutschen Bauernkrieg. In der Küssenberger Chronik heisst es: Ihr Haubtmann Conradt Uli, genannt Kuonz von der Niedermüli

Inhaltsverzeichnis

Leben

Vermutlich um das Jahr 1480 wurde Kunz Jehle in Niedermühle geboren. Bei dem Vornamen Kunz handelt es sich lediglich um eine Kurzfassung, sein richtiger Name war Konrad. Kunz Jehle war verheiratet und hatte zumindest ein Kind, Johannes Jehle, der das Geschlecht nach dem Tod seines Vaters fortführte.

Leistungen

Kunz Jehle führte am 27. April 1525 im Deutschen Bauernkrieg den „Hauensteiner Haufen“ von etwa 600 Bauern gegen das Kloster St. Blasien. Joseph Ruch beschreibt in seinem Buch Geschichte der Stadt Waldshut das Ereignis wie folgt „Die Bauern liefen zusammen, als ob es schneite, aus allen Dörfern, keines ausgenommen. Sie verjagten die Mönche und verwuesteten das Kloster. Kunz Jehle der als umsichtig und besonnen galt mahnte Einhalt zu gewaehren und das Kloster nicht wie vielerorts ueblich niederzubrennen.“ Eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1532, die bis heute erhalten blieb und sich heute im Pfarrhaus von Dogern befindet, zeichnet die Beteiligten des Sturms auf das Kloster aus einer der Pfarreien, der Pfarrei Birndorf, wie folgt auf: „Copie von 1532 – Anno 1525 sind aus der Pfarrei Bürdorf nach St. Bläsi gelaufen und haben grossen Schaden getan: Antoni Waldkiller von hir Vogts Sohn, Caspar Meyer von hier, Hans Gäng von hier, Heini Fluom von hier, Marti Ratzinger von Schatenbürdorf, Hanss Scheffer der jung von Bürkingen Vogts Sohn, Adam Schänk von Bürkingen, Andres Trändlin von Bürkingen der Jung, Andreas Leber von Bürkingen, Marx Mettenberger aus dem Chuchelbach, Hans Pfeiffer aus dem Poland, Thoma Winkler von Buoch, Baschli Eggert von Buoch, Jörg Trändlin von Hächel der Jung, Peter Sur von Etzbel, Michel Tröndlin von Heite“.

Martin Luther distanzierte sich von der Freiheitsbewegung der Bauern und schrieb wörtlich in seiner Schrift: "Wider die Mordischen und Reuberischen Rotten der Bawren"[1]: „man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss“, was sich die Obrigkeit nicht zweimal sagen liess und den Worten Luthers taten folgen liess.

Nachdem der Bauernaufstand blutig niedergeschlagen wurde, verübte trotz Bitten des St. Blasier Abtes der Adel im Gefolge des Fuchs von Fuchsenstein Vergeltung. Der Bauernführer Kunz Jehle fiel den Militärs in die Hände. Diese machten kurzen Prozess, nahmen ihn gefangen und machten ihn für die Aufstände und die Zerstörungen verantwortlich. Er wurde nach St. Blasien abgeführt und gleich am folgenden Tag an einer Eiche in der Nähe der „Lettenmühle“ oberhalb von Waldshut gehängt. Der damalige Pfarrer von Dogern, Heinrich Küssenberg, schreibt dazu in seiner Chronik: "Ihr Haubtman Conradt Uli genannt Kuonz von der Nidermüli wurde gefänglich nach St. Blasi geführt, andern Tags aber an einem Baum, ob dem Letten genannt, bei Waltshuet gehenkt."[2] In der Nacht zum 14. Dezember 1525 schnitten Freunde von Kunz Jehle dessen rechte Hand ab und nagelten sie an die Klosterpforte von St. Blasien und dazu einen Zettel mit der Inschrift: „Diese Hand wird sich rächen“. Daraufhin legten Anhänger von Kunz Jehle in der Nacht zum 11. April 1526 Feuer im Kloster St. Blasien. Um eine „saubere Arbeit“ zu verrichten, streuten sie Schießpulver an strategisch wichtigen Stellen. Die Klostergebäude östlich der Alb brannten in wenigen Stunden vollständig nieder.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Zitiert nach: David Liebelt: Das religiöse Herrschaftsverständnis bei Martin Luther. GRIN Verlag 2008, S. 23
  2. Heinrich Küssenberg: Chronik der Reformation in der Grafschaft Baden, im Klettgau und auf dem Schwarzwald