Kurt Rudolf Fischer

Kurt Rudolf Fischer (* 1922 in Wien) ist ein österreichischer Philosoph. Nachdem er 1938 nach Brünn und 1940 nach Shanghai emigriert war, wanderte er 1949 in die USA ein und kehrte 1979 in seine Geburtsstadt Wien zurück.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Fischer besuchte in Wien das Realgymnasium. Nach dem Anschluss Österreichs floh er als 16-Jähriger zu Verwandten nach Brünn in die Tschechoslowakei. Als auch hier die deutschen Truppen einmarschierten, gelang es ihm und seinen nachgekommenen Eltern gerade noch ein Ausreisevisum nach Shanghai zu bekommen, einem der letzten Zufluchtsorte, die zu dieser Zeit noch jüdische Flüchtlinge aufnahmen. Er schlug sich dort mit allerlei Jobs als Übersetzer, Nachtwächter und Boxer durch – in diesen Jahren wurde er chinesischer Boxmeister. Zu seinen Freunden in Shanghai gehörte Leo Roth.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er an der St. John's University in Shanghai sein Studium auf. Aufgrund seiner guten Studienleistungen bekam er 1949 die Einreisebewilligung in die USA, wo er an der University of California, Berkeley das Studium der Philosophie aufnahm und 1964 mit dem PhD abschloss. Hier freundete er sich mit dem zwei Jahre jüngereren direkt aus Österreich nach Berkeley gekommenen Philosophen Paul Feyerabend an. 1967 bis 1980 war er Professor an der University of Pennsylvania in Millersville, Pennsylvania, seit 1979 ist er Honorarprofessor an der Universität Wien. 2000 nahm er die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur an der Universität Kassel wahr. Ein Schüler Fischers ist der österreichische Philosoph Volker Zotz, der darauf im Vorwort seiner Dissertationsschrift dankbar hinweist.[1]

Ehrungen

Schriften

  • Contemporary European Philosophers (1963), Berkeley, 2. Aufl. 1968, 3. Aufl. 1972
  • Franz Brentano's Philosophy of "Evidenz", Berkeley 1964
  • Nietzsche und das 20. Jahrhundert. Existentialismus, Nationalsozialismus, Psychoanalyse, Wiener Kreis, Wien 1986
  • Philosophie aus Wien. Aufsätze zur analytischen und zur österreichischen Philosophie, zu den Weltanschauungen des Wiener Fin-de-Siècle und Biographisches aus Berkeley, Shanghai und Wien, Wien-Salzburg 1991
  • Österreichische Philosophie von Brentano bis Wittgenstein. Ein Lesebuch. UTB 2086, Wien 1999
  • "Jugendjahre und Flucht nach Shanghai", in: Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hrsg.): Auseinandersetzungen mit dem zerstörten jüdischen Erbe. Franz-Rosenzweig-Gastvorlesungen (1999-2005), Kassel 2004. ISBN 3-89958-044-3

Literatur

  • Peter Muhr, Paul Feyerabend, Cornelia Wegeler (Hrsg.): Philosophie - Psychoanalyse - Emigration. Festschrift für Kurt Rudolf Fischer zum 70. Geburtstag, Wien 1992, ISBN 3-85114-070-2
  • Gertruad Diem-Wille, Ludwig Nagl, Friedrich Stadler (Hrsg.): Weltanschauung des Wiener Fin de Siècle 1900/2000. Festgabe für Kurt Rudolf Fischer zum achtzigsten Geburtstag, Frankfurt a.M., Berlin, Bern usw. 2002, ISBN 3-631-36257-9
  • Kurt Rudolf Fischer: Emigration nach Shanghai, S. 487-498 in: Friedrich Stadler (Hsg): Bd 1 von Vertriebene Vernunft: Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft, 1930-1940, LIT Verlag Münster, 2004, ISBN 978-3-82587-3-721

Weblinks

Einzelbelege

  1. Volker Zotz: Zur Rezeption, Interpretation und Kritik des Buddhismus im deutschen Sprachraum vom Fin-de-Siècle bis 1930: historische Skizze und Hauptmotive. Wien, Univ., Diss., 1986, S. III