Ladislaus Freiherr Nagy von Alsó-Szopor

Ladislaus Freiherr Nagy von Alsó-Szopor (* 23. Juni 1803 in Vukovar; † 23. September 1872 in Graz) war ein kaiserlich-königlicher General.

Er war der Sohn des Rittmeisters Joseph Nagy von Alsó-Szopor (1777–1839) und seiner Ehefrau Franziska geb. Bessenyei († 1832)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nagy trat im Jahre 1816 in die Wiener Neustädter Militärakademie ein, aus der er 1823 ausgemustert wurde. Ab 1824 war er zur Armee in Neapel abgestellt und arbeitete dann 1828–30 in Dalmatien sowie 1830/31 in Kroatien bei der Mappierungungsabteilung, die diese Gebiete geographisch erfasste. Er wurde 1831 zum Oberleutnant und dann 1832 zum Kapitänleutnant[1] befördert. Im Jahre 1831 in Verwendung beim Hofkriegsratspräsidenten Ignaz Graf Gyulay stehend, wurde er im folgenden Jahr als Adjutant des Generalmajors Carl Graf Clam-Martinic abgestellt und ging in diplomatischer Mission nach Berlin.

Im Februar des Jahres 1835 erfolgte seine Versetzung zum Generalquartiermeisterstab. In dieser Stellung war er dann 1836–39 an den Operationen des Okkupationskorps in der Romagna beteiligt. Im April 1839 wurde er, nunmehr als Major, zum Generalstabschef des II. Korps in Verona bestellt, wobei er sich dem Feldmarschall Radetzky positiv bemerkbar machte. Von 1841–1844 leitete Nagy die kartographischen Vermessungsarbeiten im Kirchenstaat und in der Toskana, was sich als äußerst wertvoll herausstellen sollte. Im Mai 1845 wurde er zum Generalstabschef des I. Armeekorps in der Lombardei ernannt und 1847 zum Oberstleutnant befördert. Bis zum Ausbruch der Revolution von 1848/49 im Kaisertum Österreich war er mit operativen Studien und mit Fragen des Befestigungswesens befasst. Im Jahre 1848 zum Oberst befördert, war er am Feldzug 1848/49 in der Lombardei beteiligt. Seit April 1849 als Generalstabschef bei der in der Romagna operierenden Armee eingeteilt, zeichnete er sich bei der Belagerung und Einnahme von Bologna und Ancona aus und wurde am 11. November 1849 zum Generalmajor befördert. Danach wurde Nagy Generalstabschef der 1. Armee in Wien und von April 1852 bis November 1854 Kommandant der zur Ausbildung der Generalstabsoffiziere neu eingerichteten Kriegsschule in Wien. Im Jahre 1853 arbeitete er als Stellvertreter des Chefs des Generalquartiermeisterstabes, Feldzeugmeister Heinrich Freiherr von Heß, den Operationsplan für die Besetzung der Donaufürstentümer aus. Ab dem Ende des Jahres 1854 war Nagy zum Direktor sämtlicher Landesbeschreibungsarbeiten bestellt worden. Im Februar 1857 wurde er zum Chef dermit den operativen Angelegenheiten betrauten II. Sektion des Armeeoberkommandos ernannt. Mit Datum vom 28. Februar 1857 folgte seine Beförderung zum Feldmarschalleutnant. Während des Feldzuges von 1859 führte er als Stellvertreter des Gouverneurs in Dalmatien den Befehl über die Sicherung der österreichischen Adriaküste (Küstenland). Nach dem Ende des Krieges wurde er in das Armeeoberkommando bzw. in das Kriegsministerium abgestellt. Hier wirkte er massiv an den Arbeiten zur Heeresorganisation, der Reichsbefestigung und an Mobilisierungsvorbereitungen bzw. Aufmarschplanungen mit. Im Februar 1861 erhielt er die Leitung des Generalquartiermeisterstabes und wurde im November 1864 als Festungskommandant nach Theresienstadt kommandiert. Inzwischen zum Feldzeugmeister ad honores befördert, trat Nagy im Oktober 1865 in den Ruhestand. Nach der Niederlage bei Königgrätz 1866 führte er in Wiener Neustadt den Vorsitz der Kommission, die mit der Untersuchung der Maßnahmen der Armeeführung in Böhmen betraut war.

Im Jahre 1860 wurde Nagy zum Inhaber des „k.k. [2]Peterwardeiner Infanterieregiment Nr. 70“ ernannt.

Nachgelassene Werke

  • 1828: Ideen über tragbare Tag- und Nacht-Telegraphen zum Feldgebrauche, in: Österreichische Militär Zeitschrift I, 1828, S. 57–67
  • 1842: Malariakarte von Mittelitalien
  • 1858: Sanitäts- u. Fieberkarte der Österreichischen Monarchie
  • 1867: Bemerkungen über den Feldzug der k. k. Nord-Armee 1866, in: Österreichische Militär Zeitschrift II, 1867, S. 157–214
  • 1853: Österreichs Verhältnisse zu Rußland und zur europäischen Türkei aus mililitärischen und speciell österreichischen Gesichtspunkten betrachtet, in: Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs, 3. Jg., 1878, S. 127–41.

Anmerkungen

  1. In diesem Falle kein Marinedienstgrad
  2. ab 1867 k.u.k.

Literatur

  • ADB 23; Wiener Ztg. v. 25. September 1872, S. 1060
  • Streffleur's Österr. Mil. Zs., 13. Jg., 1872, 4. Bd., S. 190–96
  • J. Svoboda, Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener Neustadt und ihre Zöglinge I, 1894, S. 461–65
  • Geschichte des k. u. k. Peterwardeiner Inf.-Reg. Nr. 70, III. u. IV. Theil, 1898, S. 57 ff.
  • W. Wagner, Geschichte des k. k. Kriegsministeriums I, 1848–1866, 1966
  • O. Regele, Generalstabschefs aus vier Jahrhunderten, 1966
  • Manfred Rauchensteiner, Zum „operativen Denken“ in Österreich 1814–1914, Der „schulmäßige“ Aufmarsch, in: Österreichische Militär Zeitschrift, 12. Jg., 1974, S. 285–91

Quelle