Lafarge Perlmooser

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Die Lafarge Perlmooser Holding AG ist als Österreichs größter Zementhersteller Teil des französischen Konzerns Lafarge.

Die Zentrale der Lafarge Perlmooser Holding AG befindet sich in Wien. Produktionsbetriebe befinden sich in Mannersdorf am Leithagebirge in Niederösterreich und Retznei in der Steiermark. In den beiden Werken werden rund 1,6 Millionen Tonnen Zement jährlich hergestellt.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen der Holding

Die Lafarge Cement Technical Center Vienna GmbH gehört zur Division Zement, weiters gehören auch Lafarge Beton GmbH als 100 % Töchter. Deren Standorte mit Kiesgruben und Transportbetonwerken sind:

Verträge wurden bereits für die Neugründung im Jahr 2011 der Lafarge Cement CE Holding mit Sitz in Österreich unterzeichnet, an diesem Unternehmen ist Lafarge zu 70 % und die österreichische Strabag zu 30 % beteiligt. Dazu bringt Lafarge ihre österreichischen Werke Mannersdorf und Retznei, das tschechische in Čížkovice sowie Trbovlje in Slowenien ein, die Strabag ihr im Bau befindliche Werk im ungarischen Pécs.[1]

Lafarge Perlmooser ist auch Mitglied der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie und damit auch dem zugehörigen Forschungsinstituts.[2]

Geschichte

Die Perlmooser AG wurde bereits 1872 als AG der k. k. priv. hydr. Kalk- und Portlandzementfabrik zu Perlmoos in Kirchbichl in Tirol gegründet.

Vorangegangen ist die alte Getreidemühle des Rattenbergers Alois Kraft, der dort seinen aus seinen in Häring gebrochenen Mergel gebrannten Romanzement mahlte.

Bereits kurz später entdeckte aber Kraft einen hydraulischen Zement, der dem Portlandzement sehr ähnlich war, den er auch patentierte. Mit diesem Patent bekam Kraft die k.k. ausschließlich privilegierte Genehmigung zur Herstellung des hydraulischen Zements. Das Vorhaben versuchte er 1860 mit dem Salzburger Angelo Saullich, der finanziell stärker war, durchzuziehen, und erwarb in Kirchbichl eine weitere Zementmühle. Allerdings trennten sich die beiden bereits zwei Jahre später wieder und Saullich wurde Alleinbesitzer von der k.k. ersten Potlandcementfabrik von Angelo Saullich zu Perlmoos bei Kufstein.

Der nunmehrige Alleinbesitzer des Zementwerkes errang bei der Industrieausstellung in London im selben Jahr eine Medaille für seine Erfindung. Er baute selbst in Perlmoos noch Öfen und übernahm auch einige von anderen Besitzern. Direkt beim Bahnhof Kirchbichl errichtete er eine neue Mühle für Portlandzement und hydraulischen Kalk. Um finanziell leichter expandieren zu können, wandelte Saullich 1872 sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, an der sich beispielsweise die Oberbank oder das Bankhaus Schoeller beteiligten.

Das aufgelassene Werk in Kaltenleutgeben von der Josefswarte aus gesehen

Bis 1913 erweiterte Saullich das Unternehmen und erwarb auch Werke vom Mitbewerb stetig, blieb aber stets in derselben Produktionsebene. So kamen eine Zementfabrik aus Hallein ebenso wie von Franz Kink, dem eigentlichen Begründer der Zementindustrie in Österreich, dazu. Bis 1883 kamen einige Öfen aber auch Steinbrüche in der Umgebung dazu. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von rund 170 im Gründungsjahr auf knappe 700 Mitarbeiter Mitte der 1870er Jahre. Bei der zweiten Expansionswelle, die Mitte der 1890er Jahre begann, wurde die Erweiterung im weiteren Raum um Wien fortgesetzt, wie kleinere in Scheibmühl bei Traisen, Lilienfeld oder Oberpiesting. Stark gewachsen ist das Unternehmen im Jahr 1905 mit der zugekauften Kaltenleutgebener Kalk- und Zementfabrik, die Werke in Kaltenleutgeben, Achau, Mannersdorf am Leithagebirge besaß, vor allem da Kaltenleutgeben auch einen Bahnanschluss mit der Kaltenleutgebener Flügelbahn hatte. Zu diesem Werk gehörte auch seit 1895 ein Werk des Adolph Freiherrn von Pittel in Taßhof.

Das wirtschaftliche Zentrum der Perlmooser AG kam dadurch von Tirol nach Niederösterreich. Insgesamt erzeugte das Werk damals etwa 25 % der gesamten Zementproduktion in Cisleithanien. Noch vor dem Ersten Weltkrieg erwarb die Perlmooser AG ein Portlandzementwerk in Judendorf bei Graz, in Wachtl, in Retznei die Ehrenhausner Zementfabrik. So waren vor Beginn des Krieges in den elf Werken der Gesellschaft etwa 1.800 Mitarbeiter beschäftigt.

In der Zwischenkriegszeit wurde vorerst weiter expandiert. Perlmooser produzierte in der Zwischenzeit mit 1.500 Mitarbeitern die Hälfte des gesamten Bedarfes in Restösterreich. Mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 mussten allerdings doch einige Werke geschlossen werden, sodass die Mitarbeiter bis auf etwa 600 sank. Es waren dies beispielsweise Achau und Kirchbichl. Insgesamt gehörten 1937 nur mehr sechs Betriebe zum Konzern.

Eigentümer waren noch immer die Familie Schoeller und Miller-Aichholz, wobei die Aktien meist in der Schweiz waren. Auch die Länderbank hielt ein größeres Aktienpaket.

Nachdem Anschluss im Jahr 1938 kam auch noch die 1896 gegründete Rodauner Kalk- und Zementfabrik AG zur Perlmooser AG dazu, so wie die Holbag (Holz- und Baustoffgesellschaft). Im 1938 wurde die Mehrheit der Ziegelindustrie AG-Aktien (ZIAG) erworben.

Die ZIAG-Anteile wurden 1968 an die Wienerberger verkauft, während das Rodauner Werk bis 1996 einen wesentlichen Bestandteil der Perlmooser AG darstellte, dann aber geschlossen wurde.

Die Staatliche Auszeichnung erhielt Perlmooser im Jahr 1972, das das Unternehmen berechtigt, das Bundeswappen im Geschäftsverkehr zu verwenden.[3]

Im Jahr 1997 wurde die Perlmooser AG vom französischen Lafarge-Konzern übernommen.

2010 erhielt das Werk in Retznei das „Erlebniswelt-Wirtschaft-Gütesiegel“ von der steirischen Landesregierung, da Lafarge an der Aktion „Erlebniswelt Wirtschaft - made in Styria" teilnimmt.[4]

Laufender Betrieb und Nachnutzung

Da die Zementerzeugungen und auch die dazugehörenden Steinbrüche schon einen großen Einschnitt in der Umwelt verursachen, ergibt sich auch die Problematik einer Nachnutzung.

In Mannersdorf wurde im Jahr 2007 gemeinsam mit dem WWF Österreich ein renaturiertes Gebiet mit dem Naturpark Mannersdorf-Wüste gestartet.[5]

Speziell betroffen ist dabei das Werk das an der Landesgrenze Wien und Niederösterreich Rodaun/Kaltenleutgeben. So werden im Jahr 2009 werden Pläne bekannt, nach denen auf dem ehemaligen Werksgelände Wohnungsanlagen geplant sind. Das Gelände gehört teilweise zum Wiener Bezirk Liesing und zur Gemeinde Kaltenleutgeben in Niederösterreich. Die Bevölkerung in Kaltenleutgeben spricht sich gegen das Projekt auf Liesinger Boden aus, da sie ein Verkehrschaos in dem engen Tal befürchtet. Außerdem befürchten sie das endgültige Aus der kaltenleutgebener Bahn. [6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Perlmooser auch in Preinsfeld bei Heiligenkreuz im Wienerwald in Tag und Untertagbau bis zum Jahr 2001 Gips abgebaut (Gipsbergwerk Preinsfeld). Nachdem laufend Gipseinbrüche und Ausschwemmungen stattfanden muss das Gelände verfüllt werden.[7]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Presseaussendung von Lafarge: Strabag und Lafarge gründen gemeinsame Osteuropa-Zementholding vom Mai 2010 abgerufen am 10. November 2010
  2. VÖZ Organisation abgerufen am 11. November 2010
  3. Staatswappen Gesamtverzeichnis abgerufen am 11. November 2010
  4. „Erlebniswelt-Wirtschaft-Gütesiegel“ für Lafarge Perlmooser Werk Retznei vom 26. Juni 2010 abgerufen am 11. November 2010
  5. Architekturlandschaft Niederösterreich abgerufen am 11. November 2010
  6. Wohnungsanlage statt Zementwerk Perlmooser in der Wiener Zeitung vom 13. August 2009 abgerufen am 10. November 2010
  7. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.hinteregger.co.atSicherung Gipsbergbau - Preinsfeld, Fa. Hinteregger, abgerufen am 10. November 2010

Weblinks