Lainzer Tunnel

Lainzer Tunnel
Nutzung Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Westbahn, Südbahn, Donauländebahn
Ort Wien
Länge 12,3 km, mit Anschlüssen 15,4 kmdep1
Anzahl der Röhren 1
Querschnitt zweigleisigdep1
Bau
Bauherr ÖBB Infrastruktur Bau AG, Wien
Baukosten 1,3 Milliarden Euro
Baubeginn 1999
Fertigstellung 9. Dezember 2012 (fahrplanmäßige Inbetriebnahme)
Lage
Lainzer Tunnel (Wien)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
48° 12′ 22,5″ N, 16° 14′ 4,8″ O48.20625716.23466
48° 10′ 23,9″ N, 16° 19′ 40″ O48.17331916.327776

48.19560355193616.249539862884Koordinaten: 48° 11′ 44,2″ N, 16° 14′ 58,3″ O

Einfahrt vom Bahnhof Wien Meidling in den Lainzer Tunnel

Der Lainzer Tunnel ist ein 12,8 km langer Bahntunnel in Wien, der seit 9. Dezember 2012 die Westbahnstrecke mit der Südbahnstrecke, der Ostbahnstrecke und der Donauländebahn, das ist die Strecke zum Zentralverschiebebahnhof Wien-Kledering, verbindet.

Zweck des Vorhabens ist Erhöhung der Kapazität im Ost-West-Transit. Die bestehende, teilweise eingleisige Verbindungsbahn zwischen Wien Hütteldorf und Wien Meidling wird entlastet. Dort frei werdende Kapazitäten können auch für eine Ausweitung des Nahverkehrsangebotes genutzt werden. Im Volksmund wird dieser Tunnel auch als „Wildschweintunnel“ bezeichnet, da der unterfahrene Lainzer Tiergarten häufig mit den dort vorkommenden Wildschweinen assoziiert wird.

Inhaltsverzeichnis

Strecke

Die Tunnelstrecke beginnt bei der Station Wien Hadersdorf-Weidlingau der Westbahn. Dort entstand auch ein unterirdisches Verknüpfungsbauwerk zur neuen Hochleistungsstrecke nach St. Pölten (Wienerwaldtunnel), die am gleichen Tag in Betrieb genommen wurde. Die Tunnelstrecke läuft im Westen von Wien (13. Gemeindebezirk Hietzing) unterhalb des Lainzer Tiergartens, des Höhenzuges Trazerberg-Girzenberg-Roter Berg, ab Speising nahe an der bestehenden Verbindungsbahn und mündet vor dem Bahnhof Wien Meidling in die Südbahnstrecke bzw. in Wien Altmannsdorf in die Donauländebahn.

Er ist Teil der Westbahn und der Europäischen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris–Bratislava/Budapest.

Der einröhrige, zweigleisige Tunnel kann von Personenzügen mit 160 km/h befahren werden, von Güterzügen mit 120 km/h. Die Güterschleife des Tunnels ist mit 100 km/h befahrbar.[1]

Geschichte

Planung

Die Planung wurde 1992 aufgenommen. Die Fertigstellung wurde ursprünglich bis 2006 erwartet.[1]

Bau

Die HL-AG wurde 1990 mit der Planung und 1996 mit der Bauausführung betraut. Ab 1999 wurde an der Verknüpfung mit Westbahn und Wienerwaldtunnel gebaut. Im Zuge der ÖBB-Reform 2005 wurden die Agenden der HL-AG von der ÖBB Infrastruktur Bau AG übernommen. Nach der Abweisung von Anrainereinsprüchen gegen das Projekt durch den Verwaltungsgerichtshof im Juli 2006[2] wurde im Oktober 2006 mit dem eigentlichen Tunnelvortrieb begonnen. Wie der ORF am 31. Mai 2007 berichtete, wurde der Bau des Tunnels vom Verwaltungsgerichtshof aufgrund einer Beschwerde von Anrainern jedoch wieder gestoppt.[3] Nachdem von der ÖBB-Infrastruktur Bau AG zugesichert wurde, den Bedenken der Anrainer entsprechend einen besseren Beton (höherer Brandwiderstand) zu verwenden, wurde vom Infrastrukturministerium am 4. Juni 2007 ein neuer Baubescheid erlassen.[4]

Am 22. Mai 2009 wurde der Durchschlag gefeiert[5], im April 2011 wurde der erste Gleisstrang fertiggestellt.

Inbetriebnahme

Die Fahrleitung im Tunnel wurde am 20. Juni 2012 dauerhaft unter Spannung gesetzt.[1]

Der reguläre Bahnbetrieb wurde mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 aufgenommen, gleichzeitig mit der Fertigstellung des Wienerwaldtunnels und den ersten fertiggestellten Bahnsteigen des neuen Wiener Hauptbahnhofs.

Zunächst soll der Tunnel vorrangig von Güterzügen genutzt werden. Nach der für den 14. Dezember 2014 geplanten Vollinbetriebnahme des Wiener Hauptbahnhofs sollen Fernzüge zumeist durch den Tunnel zum Hauptbahnhof statt wie bis dahin zum Westbahnhof geführt werden.

Daten und Fakten

  • Streckenlänge: 13,35 km
  • Tunnellänge: 12,3 km; mit Anschlüssen: 15,4 km
  • Gesamtlänge der Gleisum- und -neubauten: 25,3 km
  • Oberleitung: Stromschiene
  • Kunstbauten: 7 Anfahrschächte und -bereiche, 4 Portale, 28 Sicherheitsausstiege, 4 Betriebsgebäude, 4 Neu- bzw. Umbauten von S-Bahn-Haltestellen, 6 Straßenquerungen, 10 Bahnquerungen, 5 Fuß- und Radwegquerungen, 2 Bachquerungen, 3 Einbautenkollektoren [6]

Das Bauwerk ist mit Punktförmiger Zugbeeinflussung und ETCS Level 2 ausgerüstet.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d Bauarbeiten im Lainzer Tunnel abgeschlossen. In: Eisenbahn Österreich, Heft 8-9/2012, S. 374.
  2. ORF.at 6. Juli 2006 Zwei Anrainerbeschwerden abgewiesen
  3. ORF.at 31. Mai 2007 Baugenehmigung aufgehoben
  4. ORF.at 4. Juni 2007 Bau am Lainzer Tunnel geht weiter
  5. derstandard.at vom 22. Mai 2009: Tunneldurchschlag im Lainzer Tunnel.
  6. ÖBB Bauinfos

Weblinks

 Commons: Lainzer Tunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien