Lammersdorf (Gemeinde Millstatt am See)

Lammersdorf gegen Nordwesten. Im Hintergrund die Millstätter Alpe
Der Ortseingang aus Richtung Obermillstatt

Lammersdorf ist ein Dorf am Millstätter Berg in der Gemeinde Millstatt im Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten / Österreich. Die Ortschaft liegt in 850 m Seehöhe auf einem Hochplateau rund 150 m über dem Millstätter See am Fuße der Millstätter Alpe / Nockberge und ist über die B 98 von Dellach oder via Obermillstatt (L 17) erreichbar (Entfernung zur Tauern Autobahn A 10 / Knoten Spittal-Millstätter See 10,5 km). Unmittelbar benachbarte Orte sind Obermillstatt und Sappl. Von 1889 bis 1973 gehörte Lammersdorf zur Gemeinde Obermillstatt.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Wirtschaft

Lammersdorf und Nachbarortschaften Grantsch und Görtschach
Grantsch und Lammersdorf gegen Osten. Im Hintergrund der Mirnock
Urne von Lammersdorf (ca. 3.400 Jahre alt)

Wie die umliegenden Siedlungen ist der Ort, zuletzt mit 163 Einwohnern,[1] ein ursprünglich bäuerliches Dorf entlang des Pesentheiner Baches, der in den Millstätter See entwässert, aus der sich in den letzten Jahrzehnten eine größere Streusiedlung entwickelte. Neben einem Gastronomiebetrieb und einigen privaten Beherbergungsbetrieben gibt es nur noch einen Vollerwerbsbauern. Mangels ortsansässiger Betriebe pendelt der Großteil der berufstätigen Bevölkerung aus. Das Ortsgebiet liegt auf der Katastralgemeinde Obermillstatt. Das zum Ort gehörende Gotteshaus, eine römisch-katholische Kirche, der Friedhof und die Volksschule befinden sich im 1,3 km entfernten Obermillstatt. Der relativ nahe Millstätter See kann aufgrund des steil abfallenden Geländes nur über einen Wanderweg odrr die Straße erreicht werden.

Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr erfolgt über den Postbus der Linie 5138, der den Ort auf seiner Route von Spittal aus mehrmals täglich anfährt. Im Ort gibt es keine Straßenbezeichnungen, sondern nur Hausnummern, nach denen sich Einwohner, Postboten, Lieferanten und Besucher orientieren müssen.

Seit 1989 existiert die institutionalisierte Dorfgemeinschaft "Lammersdorf Grantsch Görtschach".[2] Die Lammersdorfer sind mit den Bewohnern der benachbarten Weiler Grantsch und Görtschach seit jeher verbunden. Man organisiert gemeinsam die Freiwillige Feuerwehr Lammersdorf. Grantsch liegt etwas oberhalb von Lammersdorf am Pesentheiner Bach und ist eine Streusiedlung mit 80 Einwohnern. Von hier aus führt eine enge asphaltierte Mautstraße (5,00 Euro) zur Lammersdorfer Hütte. Görtschach liegt östlich von Lammersdorf und ist eine Streusiedlung mit 105 Einwohnern.

Geschichte

Der gegenwärtige Ortsname, 1177 erstmals als Lomärsdorf erwähnt, geht auf den slawischen Personennamen (Mi-)Lomĕr zurück.[3] Um 1477 wird die Siedlung als Lamersdorff bezeichnet.[4] Der Ort ist jedoch weitaus älter als die ersten schriftlichen Spuren vermuten lassen. Auf seinem Gebiet wurden die bisher ältesten Siedlungsfunde Oberkärntens gemacht. Nachdem im Frühjahr 1948 ein Landarbeiter bei Grabungsarbeiten für die Entwässerung des Riedmooses etwa einen Kilometer westlich von Sappl am Grundstück des Landwirts Alois Palle vlg. Veidlbauer eine besonders schöne Feuersteinklinge fand, machte sich der Hobbyarchäologe Simon Steinwender, Gymnasialdirektor in Spittal an der Drau, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Kärntner Landesarchäologen Hans Dolenz auf die Suche nach möglichen Fundstellen im Umland. Die Funde sind zum Teil im Stiftsmuseum in Millstatt zu besichtigen. Charakteristisch für die Gegend sind die gegenwärtig wieder bewaldete Kuppen aus härterem Gestein, die sich dem eiszeitlichen Gletscher widersetzen konnten. Augenscheinlich wurde er auf den unmittelbar bei der Fundstelle liegenden Kuppen nicht fündig. Die südliche Kuppe ist für einen gut zu verteidigenden Siedlungsplatz zu flach, der darüber liegende "Sauterbichl" bei vlg. Keuschpeter ist ebenfalls nicht sehr steil. Die etwas entferntere Kuppe, auf der sich heute der Pichler-Hof in Görtschach befindet, ist zumindest gegen Süden steiler, allerdings seit dem Mittelalter permanent besiedelt, was den Nachweis früher Siedlungsspuren erschwert. Fündig wurde Steinwender dann noch auf dem etwas weiter weg liegenden Hügel, dem „Mentepichel“ oder „Schanzkogel“, der sich östlich von Lammersdorf Richtung Görtschach erhebt, wo er Anfang der 1950er Jahre Spuren einer jungsteinzeitliche Siedlung aus der Zeit von 3000 bis 1.900 v. Chr. ausgegraben hat.[5] Das ist der bisher einzige Siedlungsfund aus dieser Zeit in Oberkärnten. Neben einer Wohngrube mit Steinsetzungen im Durchmesser von 6 m und einer Feuerstelle wurden zahlreiche Gefäßbruchstücke, steinerne Klingen, Steinabschläge, Pfeilspitzen und ein Spinnwirtel aus Ton gefunden. Zwei weitere, irgendwo bei Lammersdorf gefundene Lochbeile sind heute leider verschollen.

Neben den Funden am Mentebichl wurden 1957 bei Bauarbeiten beim Haus Lammersdorf Nr. 10, dem Hotel-Gasthof Lammersdorf (früher Unterlercher / Fastian), ein Grab mit Bruchstücke einer Graburne und Steinbeile aus der frühen Urnenfelderzeit (etwa 1.400 vor Chr.) freigelegt., gegenwärtig ausgestellt im Stiftsmuseum Millstatt. Daher kann man annehmen, dass der Hauptsiedlungsort bereits vor 3.500 Jahren vom Mentebichl zum Wasser und zu Feldern, zum ca. einen Kilometer entfernten Bach verlegt wurde. Zwischen dem heutigen Feuerwehrhaus und Metebichl befand sich früher ein Moor. Bis in die 1940er Jahre brüteten dort noch einige Störche.

Die erste namentliche fassbare Bevölkerung Oberkärntens sind die Illyrer. Auf ihre Indogermanische Sprache gehen Berg- und Flussnamen wie die Tauern oder die Drau zurück, allsamt topographische Einheiten einer Größe, bei der eine Romanisierung, Slawisierung oder Eindeutschung nicht erfolgte. Ab ca. 200 v. Chr. gehörte der Millstätter Berg zum Stammesgebiet der Ambidravi, der "Beiderseits der Drau Wohnenden", eine römische Bezeichnung für die hier siedelnde norische Bevölkerung, die aus den ansässigen Illyren und den neue zugewanderten Kelten hervorging. Beide Völker kamen von der nordwestlichen Balkanhalbinsel. Aus der Zeit der römischen Provinzialkultur liegen bis dato keine Funde aus Lammersdorf vor. Aufgrund der topographischen Lage kann man von einer kleinen Siedlung ausgehen, da der Ort an der alten Römerstraße zwischen Turracher Höhe und Teurnia an einem Bach liegt.

Höfe / Häuser / Haushalte und Einwohner 1470 bis 2001[6]
1470 1817 1857 1869 1951 1961 1971 1981 1991 2001
Höfe / Häuser / Haushalte 9 11 16 17 20 28 40 54 50 67
Einwohner 62 106 107 124 132 145 159 171 163
Einwohner pro Haus 6 7 6 6 5 4 3 3 2

Das älteste erhaltene Hofverzeichnis von 1470, der Urbar der St. Georgs-Ritter vom Stift Millstatt verzeichnet für Lammersdorf einen Meierhof, vier Huben, drei Lehen und eine Taverne. Alte Bauernhöfe sind der Mentele, Fastian, Wastl und Gritzen.[7] Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert hat sich die Zahl der Hofstellen kaum erhöht. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Anzahl der Häuser vervielfacht. Bis in die 1950er Jahre lebten rund sechs Familienangehörige im Haus (Dienstboten wurden in der historischen Statistik nicht berücksichtigt). Heute sind es nur mehr rund zwei.

Der Ortsname der Nachbarsiedlung Grantsch ist bis dato unbekannten Ursprungs und wurde 1466 als Gränsch und 1506 als Gratsch erwähnt. Bis in das 20. Jahrhundert waren auch noch die Bezeichnungen Gräntsch und Grätsch gebräuchlich.

Die in Kärnten häufiger anzutreffende Ortsbezeichnung Görtschach leitet sich aus der spätalthochdeutschen Lehnform aus dem schriftslowenischen Goričah ab, das bei den Bichlern bedeutet. Dieser Zusammenhang wird hier besonders deutlich, denn der älteste Bauernhof, der Pichler erstmals 1520 erwähnt, liegt auf einem der für die Landschaft typischen Hügel. Das ortsnamentliche Gegenstück ist Dellach vom slawischen Dôljah, das bei den Talbewohnern bedeutet. Beide Ortschaften liegen am Görtschacher Bach. Durch einen alten Fußweg waren die Orte früher stärker miteinander verbunden, als die heute weit ausholende Autostraße vermuten lässt. Weitere alte Höfe sind der Niggele und der Lindel. Bei beiden bestehen die alten Häuser, jeweils in Blockbauweise, noch.[8] Die drei kleineren Höfe von Görtschach heißen Aichbichler, Bodenbauer und Waldadam.

Persönlichkeiten

  • Jutta Fastian (*1969), in Lammersdorf aufgewachsene Schauspielerin

Literatur

  • Bernd Oberhuber / Hans G. Kugler: Höfe, Häuser, Häuslichkeit. Bürgerliche und bäuerliche Wohnformen in Millstatt am See. 1994. [u. a. mit Kurzbeschreibung + Foto von 33 Bauernhöfen]
  • Marktgemeinde Millstatt (Hg.) / Bernd Oberhuber / Hans G. Kugler: Höfe, Häuser, Häuslichkeit. Bürgerliche und bäuerliche Wohnformen in Millstatt am See. 1994. (ohne ISBN)

Quellen

  1. Volkszählung 2001
  2. Dorfgemeinschaft Lammersdorf Grantsch Görtschach
  3. Alle Ortsnamensdeutungen u. urkundliche Ersterwähnungen Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil. Klagenfurt 1958. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten.
  4. Urbar von Millstatt 1477. In: Chmel, Joseph: Die Handschriften der K. K. Hofbibliothek in Wien. Wien, 1840, S. 590 Google Books
  5. Hans Dolenz: Schanzkofel bei Lammersdorf. In: Carinthia, 142. Jahrgang, Nr. 1/2, Klagenfurt 1952, S.173.
  6. Kurt Klein (Österreichische Akademie der Wissenschaften): Historisches Ortslexikon, Kärnten. Datenbestand: 30. Juni 2012, Seite 82. Erläuterungen zur historischen Statistik
  7. Oberhuber / Kugler, Höfe
  8. Oberhuber / Kugler, Höfe

Weblinks

 Commons: Lammersdorf, Carinthia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.80323888888913.604122222222Koordinaten: 46° 48′ N, 13° 36′ O