Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg

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Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg
Trägerschaft Gespag
Ort Linz
Bundesland Oberösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 48° 16′ 49″ N, 14° 17′ 46″ O48.28027777777814.296111111111Koordinaten: 48° 16′ 49″ N, 14° 17′ 46″ O
Leitung a. o. Univ.-Prof. DDr. Gabriele Sachs (Ärztliche Direktorin)
Betten 663[1]
Mitarbeiter 1749[1]
davon Ärzte 267[1]
Fachgebiete Neurologie, Neurochirurgie, Psychiatrie
Gründung 1867
Website http://www.wagner-jauregg.at/
Die Landesnervenklinik Wagner-Jauregg

Die Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg ist ein Krankenhaus in Linz. Sie befindet sich im Andreas-Hofer-Platzviertel im Stadtteil Waldegg. Das Gebiet um das Krankenhaus wird auch Niedernhart genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste psychiatrische Einrichtung nach damaligen Maßstäben in Linz wurde 1788 im Prunerstift eingerichtet.[2] Das als „Tollhaus“ bezeichnete Gebäude markiert den Beginn der Pflege von psychisch Kranken als Institution des Landes.

Die Zustände im Prunerstift waren alles andere als fortschrittlich. Die Einrichtung diente in ihrer Anfangszeit eher der Verwahrung der Kranken als ihrer medizinischen Behandlung. Zuständig für die Patienten waren Wärter, die "Tollen" waren meistens an ihre Betten gefesselt, was ihrer Gesundheit nicht unbedingt zuträglich war. Ärzte wurden jedoch nur in besonderen Fällen konsultiert. Auch die hygienischen Zustände waren katastrophal.

All diese Missstände wurden erstmals 1824 in einem offiziellen Schreiben erwähnt und die Einrichtung einer neuen Anstalt wurde gefordert. Dies führte zumindest zu einer Verbesserung der sanitären Situation und zum Ende des Fesselns der Insassen, auch eine unentgeltliche ärztliche Versorgung war nun vorgeschrieben.

1834 wurde eine Anstaltsordnung eingeführt und ein Primararzt bestellt. Eine Seidenplantage wurde angelegt, um den Patienten der Anstalt Arbeit und Beschäftigung zu ermöglichen, was für die damalige Zeit ein Novum war.

Platzmangel führte dazu, dass der oberösterreichische Landtag die Errichtung einer "Musteranstalt" in Niedernhart, heute Teil des Linzer Stadtteils Waldegg, beschloss. Das allen Anforderungen der damaligen Zeit entsprechende Gebäude verfügte über 228 Betten und wurde am 22. September 1867 als Landesirrenanstalt Niedernhart eröffnet.

1893 war die Zahl der Patienten auf 500 Personen angestiegen. Neben dem Erwerb von Schloss Gschwendt bei Neuhofen an der Krems wurden 1896 zwei Männerstationen mit 100 Betten, 1903 ein Frauentrakt mit 150 Betten und 1911 eine zusätzliche Männerstation mit 150 Betten errichtet.

Während des Ersten Weltkriegs ging die Anzahl der Patienten aufgrund der schlechten Versorgungslage und dadurch begünstigter Erkrankungen wie Typhus von 877 auf 596 zurück. Nach dem Krieg stiegen die Patientenzahlen jedoch schnell wieder an. Zur gleichen Zeit entwickelte Julius Wagner-Jauregg, der spätere Namenspatron der Klinik, die Malariabehandlung bei progressiver Paralyse, wodurch er eine Heilmethode für die bis dahin als unheilbar geltende Syphilis fand. Für seine Entdeckung wurde ihm 1927 der Nobelpreis verliehen.

Von 1927 bis 1938 war Maximilian von Kurz zum Thurn und Goldenstein Primarius der Landesanstalt in Niedernhart bei Linz.

1938 begann unter der Leitung von Rudolf Lonauer das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte der Klinik. Im Zuge der von den Nationalsozialisten propagierten „Reinhaltung der Rasse“ wurden geistig und körperlich Behinderte, Manisch-Depressive, Epileptiker und Sinnesbeeinträchtige oftmals sterilisiert, da sie nicht ins „deutsche Menschenbild“ passten. Später begann die gezielte „Tötung unwerten Lebens“. In Hartheim und fünf weiteren Tötungsanstalten fielen über 70.000 Menschen der sogenannten „Euthanasie“ in der Aktion T4 zum Opfer. Auch an den Patientenzahlen der Klinik im Jahre 1945 macht sich dies bemerkbar: von 1150 Patienten waren nur noch 363 verblieben.

Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich schwierig, da erhebliche Schäden durch Luftangriffe zu beklagen waren. Anfangs wurden Teile der Klinik provisorisch in die Landesfrauenklinik übersiedelt.

1970 wurde der Neubau fertiggestellt und das Krankenhaus wurde in „Wagner-Jauregg-Krankenhaus des Landes Oberösterreich“ umbenannt.

1995 wurde der Spatenstich für den Neubau der Landesnervenklinik vorgenommen. Der moderne Spitalsbau wurde 2003 feierlich eröffnet, das aus heutiger Sicht eher ungeeignete Neubaugebäude von 1970 wurde abgerissen.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Klinik nicht nur baulich verändert. So prägte man den Trend zur „offenen Psychiatrie“ und machte große Fortschritte auf den Gebieten der Neurologie und Neurochirurgie.

Organisation

Rechtsträger der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg ist die Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag).

Die kollegiale Führung der Klinik wird von einer ärztlichen, einer kaufmännischen, und einer Pflegedirektion gebildet.

Medizinische Schwerpunkte

Die Schwerpunkte des Krankenhauses sind die Behandlung von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems sowie im psychischen Bereich.

Die neurochirurgische Station verfügt über eine Intensivabteilung zur Behandlung von Gehirnerkrankungen. Die neurologische Station ist auf Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Epilepsie spezialisiert.

Der dritte große Abschnitt ist die Psychiatrie. Neben der herkömmlichen Psychiatrie gibt es auch spezielle Bereiche, etwa die Jugendpsychiatrie, die Behandlung von Suchtgiftabhängigen, forensische Psychiatrie und Psychosomatik.

Namensstreit

Immer wieder wurde - vor allem von den oberösterreichischen Grünen - darauf hingewiesen, dass Julius Wagner-Jaureggs wissenschaftliche Publikationen stark von nationalsozialistischem Gedankengut beeinflusst seien und die Benennung der Landesnervenklinik deshalb nicht akzeptabel sei. Aktuell sind allerdings keine Umbenennungspläne in Sicht.

Einzelnachweis

  1. a b c Jahresbericht 2011
  2. Gustav Hofmann: 200 Jahre Psychiatrisches Krankenhaus in Oberösterreich. Linz, 1988. S. 5

Weblinks