Landesnervenklinik Sigmund Freud

Einfahrtsbereich der LSF

Die Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF) ist eine öffentliche Sonderkrankenanstalt im Verband der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. (KAGes) in Graz. Sie befindet sich am Wagner-Jauregg-Platz, der nach dem zeitweise an der Universität Graz tätigen österreichischen Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg benannt ist.

Es werden Menschen mit psychischen, psychosomatischen und neurologischen Erkrankungen aus der gesamten Steiermark sowie aus dem südlichen Burgenland ambulant und stationär behandelt, für die rund 780 Betten zur Verfügung stehen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprünglich für 460 Patienten ausgelegte, zwei Weltkriege überdauernde und bis heute bestehende Krankenanstalt, zwischenzeitig mit mehreren Zubauten und der Einbeziehung mehrerer Filialen erweitert, ist Anfang des 21. Jahrhunderts ein großer Spitalkomplex mit mehreren Fachbereichen (Departements).

Der Feldhof

Feldhof, Ansichtskarte, datiert 24. Juli 1898

Im Jahr 1839 beschloss die Landesbehörde der Steiermark, als Ersatz für das bestehende „Irrenhaus“ (dieses wurde auf Betreiben von Kaiser Joseph II. 1788 gleichzeitig mit dem Allgemeinen Krankenhaus in Graz in der Paulustorgasse im aufgehobenen Kapuzinerkloster eingerichtet), den Neubau einer „Irrenanstalt“ in Graz bei der Hofkanzlei in Wien anzuregen. 1840 mit der Planung begonnen, wurde 1863 die Ausführung eines dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechenden Neubaues einer Landesirrenanstalt für Steiermark beschlossen. Durch den darauf erfolgten Ankauf des Feldhofes, eines Gutshofes nächst Straßgang bei Graz mit Wirtschaftsgebäude und ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzflächen, war der Standort festgelegt.

Nach dem Bauplan (1868) und der Grundsteinlegung im Jahr 1870 konnte am 26. Dezember 1872 die neue Landesirrenanstalt ihrer Bestimmung übergeben werden. Im Mai 1873 wurde dem zuvor in Straßburg tätigen Psychiater Richard von Krafft-Ebing die Anstaltsleitung übertragen. 1874 trat Freiherr von Krafft-Ebing als Ordinarius der Universität Graz das Lehramt der Psychiatrie an und errichtete die Klinik für Psychiatrie am Feldhof. 1880 gab er die Funktion als Direktor der Landesirrenanstalt wieder auf, um sich ausschließlich auf Lehre und Forschung zu konzentrieren. Sein Nachfolger wurde Julius Wagner-Jauregg (1857-1940).

NS-Euthanasie

Unter dem ärztlichen Leiter Oskar Begusch und seinem Nachfolger Ernst Sorger wurden ca. 1500 Patienten der NS-Tötungsanstalt Hartheim zugeführt. Rudolf Lonauer schreibt von Rückständen, die er noch in der Zwischenanstalt Niedernhart in Linz hat, und Begusch von Überbelag, den er mittels Eisenbahntransport loswerden will.[1][2] Auch Heinrich Wolfer war von 1938 bis 1940 dort Assistenzarzt.

Namensgebung

Die Landesirrenanstalt am Feldhof wurde umbenannt in Landes-Heil-und Pflegeanstalt für Geisteskranke am Feldhof, dann Landessonderkrankenhaus (LSKH), dann Landesnervenkrankenhaus (LNKH) und zuletzt – ab November 1999, unter Leitung von Rainer Danzinger – in Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF). Damit sollten die von Sigmund Freud um die Wende zum 20. Jahrhundert begründeten und revolutionär veränderten Sichtweisen und Behandlungsansätze für psychisch Kranke gewürdigt werden.

Anstaltskirche

Hauptartikel: Anstaltskirche LSF Graz

Organisation

Rechtsträger der Landesnervenklinik Sigmund Freud ist die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. in Graz. Die kollegiale Führung (Medizin-Pflege-Verwaltung) der Klinik wird von einer Ärztlichen Direktion, einer Pflege- und einer Betriebsdirektion gebildet.

Medizinische Schwerpunkte

Die Schwerpunkte des Krankenhauses sind die Behandlung von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems sowie im psychischen Bereich. Neben der herkömmlichen Psychiatrie gibt es auch spezielle Bereiche, etwa eine Abteilung für die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen sowie die Gerontopsychiatrie (psychische Erkrankungen im höheren Lebensalter) und die Neuropsychiatrische Kinder- und Jugendabteilung. Die Abteilung für Neurologie ist unter anderem auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert. Hinzu kommen einige Spezialeinrichtungen wie die gemeinsamen Fachbereiche für Schlafmedizin, für manuelle Medizin, ein konservativer Bereich und ein Beratungszentrum für psychische und soziale Fragen.

Die drei erwachsenenpsychiatrischen Abteilungen, an denen etwa die Hälfte der Patienten behandelt wird, sind den drei großen Regionen der Oststeiermark, Weststeiermark und Obersteiermark zugeordnet.

Weblinks

 Commons: Landesnervenklinik Sigmund Freud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Onlinemagazin für die Steiermark KORSO Nachlass von Ernst Arlt: Briefdokumente zwischen Rudolf Lonauer und Oskar Begusch
  2. Onlineauftritt Landesnervenklinik Sigmund Freud Mahnmal für die Opfer der Euthanasie

47.03722222222215.416388888889Koordinaten: 47° 2′ 14″ N, 15° 24′ 59″ O