Laurentius von Schnifis

Laurentius von Schnifis, eigentlich Johannes Martin von Schnüffis (* 24. August 1633 in Schnifis in Vorarlberg; † 7. Januar 1702 in Konstanz) war zunächst ein fahrender Komödiant, dann Hofschauspieler, bevor er als Kapuziner ein bedeutender spätbarocker Prediger, Komponist, Lyriker und Erzähler wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hofschauspieler war Martin ab 1655 in Innsbruck, sein Gönner war Erzherzog Ferdinand Karl. Ab 1661 leitete er die Innsbrucker Hofbühne. 1665 wandte er sich vom Hofleben ab und trat unter dem Namen Laurentius in den Kapuzinerorden ein. Von Kaiser Leopold I. wurde er für sein 1682 erschienenes Mirantisches Flötlein zum Dichter gekrönt.

Eine Besonderheit seines Werks sind die Versuche, die Mythologie der Antike mit der christlichen Überlieferung zu verbinden. Auch die Naturdarstellung spielt eine große Rolle. Da er seine Gedichte als Erbauungsliteratur für weite Kreise verstand, bot er seinen Lesern häufig Erläuterungen schwieriger Stellen.

Seine Werke sind derzeit alle vergriffen, Exemplare finden sich u.a. in der Bibliothek der Universität Konstanz. Seine melodiösen Lieder - gelegentlich wird er als Schubert seiner Zeit bezeichnet - werden aber zunehmend wieder aufgeführt.

Werke (Auswahl)

  • Philotheus 1665 (autobiographischer Schäferroman)
  • Des Miranten / Eines welt- und hof-verwirrten Hirtens wunderlicher Weeg nach der Ruhseeligen Einsamkeit. Costantz 1689. (Erweiterte und veränderte Ausgabe des Philotheus)
  • Mirantisches Flötlein 1682 (Lyrik)
  • Mirantische Wald-Schallmei oder: Schulwahrer Weisheit 1688 (Lyrik)
  • Mirantische Mayen-Pfeiff 1691 (Lyrik)
  • Mirantische Maul-Trummel oder Wohlbedenckliche Gegen-Sätze böser und guter Begirden 1695 (Lyrik)
  • Futer über die Mirantische Maul-Trummel. Konstanz 1698.
  • Lusus mirabiles orbis ludentis. Mirantische Wunder-Spiel der Welt. Kempten 1703.
  • Vil-färbige Himels-Tulipan Himmels-Tulipan, Das ist: Außerlesenes Gebett-Buch. Costantz 1699.

Literatur

  • Dieter Breuer: Laurentius von Schnüffis. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, S. 723 f. (Digitalisat).
  • Dieter Breuer: Der 'Philotheus' des Laurentius von Schnüffis. Zum Typus des geistlichen Romans im 17. Jahrhundert. Hain, Meisenheim am Glan 1969
  • Gerhard Dünnhaupt: Laurentius von Schnüffis. In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Band 4. Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9122-6, S. 2565-2575 (Werk- und Literaturverzeichnis)
  • Ruth Gstach: Mirant, Komödiant und Mönch: Leben und Werk des Barockdichters Laurentius von Schnifis. Neugebauer, Graz 2003
  • Ruth Gstach: Unbekannte Liederhandschrift im „Mirantischen Flötlein“ des Laurentius von Schnüffis. In: Montfort 57.2 (2005), S. 151-170
  • Ruth Gstach: Originalwerke des Barockdichters Laurentius von Schnüffis in deutschsprachigen und ausländischen Bibliotheken. In: Montfort 57.3 (2005]
  • Ruth Gstach: Himmlisches Paradies und ewige Hölle. Tod und Jenseitsvorstellungen im 17. Jahrhundert (Laurentius von Schnüffis und Martin von Cochem). In: Verum, pulchrum et bonum. Festschrift für Servus Gieben (= Bibliotheca Seraphico-Capuccina 81). Rom 2006, S. 515-557
  • Ruth Gstach: Von Verzicht und Erfüllung - Auf der Suche nach Gott. Laurentius von Schnüffis erzählt aus dem Leben des Franz von Assisi und der Minderbrüder. Hard: Hecht 2008.
  • Irmgard Scheitler: Geistliche Lieder als literarische Gebrauchsform. Versuch einer Gattungsbeschreibung am Beispiel der Lieder des Laurentius von Schnüffis. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, Bd. 47, 1. Sonderband: Oberdeutsche Literatur im Zeitalter des Barock. Beck, München 1984, S. 215-239
  • Irmgard Scheitler: Laurentius von Schnüffis. In: H. Zeman (Hrsg.): Die österreichische Literatur. Ihr Profil von den Anfängen im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert (1050-1750). (= Die österreichische Literatur. Eine Dokumentation ihrer literarhistorischen Entwicklung; Tl. 2). Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1986, S. 1191-1235

Weblinks