Lebendige Stunden

Lebendige Stunden ist ein Schauspiel in einem Akt von Arthur Schnitzler, dessen Text 1901 in der Neuen Deutschen Rundschau in Berlin erschien. Im darauf folgenden Jahr wurde das Stück - ebenfalls in Berlin - uraufgeführt und erschien bei S. Fischer in der Sammlung „Lebendige Stunden. Vier Einakter“.[1]

Heinrich will den allzu frühen Tod der Mutter überwinden.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Heinrichs Mutter, die Hofrätin, ist 53-jährig verstorben. Heinrich, der junge Schriftsteller, hat seit zwei, drei Jahren eine Schreibhemmung. Der 60-jährige pensionierte Beamte Anton Hausdorfer, Heinrichs väterlicher Freund, trauert gleichfalls um die geliebte Freundin. Heinrich denkt zurück an seine Knabenjahre. Der junge Mann ist sich nicht sicher, ob er für Antons Trauer Verständnis aufbringen soll. Hatte doch der leibliche Vater die Mutter verlassen und Anton seinerzeit gleichsam die Stelle des Rabenvaters eingenommen. Nun eröffnet ihm Anton zu allem Überfluss auch noch, die Mutter wäre wegen des einziges Sohnes gestorben. Heinrich mag die Ungeheuerlichkeit nicht glauben. Anton beharrt auf seiner Behauptung. Die Hofrätin habe nicht mitansehen können, wie ihre unheilbare Krankheit den Schreibberuf des Sohnes gestört habe.

Als sich Heinrich wieder gefangen hat, ringt er sich zu der Absicht durch, jenen „lebendigen Stunden“ der Mutter Dauer zu verleihen und zwar durch Schreiben. Anton bleibt da skeptisch und denkt ebenfalls zurück. Die „ganze Schreiberei“ Heinrichs sei nichts gegen eine einzige „lebendigen Stunde“ der geliebten Hofrätin.

Rezeption

  • Der Schauspieler Wilhelm von Wymetal hat sich bei Schnitzler nach Heinrichs Natur erkundigt. Es geht um die Frage, ob ein Autor solche einschneidenden Ereignisse wie den Tod eines Menschen brauche, um etwas zu schreiben. Schnitzlers Antwort vom 13. Mai 1902 findet sich bei Farese.[2]
  • Sprengel nennt den Bau des Stücks locker[3] und Korte spricht von „Boulevarddramatik“.[4]

Hörspiele

Einträge 43 und 44 in: Hörspiele

  • „Lebendige Stunden“. Erstsendung am 19. November 1959 im SFB. Regie: Curt Goetz-Pflug. Mit Otto Braml als Anton Hausdorfer und Wolfgang Unterzaucher als Heinrich.
  • „Lebendige Stunden“ Erstsendung: 10. Juni 1962, ORF-Studio Wien. Regie: Edwin Zbonek. Komposition: Karl de Groof. Mit Hans Thimig als Anton Hausdorfer und Michael Heltau als Heinrich.

Weblinks

Literatur

Quelle
  • Arthur Schnitzler: Lebendige Stunden. S. 325 - 339 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Reigen. Die Einakter. Mit einem Nachwort von Hermann Korte. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 2000). 602 Seiten, ISBN 3-10-073557-9
Erstausgabe
Sekundärliteratur
  • Giuseppe Farese: Arthur Schnitzler. Ein Leben in Wien. 1862 - 1931. Aus dem Italienischen von Karin Krieger. C. H. Beck München 1999. 360 Seiten, ISBN 3-406-45292-2. Original: Arthur Schnitzler. Una vita a Vienna. 1862 - 1931. Mondadori Mailand 1997
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870 - 1900. Von der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44104-1
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S. 555, 2. Spalte, 23. Z.v.u. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8

Einzelnachweise

  1. Quelle, S. 600, erster Eintrag
  2. Farese, S. 99 Mitte
  3. Sprengel, S. 452, 19. Z.v.u.
  4. Korte im Nachwort der Quelle, S. 596, 11. Z.v.u.