Leithakalk

Steinoberfläche des St. Margarethener Kalksandstein, ein Leithakalk
barocke Stiege im Prälatenhof aus Kaiserstein, marmorgleich
Figurengruppe des Befreiung-der-Quelle-Brunnens in Wien wurde von Josef Heu aus Leithakalk geschaffen
Margarethener Stein als Kreuzblume, Steinmuster im Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch

Der Leithakalk ist ein Kalkstein, der nach dem Leithagebirge in Ostösterreich benannt ist.[1] Es handelt sich um Gesteinsvorkommen, das für Österreich, vor allem Wien, von großer kulturhistorischer Bedeutung in der Renaissance- und Barockzeit war. Im 19. Jahrhundert brachte der Bau der Wiener Ringstraße große Aufträge für sämtliche (bis zu 150) Steinbrüche des Leithagebirges.

Inhaltsverzeichnis

Gesteinsbeschreibung

Leithakalk ist ein heller, fester, zelliger und tertiärer Kalkstein[2], der zum größten Teil aus Skelettfragmenten von kalkabscheidenen Rotalgen besteht.[3] Der Leithakalk aus St. Margarethen ist schwach bräunlich, ein Kalksandstein und stark porös. Der helle ockerfarbene Lorettokalk kann an den punktförmigen dunklen Einsprenglingen unterschieden werden und im Eggenburger Stein, ein Kalksandstein, befinden sich massenhaft Moostierchen und weitere Versteinerungen sowie Quarz, Muskovit und Feldspat.

Vorkommen und Steinbrüche

Hauptartikel:Leithagebirge

Leithakalk kommt an den Rändern des Wiener und Grazer Beckens vor.[1] Das Leithagebirge besteht aus Gneis und Glimmerschiefer mit dem darauf auflagernden Leithakalk.

Im Burgenland wurde Leithakalk als harter bis sehr harter Kaiserstein in Kaisersteinbruch, als gut formbarer Breitenbrunner Bildhauerstein in Breitenbrunn, Loretto und wird heute noch in St. Margarethen als St. Margarethener Kalksandstein zur Herstellung von Werksteinen abgebaut. In Müllendorf im Burgenland wird aus Leithakalk Kreide produziert.

In der Steiermark befinden sich Leithakalksteinbrüche in Aflenz bei Leibnitz und in Wildon.

In Mannersdorf in Niederösterreich wird der Leithakalk zur Zementherstellung gebrochen.[1]

Historische Verwendung

Der Leithakalk ist ein leicht zu bearbeitender Naturstein, der bereits zur Römerzeit ein begehrter Baustein war.

Hauptartikel:Römische Villa von Königshof-Ödes Kloster

Der Eggenburger Stein wurde nachweislich bereits in der Bronzezeit abgebaut. Leithakalk lässt sich unschwer profilieren und wird wegen seiner guten Formbarkeit von Steinmetzen und Steinbildhauern häufig verwendet.

In der Renaissance und im Barock wurde dieser Naturstein im Kayserlichen Steinbruch am Leythaberg von italienisch-schweizerischen Meistern kunstreich bearbeitet. Daraus entstand eine Konkurrenz zum österreichischen Steinmetz und Steinbildhauer, kein italienischer Steinmetz durfte daher am gotischen Stephansdom tärtig werden.

Bei vielen Bauten in Graz, beispielsweise bei der Burg am Grazer Schloßberg, dem Alten Joanneum und dem Landhaus, sowie in Wien, beispielsweise beim Stephansdom und vielen Bauten der Ringstrasse, wurde dieser Stein verwendet.[4] Da Leithakalk carbonatisch gebunden ist, ist er wegen der derzeit herrschenden sauren Umwelteinflüsse Verwitterungprozessen besonders ausgesetzt.

Literatur

  • Alois Kieslinger: Die Steine von St. Stephan. Verlag Herold, Wien 1949.
  • Alois Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstrasse. Wiesbaden 1972.
  • Andreas Rohatsch: Die Gesteine in der Bausubstanz des Riesentores von St. Stephan, gesteinskundliche Charakterisierung und technische Eigenschaften. In: Friedrich Dahm (Hrsg.): Der Wiener Stephansdom, Forschungen und Materialien. Das Riesentor. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Bundesdenkmalamt. Wien 2008, S. 77-89.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Eintrag zu Leithakalk in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (auf AEIOU)
  2. Carl Friedrich Zincken: Die Physiographie der Braunkohle; Hannover 1867
  3. Geologische Bundesanstalt: Molassezone & Neogenbecken
  4. Universalmuseum Joanneum: Leithakalk