Leobersdorfer Maschinenfabrik

Leobersdorfer Maschinenfabrik GmbH & Co. KG
LOGO Leobersdorfer Maschinenfabrik.gif
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1850
Sitz Leobersdorf
Leitung Österreicher Ronald Elgert, Chief Executive Officer
Mitarbeiter 330[1]
Umsatz 105,6 Millionen Euro[1]
Branche Anlagenbau
Website www.lmf.at

Die Leobersdorfer Maschinenfabrik (LMF) ist eine alte österreichische Maschinenfabrik im niederösterreichischen Leobersdorf, die seit 2007 im Besitz der Investment-Gesellschaft Equita ist, einer Firma aus der Harald Quandt-Holding.[2] Das Unternehmen wird in der Form einer GmbH & Co. KG[3] geführt. Im Jahr 2010 erwirtschaftete das Unternehmen über hundert Millionen Euro mit 330 Mitarbeitern. Als weltweit agierendes Unternehmen hat die Firma auch auf allen Kontinenten Repräsentanzen, sowie ein Werk in Mexiko.

Inhaltsverzeichnis

Produkte

Das Unternehmen produziert maßgeschneiderte Hochdruckkompressoren für die Erdöl-, Erdgas- und Chemieindustrie und vertreibt diese weltweit. Wesentliche Anwendungsgebiete sind:

Geschichte

händisches Gießen
Restauration der Leobersdorfer Maschinenfabrik, Südbahnstraße 23 (Aufnahme: 1980)

Das Unternehmen wurde 1850 in Leobersdorf gegründet. Der Gründer war Josef Berger, der ursprünglich Gussmeister der Brück’schen Eisenwerke in Fünfkirchen war. Zuerst pachtete er in Hirtenberg die Hödel’sche Gießerei und Maschinenfabrik, bevor er in unmittelbarer Nähe in Leobersdorf ein eigenes Werk mit einer Gießerei, einer Appreturwerkstätte, einem Kesselhaus und einem Beamtenhaus in den Jahren 1850 bis 1853 errichtete. Die Erstausstattung bestand aus 2 Drehkränen, 2 Kupolöfen, 2 Tiegelöfen für Bronzeguss, 3 Drehbänken, 5 Schraubstöcken einer Feuerstelle und einer Dampfmaschine mit einer Leistung von 25 PS. Noch bevor er jedoch die Produktion aufnehmen konnte, verstarb er, sodass seine Frau und sein Schwager Josef Hurtz das Unternehmen übernehmen mussten. In den Jahren 1856/1857 wurde das Werk um eine mechanische Werkstätte, eine Kesselschmiede und Pferdestallungen erweitert, gegenüber der Fabrik wurde ein "Beamtenhaus" gebaut. Das Lieferprogramm umfasste nunmehr Rohguss, Transmissionen, Einrichtungen für Ziegelwerke, Mühlen, Zuckerfabriken, Walzwerke und Bahnbetriebe, ferner Pressen, Dampfkessel, kleine Dampfmaschinen und Geschoße für militärische Zwecke.

1871 ging das Unternehmen in den Besitz von Jakob Neumann über, 1880 an Julius Hock und 1882 schließlich in das Eigentum des Finanziers Jakob Rappaport über. Dessen Erben verkauften das Unternehmen mit etwa 200 Mitarbeitern 1887 an die ungarische Firma Ganz & Comp. unter András Mechwart.[4]

Pelton-Turbine

Mit dieser Übernahme setzte die Modernisierung und Erweiterung des Werkes ein. Vom k.u.k. Kriegsministerium wurden erste Bestellungen über Panzerkuppeln erteilt. Als neuer Erwerbszweig wurde der Bau von Wasserturbinen aufgenommen. Damit war die Leobersdorfer Maschinenfabrik die erste österreichische Turbinenfirma. Gebaut wurden hauptsächlich axial durchströmte Jonval- und Girard-Turbinen, auch kombiniert als Doppelkranzturbinen, die später von den moderneren Francis- und Pelton-Turbinen abgelöst werden. Einige der in der Leobersdorfer Maschinenfabrik produzierten Turbinen sind heute noch am Wiener Neustädter Kanal in Betrieb zu sehen. 1889 erfolgte der Bau des zweiten Arbeiterhauses, eines Arbeiterspeisesaales und einer Badeanstalt. Weitere Zu- und Umbauten bildeten die Voraussetzung zur Fabrikation von Eisenbahnrädern. Bis 1891 fand eine deutliche Entwicklung des Standortes statt. Neue Wohngebäude für die Arbeitnehmer wurden errichtet, weiters ein Beamtenhaus, ein Meisterhaus sowie Arbeiterwohnhäuser. Ein Fabriksarzt wurde eingestellt, eine Rettungsstation, eine werkseigene Krankenkasse, eine Fabriksfeuerwehr und ein Kindergarten gegründet. Die heutige Spitalgasse in Siebenhaus, einem Ortsteil von Leobersdorf, [Anm. 1] erinnert noch an das 1892 erbaute Arbeiterspital [Anm. 2]. 1893/94 wurde an der Südbahnstraße, Leobersdorf bzw. Siebenhaus, eine Fabriksrestauration und ein weiteres Beamtenwohnhaus errichtet.

Der erste Dieselmotor

1896/97 wird das Werk auf das rechte Ufer des Hochwassergrabens erweitert. Gleichzeitig startete die Herstellung von Hartgussrädern nach dem Vorbild der Griffin-Werke[Anm. 3], Buffalo (USA), ferner von Elektromotoren, Dynamos und den hierzu benötigten Schaltanlagen. Die Industriegeleise zwischen Werk und Bahnhof wurden verlegt. Zu diesem Zeitpunkt waren schon 480 Arbeiter und 100 Angestellte im Werk beschäftigt. Am 22. Dezember 1897 wurde die Südbahnstraße erstmalig von der Leobersdorfer Maschinenfabrik aus elektrisch beleuchtet. Um 1900 kam der weltberühmte Münchener Ingenieur Rudolf Diesel vorübergehend ins Werk, um den nach ihm benannten Dieselmotor einzuführen. Fünf Jahre später wurden in Leobersdorf die ersten Dieselmotoren Österreichs gebaut, des Weiteren die ersten österreichischen Dieselmotoren für Schiffe der k.u.k. Kriegsmarine[5]. Von 1901 bis 1903 arbeitete Viktor Kaplan in der Fabrik, wo er eine verbesserte Version eines Dieselmotors konstruierte. Unter der Leitung von Ganz & Comp. verbuchte das Unternehmen einen stetigen Aufschwung. Zur Jahrhundertwende waren bis zu 800 Mitarbeiter beschäftigt,[6] vor Beginn des Ersten Weltkrieges waren es sogar 1.200. Im Jahr 1906 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. [7] In Wien und Klagenfurt unterhielt das Unternehmen zu dieser Zeit eigene Niederlassungen.

Auch nach Ende des Krieges, als Ungarn und Österreich in zwei Einzelstaaten zerfielen, blieb das Stammhaus Mehrheitseigentümer. In der Zwischenkriegszeit sank die Mitarbeiteranzahl wieder auf rund 500. 1929 wurde auch das Aktienkapital auf ein Sechstel reduziert.

Nach dem Anschluss an Deutschland übernahm die deutsche Weserhütte das gesamte Aktienkapital und die Belegschaft wuchs wieder auf 1.500 Mitarbeiter. Während des Krieges wurden Flugzeugteile für die nahegelegenen Wiener Neustädter Flugzeugwerke, sowie Munition hergestellt.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die sowjetische USIA die Verwaltung. Nach dem Abschluss des Staatsvertrages wurde das Unternehmen komplett geschlossen.

Im Jahr 1956 erwarb Egon Strager das stillgelegte Fabriksgelände und verlegte seine beiden bestehenden Werke aus Wien und Vösendorf nach Leobersdorf. Strager wandelte das Unternehmen neuerlich in eine AG um und zog sich 1963 zurück. Sein Aktienkapital übernahm Babcock & Wilcox. Auch der neue Eigentümer schaffte es nicht, die ursprüngliche Größe des Unternehmens zu erreichen. Die Mitarbeiterzahl bewegte sich in den 1970ern zwischen 200 bis 300 Personen.

Im Jahr 2004 wurde die Leobersdorfer Maschinenfabrik von Invest Equity gekauft, nachdem sie zuvor seit 1998 im Besitz des Austro-Amerikaners Gerhard Andlinger war.[2][9]

Technische Meilensteine

  • 1887 Die Firma Ganz & Co. ist die erste österreichische Turbinenbaufirma.
  • 1896/1897 Rudolf Diesel besucht das Werk um den Dieselmotor einzuführen, fünf Jahre später werden in Leobersdorf die ersten Dieselmotoren Österreichs gebaut.
  • 1901 Am 25. tritt Viktor Kaplan als Konstrukteur ein und arbeitet an der Verbesserung der Dieselmotoren.[10]
  • 1905 Beginn der Serienproduktion von Dieselmotoren die Exportquote (außerhalb der Monarchie) liegt bei 80 %.
  • 1925 Für das Bahnkraftwerk Spullersee in Vorarlberg liefert die Leobersdorfer Maschinenfabrik AG Pelton-Turbinen mit je 8.000 PS.
  • 1956 Die ersten Luft- und Gaskompressoren werden gebaut.
  • 1967 Bau von industriellen Öl-/Gas-Feuerungsanlagen
  • 1972 Erzeugung von Kompressoren bis 350 bar
  • 1978/1979 Bau und Lieferung der ersten Hochdruckverbundanlagen für Seismik-Exploration
  • 1983 Lieferung der ersten Erdgasbetankungsstation
  • 1985 Die ersten Prozessgaskompressoren werden am Markt eingeführt
  • 1988 LMF stellt die ersten ölfreien Kompressoren für (PET)-Anwendungen vor
  • 1993 Entwicklung von geschwindigkeitsgesteuerten Kompressoren
  • 2000 Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsverdichtern im Boxer-Design
  • 2002 Erweiterung des Leistungsspektrums der Prozessgaskompressoren auf 3 Megawatt
  • 2003 Die bisher größten Prozessgaskompressoren B 252 werden ausgeliefert.
  • 2004 Die Invest Equity kauft die LMF AG.
  • 2007 Die Equita wandelt diese in eine GesmbH und CoKG um.
  • 2008 Ankauf der SMGas (CNG Kompressorenproduzent) in Buenos Aires (Argentinien).
  • 2009 Die LMF beschäftigt 506 Mitarbeiter, davon 26 Lehrlinge inklusive Fremdpersonal.
  • 2010 Erweiterung des Leistungsspektrums der Prozessgaskompressoren auf 6 Megawatt
  • 2010 Das 160 jährige Bestehen der LMF wird mit einer Ausstellung gefeiert

Literatur

  • Josef Hauer (u.a.): Die Gemeinde Schönau an der Triesting und ihre Ortsteile in Vergangenheit und Gegenwart. 1. Auflage, Gemeinde Schönau an der Triesting, Schönau an der Triesting 1979.
  • Franz Mathis: Big Business in Österreich. Band 1: Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen. Verlag für Geschichte und Politik (u.a.), Wien 1987, ISBN 3-486-53771-7, S. 185 f. – Volltext online.

Einzelnachweise

  1. a b Firmenprofil auf der Webpräsenz der TU Wien Abruf am 9. Juni 2010
  2. a b Leobersdorfer Maschinen gehen an Quandt-Holding. In: Wirtschaftsblatt, 16. August 2007; abgerufen am 6. März 2009
  3. Wirtschaftskammer Österreichs Abruf am 9.Juni 2010
  4. Deutsche in Ungarn (PDF) dzm-museum.de; abgerufen am 6. März 2009
  5. Leobersdorfer Maschinenfabriks-Akt.-Ges. Leobersdorf bei Wien. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 17965/1914, 30. August 1914, S. 23. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  6. Die Bestellung der Südbahn bei der Firma Ganz & Comp.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 13758/1902, 14. Dezember 1902, S. 16, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  7. Lostrennung der österreichischen Unternehmung der Firma Ganz & Comp.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 15156/1906, 31. Oktober 1906, S. 16, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. Geheimprojekte.at
  9. Leobersdorfer Maschinenfabrik erwirtschaftet 34,5 Millionen Euro vom 1. März 2004 abgerufen am 6. März 2009
  10. Webservice der Stadt Wien vom August 1959 abgerufen am 6. März 2009

Anmerkungen

  1. Siebenhaus ist ein in der Katastralgemeinde Dornau gelegenes Dorf, das bis heute zur Gemeinde Schönau an der Triesting gehört. Die Katastralgemeinde Dornau schneidet territorial in das westliche Ortsgebiet von Leobersdorf ein und wird insbesondere wegen ihrer versorgungstechnischen Eingebundenheit als Ortsteil von Leobersdorf empfunden. Nach Kriegsende hätte Siebenhaus der Marktgemeinde Leobersdorf zugeschlagen werden sollen. – Siehe: Aus dem Triestingtal (…) Leobersdorf. Anschluß Siebenhaus an Leobersdorf. In: Badener Zeitung, Nr. 27/1940 (LXI. Jahrgang), 3. April 1940, S. 4, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt sowie Hauer (u.a.): Die Gemeinde Schönau an der Triesting, S. 49.
  2. 2544 Siebenhaus, Spitalgasse 16 (seit Jahrzehnten privates Wohnhaus 47.9312416.22474). – Vom nächsten Fabrikswohnhaus 300 Meter entfernt, was das Spital als für die Zeit typische Quarantäneeinrichtung (österreichisch, veraltend/veraltet: Kontumaz) auswies.
  3. Produktion initiiert vom dem aus Hof in Bayern gebürtigen, von Ganz-Budapest gekommenen Werksdirektor Julius Gulden († 8. Februar 1899 in Budapest). – Siehe: Vermischtes. Personal-Nachrichten. (…) Director Julius Gulden. In: Paul Kortz (Red.): Zeitschrift des oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins. Band 51.1899. Eigenverlag, Wien 1899, S. 109. – Text online (PDF).

Weblinks