Leopold Müller

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Leopold Müller beim Geomechanik Kolloquium 1966 in Salzburg

Leopold Müller, auch Leopold Müller-Salzburg, (* 9. Jänner 1908 in Salzburg; † 1. August 1988 ebenda) war ein Hochschullehrer in Karlsruhe, sowie ein österreichischer Pionier der Felsmechanik, des Tunnelbaus und der Ingenieurgeologie.

Inhaltsverzeichnis

Leben und beruflicher Werdegang

Nach Kindheit und Jugend in Salzburg maturierte Leopold Müller gemeinsam mit Herbert von Karajan 1926 am dortigen Akademischen Gymnasium. Karajan studierte anschließend an der Technischen Hochschule in Wien Ingenieurwissenschaften und Müller begann Pauke und Schlagzeug an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst zu studieren. Ab dem Wintersemester 1926/27 belegte er an der Technischen Hochschule das Fach Bauingenieurwesen, während Karajan bald darauf an die Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst wechselte, um Dirigent zu werden und das Ingenieurstudium aufzugeben.

Im März 1932 bestand Müller die zweite Staatsprüfung an der Fakultät für Bauingenieurwesen mit Auszeichnung. Da er anschließend keine Arbeit, nicht einmal eine unbezahlte Volontärstelle, finden konnte, bewarb er sich bei Josef Stini, seinem Professor für Ingenieurgeologie, um ein Thema für eine Promotion. Bereits im Juli 1933 legte er unter dem Titel „Untersuchungen über statistische Kluftmessung“ die ihm übertragene Arbeit vor. Nach dem ebenfalls mit Auszeichnung bestandenen Rigorosum wurde ihm von der Technischen Hochschule der Titel und die Würde eines Doktors der technischen Wissenschaften verliehen.

Es folgte eine Periode in Müllers Vita, die er selbst als seine Lehr- und Wanderjahre bezeichnete[1]. Er war tätig bei unterschiedlichsten Projekten des Straßen- und Tunnelbaus, wo er vom Hilfsbauleiter bis zum Bauführer aufstieg.[2]. Unter diesen Projekten befinden sich die Großglockner-Hochalpenstraße, und anschließend von 1935 bis 1945 als Bauleiter bei Polensky & Zöllner der Bau der Autobahn München Salzburg im Abschnitt IrschenbergWeyarn, die Kehlsteinstraße, zahlreiche Kriegsbauten auf den englischen Kanalinseln und in Norwegen.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis 1948 beim Bau des Kraftwerkes Kaprun tätig. Danach erhielt er die Zulassung als Zivilingenieur und gründete ein „Ingenieurbüro für Geologie und Bauwesen“ in Salzburg. Zu den herausragenden Projekten dieses Ingenieurbüros zählen die Sanierung der Festung Hohensalzburg und des Herkules-Bauwerkes in Kassel, der Bau der Talsperren Sarobi (Afghanistan) und Kurobe (Japan), der Entwurf des Eisenbahntunnels in Schwaikheim und die Untersuchungen für die Ursachen der Talsperrenkatastrophe von Vajont (Italien).

Auf Initiative von Hans Leussink wurde er 1965 an die Universität Karlsruhe berufen, wo er Leiter der Abteilung für Felsmechanik am Institut für Bodenmechanik und Felsmechanik wurde. Durch die großzügige Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte dort ein Sonderforschungsbereich „Felsmechanik“ eingerichtet werden, in dem Müllers wissenschaftliche Ziele umgesetzt und eine große Zahl junger Bauingenieure und Geologen zur Promotion geführt werden konnten. Sein Wissen gab er zudem vielerorts in mehr als 300 Vorträgen und Gastvorlesungen in den USA, in Italien, Japan und China weiter.

Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer, war Müller weiterhin weltweit als Berater für zahlreiche Wasserkraftwerke und Tunnelprojekte aktiv. Zu erwähnen sind die PSW Vianden (Luxemburg) und Waldeck II (Nordhessen) sowie die Wasserkraftwerke Rapel (Chile) und Tarbela (Pakistan) ferner zahlreiche U-Bahn-Tunnel in Frankfurt, Nürnberg, München, Bochum und Dortmund.

Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Universität Karlsruhe übernahm er ab 1977 eine Honorarprofessur für „Geotechnik und Felsbau" an der Universität Salzburg, wo er bis 1983 Vorlesungen über Geomechanik, Tunnelbau und Felsmechanik hielt. Besonders nutzte er aber den Ruhestand um an seinem mehrbändigen Lehrbuch zu arbeiten. Mitten in dieser Arbeit starb er am 1. August 1988 in seiner Heimatstadt und ruht auf dem dortigen Kommunalfriedhof .

Bedeutung

Auf Müllers Anregung geht 1951 die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik zurück, in der Absicht, in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Geologen, Geophysikern, Bauingenieuren und Bergbauingenieuren Probleme der Bautechnik und des Bergbaus anzugehen, die von einem Einzelnen nicht bewältigt werden konnten [4]. Aus diesen Anfängen der auch als „Salzburger Kreis“ bezeichnet wurde, entwickelte sich die Internationale Gesellschaft für Felsmechanik [5](ISRM), deren erster Präsident Müller von 1962 bis 1966 war. 1968 schließlich wurde die Österreichische Gesellschaft für Geomechanik (ÖGG) als nationale Gesellschaft der ISRM gegründet, deren Aufgaben die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung des Baugrundes und dessen Verhalten sind. Ihr erster Vorsitzender war Müller bis 1975.

Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit machte er mehrere Erfindungen, worunter die Entwicklung einer Fernsehsonde zur Untersuchung von Bohrlöchern herausragt (DE 1068196 vom 1. Januar 1957). Mit dieser Sonde war es möglich, die Raumstellung von Klüften im Gebirge zu bestimmen, was insbesondere bei der Vorerkundung untertägiger Bauwerke wichtig ist. Die berühmteste Entwicklung, die er gemeinsam mit Franz Pacher und Ladislaus von Rabcewicz vorantrieb, war die Etablierung einer neuen Tunnelbaumethode, die als „Neue Österreichische Tunnelbauweise“ (NÖT) bezeichnet wird.

Müller veröffentlichte über 200 wissenschaftliche Publikationen, worunter sein mehrbändiges Lehrbuch „Der Felsbau“ hervorzuheben ist. Er war langjähriger Herausgeber der Zeitschrift „Geologie und Bauwesen“, deren Redaktion er von Josef Stini nach dessen Tod übernahm.

Die Wertschätzung, die Müller national und international genoss, drückte sich in zahlreichen Ehrungen aus. Die Montanistische Hochschule Leoben verlieh ihm 1965 den Dr. mont. h. c., die Society for Mining, Metallurgy, and Exploration (SME) zeichnete ihn 1971 mit dem „Rock Mechanics Award" aus [6] , dem 1972 das „Goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg“ folgte. 1974 wurde er zum auswärtigen korrespondierenden Mitglied der mathematisch-physikalischen Sektion der Universität Bologna ernannt und bekam 1983 die Carl-Friedrich-Gauß-Medaille der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft und wurde gleichzeitig korrespondierendes Mitglied der Klasse für Bauwissenschaften dieser Gesellschaft. 1984 wurde ihm die Hans-Cloos-Medaille durch die International Association for Engineering Geology and the environment (IAEG)[7] überreicht und ein Jahr später wurde er Ehrenmitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). 1985 ernannte ihn die Stadt Salzburg zum Ehrenbürger und die Geologische Bundesanstalt (GBA) in Wien ehrte ihn durch die Überreichung der Wilhelm-Ritter-von-Haidinger-Medaille. In seinem Todesjahr wurde ihm noch die Johann Joseph Ritter von Prechtl-Medaille durch die Technische Universität Wien und der „Ring des Landes Salzburg“ verliehen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 350 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg 1617-1967, S. 181-183
  2. Fecker, Negele, Spaun: Leopold Müller-Salzburg, S. 318, in VDI (Hrsg.): Jahrbuch 1996, Düsseldorf 1996, S. 317-339.
  3. Fecker, Negele, Spaun: Leopold Müller-Salzburg, S. 318-319, in VDI (Hrsg.): Jahrbuch 1996, Düsseldorf 1996, S. 317-339.
  4. Festschrift Leopold Müller-Salzburg zum 65. Geburtstag, S. 11- 15
  5. Internationale Gesellschaft für Felsmechanik (ISRM) (englisch)
  6. Rock Mechanics Award (englisch)
  7. International Association for Engineering Geology and the environment (englisch)

Weblinks