Leopold Welzl von Wellenheim

Leopold Welzl von Wellenheim, Lithographie von Josef Kriehuber, 1843
Leopold Welzl von Wellenheim
Aquarell von Anton Hähnisch (1844)
Welzl v. Wellenheim-Wappen[1] aus Adelsdiplom vom 1. Februar 1808

Leopold Johann Welzl, ab 1808 Welzl von Wellenheim (* 15. November 1773 in Hroby, Böhmen; † 19. Februar 1848 in Wien) war ein österreichischer k.k. Hofrat[2] sowie Münz- und Medaillensammler (Numismatiker) in Wien. Er besaß die beträchtlichste numismatische Privatsammlung in Wien und wahrscheinlich im ganzen Kaiserreich.[3]

Leben

Welzl verwendet sich in frühester Jugend bei den Steuerregulierungs-Geschäften in Böhmen mit solchem Erfolg, dass ihm zur Belohnung eine Gnadenmedaille verliehen wurde. Er war danach im Jahre 1789 als 16-Jähriger bei der damaligen niederösterreichischen Staatsgüterbuchhaltung, dann bei der Hofbaubuchhaltung, im Jahre 1790 bei der vereinigten böhmisch-österreichischen Hofkanzlei, bei der Hofkammer und Ministerial-Banco-Deputation und im Jahr 1796 beim Staatsrat angestellt. Er rückte zur Dienststufe eines k.k. Staats- und Konferenzrats-Konzipisten und Hofsekretär vor und arbeitete immer ganz zu Händen des dirigierenden Staats- und Konferenzministers Leopold Graf Kolowrat-Krakovský, in welcher Dienstleistung er zu den wichtigsten und geheimsten Staatsangelegenheiten verwendet wurde. Auf Grund seiner ausgezeichneten Staatsdienste wurde er am 1. Februar 1808[4] in Wien in den erbländischen erblichen Adelstand mit dem Namen „Welzl von Wellenheim“ erhoben. Später war Welzl von Wellenheim Hofrat bei der k.k. Hofkammer und Referent im Postwesen, als welcher er am 3. November 1835 in den Ruhestand versetzt wurde.

Er war Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, Literatur und Künste zu Padua, ordentliches Mitglied des Museums für Oberösterreich und Salzburg und der Gesellschaft der Antiquitäten des Nordens in Kopenhagen. Er hinterließ einen Aufsatz über Münzen der Grafschaft Görz und als Manuskript eine umfassende Abhandlung über Friesacher Münzen.

Er sammelte durch 40 Jahre mit Wissenschaft, Geschmack und seltenem Glück, zumal er als vieljähriger Referent des Postwesens mit den Provinzen Österreich-Ungarns und dem Ausland in einflussreichem Verkehr stand, so dass seine universelle Sammlung die größte und zahlreichste war, die wohl sonst kein Privatmann zu dieser Zeit in Wien je gehabt hat. Laut Kaufvertrag vom 4. Februar 1843 verkaufte Welzl von Wellenheim seine gesamte Münz- und Medaillensammlung, alle Münzkästen, Bücher, Statuen, geschnittene Steine, Ringe und Siegel an seinen Sohn Wilhelm Welzl von Wellenheim für 57.340 Gulden.

Wilhelm Welzl von Wellenheim ließ diese Sammlung zwischen 1845 und 1847 in mehreren Etappen in Wien versteigern, wofür ein Auktionskatalog in zwei Bänden aufgelegt wurde (Verzeichniss der Münz- und Medaillen-Sammlung des kaiserl. königl. Hofrathes und Mitgliedes mehrerer gelehrten Gesellschaften, Herrn Leopold Welzl von Wellenheim, nebst einem Verzeichnisse von werthvollen numismatischen, archäologischen und anderen Büchern, Band 1, Verlag J. P. Sollinger, Wien 1844; Band 2, Verlag Bermann, Wien 1845). Das Verzeichnis der Sammlung wurde von Achilles Postolakkas (Griechen-Teil) und Franz Vincenz Eitl (Römer-Teil) erstellt.[5] Der erste Band beschreibt 16.767 antike Münzen, im zweiten Band werden Münzen und Medaillen des Mittelalters und der Neuzeit angeführt und zwar in der ersten Abteilung 12.428 Nummern und 184 Münzen ohne Nummern, dann in der zweiten Abteilung 15.818 Nummern. Eine erste öffentliche Versteigerung begann am 10. Februar 1845 in Wien,[6] eine andere am 7. Januar 1846, die Versteigerung seiner griechischen Münzen am 15. Februar 1847, die seiner römischen Münzen am 18. Oktober 1847.

Welzl von Wellenheim war mit Sofie Mußbrock (* 4. Juli 1777 in Wien; † 12. Juli 1826 ebenda) verheiratet und hatte aus dieser Ehe die beiden Söhne Wilhelm Johann Michael (1799-1858) und Cajus Augustus (1806-1888).[7]

Literatur

  • Verein für Numismatik zu Prag: Beschreibung der bisher bekannten Böhmischen Privatmünzen und Medaillen. Prag 1852.
  • J. von Bergmann: Pflege der Numismatik in Österreich im 18. Jahrhundert. Wien 1857. S. 51 ff
  • Anthony Durand: Médailles et jetons des numismates, 1865, Seite 219 (Digitalisat)
  • Welzl von Wellenheim. In Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 54. Band, S. 261 ff, Wien 1886.
  • Monatsblatt der Numismatischen Gesellschaft in Wien. Nr.402/403, 10. Band, Jänner-Februar 1917. S. 198 ff
  • Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Band 41, Wien 1863, Seite 63 (Digitalisat)
  • Wolfgang von Wurzbach: Katalog der Porträtlithographien Josef Kriehubers. – 2. Auflage. Wien: Walter Krieg Verlag, 1955, S. 385

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung in: Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter, Band 1, Verlag Buschak u. Irrgang, Brünn 1870, Seite 449
  2. Bericht über das Museum Francisco-Carolinum, Band 9, Linz 1847, Seite 88 (Digitalisat)
  3. Anton Mayer: Geschichte der geistigen Cultur in Niederösterreich von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart, Verlag Seidel, 1878
  4. Karl F. v. Frank: Standeserhebungen u. Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande, Band 5, Senftenberg 1974, Seite 202
  5. Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bände 48-49, Bayerische Numismatische Gesellschaft, 2001, Seite 368 (Auszug)
  6. Auktionsanzeige in: Allgemeine Zeitung München, 1845, Seite 1272 (Digitalisat)
  7. Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, Band 3, Verlag O. Maas' Söhne, 1908/09, Seite 574 ff