Leutschach

Leutschach
Wappen von Leutschach
Leutschach (Österreich)
Leutschach
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leibnitz
Kfz-Kennzeichen: LB
Fläche: 1,11 km²
Koordinaten: 46° 40′ N, 15° 28′ O46.66694444444415.467777777778352Koordinaten: 46° 40′ 1″ N, 15° 28′ 4″ O
Höhe: 352 m ü. A.
Einwohner: 557 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 501,8 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8463
Vorwahl: 03454
Gemeindekennziffer: 6 10 23
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Arnfelserstraße 1
8463 Leutschach
Website: www.leutschach.steiermark.at
Politik
Bgm. Erich Plasch (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(9 Mitglieder)
8 ÖVP, 1 SPÖ
Lage der Gemeinde Leutschach im Bezirk Leibnitz
Allerheiligen bei Wildon Arnfels Berghausen Breitenfeld am Tannenriegel Ehrenhausen Eichberg-Trautenburg Empersdorf Gabersdorf Gamlitz Glanz an der Weinstraße Gleinstätten Gralla Großklein Hainsdorf im Schwarzautal Heiligenkreuz am Waasen Heimschuh Hengsberg Kaindorf an der Sulm Kitzeck im Sausal Lang Lebring-Sankt Margarethen Leibnitz Leutschach Oberhaag Obervogau Pistorf Ragnitz Ratsch an der Weinstraße Retznei Sankt Andrä-Höch Sankt Georgen an der Stiefing Sankt Johann im Saggautal Sankt Nikolai im Sausal Sankt Nikolai ob Draßling Sankt Ulrich am Waasen Sankt Veit am Vogau Schloßberg Seggauberg Spielfeld Stocking Straß in Steiermark Sulztal an der Weinstraße Tillmitsch Vogau Wagna Weitendorf Wildon Wolfsberg im Schwarzautal SteiermarkLage der Gemeinde Leutschach im Bezirk Leibnitz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick auf Leutschach von Süden
Blick auf Leutschach von Süden
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Leutschach (slowenisch Lučane) ist eine Marktgemeinde mit 557 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im österreichischen Bundesland Steiermark.

Zusammen mit seinen Nachbargemeinden Schloßberg, Eichberg-Trautenburg und Glanz an der Weinstraße bildet die Gemeinde das „Rebenland Leutschach“ (insgesamt 4.100 Einwohner).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die kleine Marktgemeinde mit 1,1 km² ist das Zentrum des südsteirischen Hopfenanbaugebietes und eines der Zentren des südsteirischen Weinbaugebietes (Südsteirische Weinstraße). Sie liegt nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt.

Die Gesteine von Leutschach und Umgebung gehören zu jenen des Poßruck und sind wissenschaftlich untersucht.[1]

Geschichte

Ein römisches Grab in der Nähe von Leutschach zeugt von der frühen Besiedelung des Pößnitztales. Dieses Tal war als Ausweichstrecke zum gefährlichen Drautal ein wichtiger Verkehrsweg Richtung Osten. Die Burg Schmirnberg diente Jahrhunderte als Schutzburg für durchziehende Händler und Reisende.

1250 wurde der Name Leutschach erstmals urkundlich erwähnt (Liubschach). 1458 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Ort das Marktrecht und die eigene Gerichtsbarkeit.

Nach dem Friedensvertrag von Saint-Germain, mit dem 1919 die Untersteiermark an den SHS-Staat abgetreten werden musste, befand sich die gesamte Region plötzlich in einer isolierten Grenzlage, was zu wirtschaftlicher Rückständigkeit führte. Nach dem Zweiten Weltkrieg grenzte das Gebiet zwar an das kommunistische Jugoslawien, diese Grenze war aber (im Gegensatz zu den österreichischen Grenzen zu Ungarn und der Tschechoslowakei) nie ein undurchlässiger „Eiserner Vorhang“.

Pfarrgeschichte

Um das Jahr 1200 bestand bereits eine erste Kirche in Leutschach, geweiht dem hl. Nikolaus, dem Patron der Händler und Reisenden. Im Jahr 1250 war Leutschach bereits eine eigene Pfarre, nachdem sie aus der Pfarre Leibnitz entlassen worden war. Am 2. Jänner 1427 gewährte Papst Martin V. der Kirche von Leutschach einen Ablass.

1786 wurde die Pfarre in die Diözese Graz-Seckau eingegliedert, nachdem sie vorher zur Erzdiözese Salzburg gehört hatte. Seit diesem Jahr wird der Pfarrer von Leutschach auch zum Dechanten ernannt. Die Aufhebung des Dekanates erfolgte erst in den 1970er Jahren.

1816 wurde die Pfarrkirche unter Dechant Krofitsch renoviert; dabei wurden auch die Seitenkapellen angebaut. Neben seinem Priesteramt beschäftigte sich Krofitsch noch mit Mathematik und Architektur. Er schuf eine astronomische Uhr, die heute als eines der wertvollsten Stücke des Wiener Uhrenmuseums gilt.

1901 erfolgte die Gründung eines Kirchenbauvereins zum Umbau und zur Vergrößerung der zu klein gewordenen Pfarrkirche. Der Grundstein zur neuen Kirche wurde am 17. Mai 1908 gelegt; am 29. April 1911 wurde die Konsekration der neuen Pfarrkirche vorgenommen. 1959 wurde die Pfarrkirche aus Anlass „500 Jahre Markterhebung Leutschach“ renoviert. 1973–1977 wurde eine neuerliche Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche durchgeführt, der 1977–1978 die Renovierung und Umgestaltung des Pfarrhofes folgte.

Bedeutende Pfarrherrn des 17. und 18.Jahrhunderts

  • 1717-1718 Andreas Safran, der erste in Leutschach geborene Pfarrer
  • 1727-1742 Johann Dominikus Furlani, dem man seitens der Obrigkeit großen Seeleneifer und besonderen priesterlichen Wandel nachsagte.
  • 1776-1789 Simon Trabas, der zweite bekannte Leutschacher Pfarrer, der in der Pfarre geboren wurde.
  • 1790-1821 Johann Michael Krofitsch wurde auch in Leutschach/Pößnitz geboren. Zu seiner Zeit wurde die Pfarrkirche renoviert und der Pfarrhof ausgebaut. Sein besonderes Interesse galt der Mathematik und der Mechanik. Seine "Kunstuhr" steht heute im Uhrenmuseum in Wien.

Die Dechanten des 20. Jahrhunderts

  • Lorenz Vollmeier (1888–1919)
  • Ludwig Ribitsch (1919–1931)
  • Anton Waude (1932–1941)
  • Johann Skoff (1942–1953)
  • Peter Reiter (1953–1976)
Pfarrkirche Leutschach

Politik

Politisch dominiert die ÖVP.

Gemeindevorstand

  • Bürgermeister: Erich Plasch (ÖVP)
  • Vizebürgermeister: Josef Kos (ÖVP)
  • Gemeindekassier: Ludmilla Pinnitsch (ÖVP)

Wappen

Am 1. September 1625 bestätigte Kaiser Ferdinand II. dem Markt Leutschach seine Privilegien sowie ein Wappen.
Wappenbeschreibung: als nemblich einen Rothen Schilt, darin ein Gelber Goldtfarber Lew, mit offnem rächen, roth außgeschlagner Zungen, vnd zurück vber sich gewundenen doppelten Schwantz, auf seinen hindern füessen aufrecht gegen der rechten seitten stehundt vnd in seinen vordern Prancken ein gelb oder goldtfarbnes Scheidt für sich haltendt, erscheinen thuet.[2]

Partnergemeinden

Seit 25 Jahren besteht eine Partnerschaft mit dem Markt Feucht bei Nürnberg. Die von der Freiwilligen Feuerwehr Leutschach und der Freiwilligen Feuerwehr Mossbach in Franken initiierte Partnerschaft wird durch gegenseitige Besuche und regem Kulturaustausch immer wieder intensiviert.

Außerdem besteht noch eine Partnerschaft mit Caska in der Slowakei.

Bevölkerungsentwicklung

Quelle: Statistik Austria [3]


Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftlich geprägt wird der Weinbau- und Hopfenort durch zahlreiche klein strukturierte Gewerbebetriebe sowie durch den Tourismus.

Das Gebiet von Leutschach um das Jahr 1879 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)

Da die Einnahmen der Grenzlandgemeinden nicht zuletzt durch ihre geographische Randlage stets sehr niedrig waren, bemühte sich das Land Steiermark, diese Gemeinden vermehrt finanziell zu stützen (Schul- und Turnsaalbauten, Bau des Freibades, des Kulturzentrums „Knielyhaus“, Ortsbildverschönerung).

Im April 2007 hat sich die Markgemeinde Leutschach mit den Nachbargemeinden Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße und Schloßberg zur Kleinregion „Rebenland“ zusammengeschlossen. Dadurch werden viele infrastrukturelle Maßnahmen (Freiwillige Feuerwehr, Schulen, gemeinsamer Bauhof, gemeinsamer Recyclinghof u.v.m.) besser koordiniert und finanziell optimiert.

Seit dem Boom der Südsteirischen Weinstraße („Steirische Toskana“) spielen die Einnahmen aus dem Tourismus eine ständig steigende Rolle. Dennoch kämpfen besonders die zahlreichen kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe um ihr wirtschaftliches Überleben.

Hopfenproduktion

Auf Initiative des Bierproduzenten Peter Reininghaus, der nach dem 2. Weltkrieg auf der Suche nach Anbaugebieten für den benötigten Hopfen war, fanden sich in Leutschach vier Bauern, die mit dem Anbau von Hopfen begannen. Nach zehn Jahren waren es bereits 96 Bauern, die auf 80 ha Nutzfläche Hopfen anbauten. Hopfen benötigt zur Kultivierung ein besonderes Kleinklima, das im Pößnitztal rund um Leutschach zu finden ist. Die Qualität des Leutschacher Hopfens ist so groß, dass die Brau Union, der Hauptabnehmer des Leutschacher Hopfens, daraus sogar ein eigenes Jahrgangspils braut. Heute bewirtschaften 15 Hopfenbauern ihre Äcker, deren Gesamtanbaufläche mit 80 ha aber gleichgeblieben ist. [4]

Passend zur Urproduktion des Hopfens entstand vor 3 Jahren in Leutschach eine Spezialbrauerei, die mit dem Leutschacher Hopfen Spezialbiere wie Ginseng-, oder Kürbisbier braut.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kultur und Vereine

Viele Vereine tragen zu einer guten Kulturarbeit bei: Musikverein Rebenland Leutschach, Welschchor, Kirchenchor, Volkstanzkreis Rebenland, Frauensingkreis, u.v.m.

Traditionelle Veranstaltungen in Leutschach: Erntedankumzug, Faschingsumzug, Kirchenkonzerte, Frühlingskonzerte, Adventstunden, Weihnachtsfeiern, Fronleichnamsprozession, Osterprozession, Kirchweihfest Hohenegg, Wallfahrt nach Heiligengeist (Pfingstsonntag).

Knielyhaus

Seit einigen Jahren gibt es mit dem Knielyhaus ein neugeschaffenes Kultur- und Seminarzentrum in Leutschach. Ein breit gestreutes Angebot an kulturellen Veranstaltungen bereichert das kulturelle Leben. Von Konzerten über Ausstellungen, Workshops bis zu Malerwochen reicht das Angebot. Außerdem ist die Musikschule Leutschach in diesem Gebäude untergebracht. Im Jahre 2009 wurde das Knielyhaus großzügig erweitert und für große Seminare und Veranstaltungen adaptiert.

Knielyhaus

Bildungseinrichtungen

Im Ort Leutschach gibt es einen Pfarrkindergarten, eine Volksschule, eine Neue Mittelschule, eine Musikschule und die alterserweiterte Kindergruppe „Lachtraube“. Die Hauptschule wurde 1947 gegründet und in der damaligen Klosterschule, die auch die Mädchenvolksschule beherbergte, untergebracht. Erst mit dem Neubau der Volksschule stand der Hauptschule dann ein eigenes Gebäude zur Verfügung.

In der Gemeinde Schloßberg gibt es noch bis zum Ende des Schuljahres 2011/2012 die einklassige Volksschule Großwalz und in der Gemeinde Glanz an der Weinstraße die zweiklassige Volksschule Langegg. Die nächstgelegenen höheren Schulen befinden sich in (Arnfels - HTBLA - Mechatronik), Leibnitz, Deutschlandsberg, Bad Radkersburg und Graz. Auf Grund des Mangels an hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der unmittelbaren Region sind zahlreiche besser ausgebildete Jugendliche dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in die Ballungszentren abzuwandern.

213 Bewohner (43,9 %) haben die Pflichtschule absolviert, davon sind 149 Frauen. 157 (32,4 %) haben eine Lehrlingsausbildung (112 Männer, 45 Frauen) und 13 (2,7 %) haben einen Hochschul- bzw. Universitätsabschluss.

Söhne und Töchter

  • Harry Muster (* 1976), Mitglied der Schlagerband „Die Paldauer
  • Franz Unger (* 30. November 1800; † 13. Februar 1870), österreichischer Botaniker, Paläontologe und Pflanzenphysiologe
  • Konrad Jarz (* 17.Februar.1842; † 14.April 1909), Abenteurer, Historiker und Geograf

Ehrenbürger

  • Amalia Schwaiger (+), Lehrerin, Verfasserin des ersten Heimatbuches und des Häuserbuches von Leutschach
  • Dechant Peter Reiter (+), eh. Pfarrer und Dechant von Leutschach
  • MR Dr. Willhelm Kostron, Distriktsarzt
  • OSR Hildegard Nagy, ehem. Volksschuldirektorin
  • Helene Schwarzl, eh. Vizebürgermeisterin
  • Konsistorialrat Blasius Klug, em.Pfarrer von Leutschach (1976-2009)

Literatur

  • Die Rebenland-Chronik: Die gemeinsame Geschichte der vier Gemeinden Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße, Leutschach und Schlossberg (2004), ISBN 3-902344-05-9
  • Grenzenlos zweisprachig: Die Erinnerungen des Keuschlersohnes Anton Santel (1845-1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg, ISBN 3-7011-7446-6
  • Heimatbuch Leutschach, Amalia Schwaiger
  • Festschrift der Pfarre Leutschach; Beiträge zur Geschichte der Pfarre Leutschach, Klamminger, Karl; 1979

Weblinks

 Commons: Leutschach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Franz Angel: Gesteine der Umgebung von Leutschach und Arnfels in Steiermark. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt Band 83, Wien 1933. Seiten 5-18. (Online)
  2. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 13, 1963, S. 77
  3. Ein Blick auf die Gemeinde Leutschach
  4. Der Stoff, aus dem die Biere sind; abgerufen am 15. April 2011