Lina Loos

Lina Loos, geborene Carolina Catharina Obertimpfler (* 9. Oktober 1882[1] in Wien; † 6. Juni 1950 ebenda) war eine Schauspielerin und Feuilletonistin und die zeitweilige Ehefrau des Architekten Adolf Loos.

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Leben und Wirken

Die Tochter des aus Wiener Neustadt stammenden Handelsmannes und (ab 1897) prominenten Cafetiers des Grand Café Café Casapiccola Carl Obertimpfler und der Carolina geb. Ockermüller war schon in sehr jungen Jahren eine stadtbekannte Schönheit und wurde von Männern wie Peter Altenberg, Egon Friedell und Franz Theodor Csokor verehrt. Beim Altenberg-Stammtisch im Löwenbräu lernte die Schauspielschülerin im Frühjahr 1902 den zwölf Jahre älteren Architekten Adolf Loos kennen, den sie am 21. Juli 1902 in Eisgrub (heute Lednice) in Mähren heiratete. Trauzeugen waren der bekannte Innenarchitekt und Möbelfabrikant Max Schmidt und dessen Bruder Karl Leo Schmidt. Die kurze Ehe endete in einer Katastrophe und in einem Gesellschaftsskandal. Arthur Schnitzler hat diese Affäre um den Selbstmord von Heinz Lang, den zeitweiligen Geliebten von Lina Loos, in seinem Stück Das Wort verarbeitet. Lina Loos flüchtete in der Folge des Skandals im Januar 1905 in die USA, wo sie in der Theatertruppe von Heinrich Conried mitwirkte. Am 19. Juni 1905 erfolgte die Trennung ihrer Ehe mit Adolf Loos. In ihrem erst postum entdeckten Theaterstück Wie man wird was man ist reflektierte Lina Loos die Entwicklung ihrer Ehe mit Adolf Loos.

Lina Loos veröffentlichte ab 1904 Feuilletons in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften (etwa Neues Wiener Journal, Neues Wiener Tagblatt, Der Querschnitt, Die Dame), nach 1946 bis 1949 vielfach in der kommunistischen Kulturzeitschrift Österreichisches Tagebuch (später umbenannt in Wiener Tagebuch). Ihre vor allem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs regelmäßig erscheinenden Beiträge zeichnen sich durch Mutterwitz, pointierte Formulierungen und kritische Schärfe der Beobachtung aus.

Als Schauspielerin und Kabarettistin trat Lina Loos vor 1914 unter anderem in New York, St.Petersburg, Leipzig, Frankfurt und Berlin auf sowie – unter ihrem Künstlernamen Lina Vetter – im Wiener Cabaret Fledermaus. 1921 wurde sie Mitglied des Deutschen Volkstheaters in Wien, an dem schon früher ihr Bruder Carl Forest als Schauspieler tätig gewesen war. Bis 1938 trat Lina Loos in den von Rudolf Beer geleiteten Wiener Theatern (Volkstheater und Scala) in zumeist kleineren Rollen auf. In der NS-Zeit zog sich Lina Loos weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, publizierte aber bis 1943 noch gelegentlich im Neuen Wiener Tagblatt. Nach 1945 engagierte sich die erklärte Christin und Pazifistin in der KPÖ-nahen Frauen- und Friedensbewegung, wurde Vizepräsidentin des Bundes demokratischer Frauen und Mitglied des Österreichischen Friedensrates. Um die Sammlung und Herausgabe ihres Werks hat sich in jüngerer Zeit Adolf Opel verdient gemacht.

Werke

  • Mutter. Drama. Wien 1921
  • Das Buch ohne Titel. Erlebte Geschichten. Wien 1947; ebd. 1997, ISBN 3-216-30209-1
  • Wie man wird, was man ist. Lebens-Geschichten. Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30103-6
  • Gesammelte Schriften. Hrsg. von Adolf Opel. Edition Va Bene, Wien 2003, ISBN 3-85167-149-X

Literatur

  • Franz Theodor Csokor, Leopoldine Rüther (Hrsg.): Du silberne Dame Du. Briefe von und an Lina Loos. Zsolnay, Wien 1966
  • Lisa Fischer: Lina Loos oder Wenn die Muse sich selbst küsst. Eine Biographie. Böhlau, Wien 1994; 2. A. ebd. 2007, ISBN 978-3-205-77611-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Archiv der Dompfarre St. Stephan, Taufbuch Tom. 122, fol. 125.