Linzer Wollzeugfabrik

Die Linzer Wollzeugfabrik war eine im Jahr 1672 von dem Bürger Christian Sint unter der Bezeichnung „Zeug und Catis“-Fabrik in Linz gegründete Textilmanufaktur, die unter verschiedenen Bezeichnungen bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1850 Gewebe aus Wolle und Baumwolle sowie sonstige textile Produkte herstellte.[1] Sie war in den frühen Zeiten des industriellen Zeitalters die erste Textilfabrik Österreichs.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach sechs Jahren trat Sint sie an seinen Schwiegersohn Mathias Kolb und dessen Erben ab. In einem Vertrag vom 4. November 1716, der von der Regierung am 15. Jänner 1717 bestätigte, trat Dominik Kolb von Kolbenthurm (bzw. Kolbenthal) seine Fabrik an das „Soldatten Spital und grosse Armenhaus“ vor dem Schottentore in Wien ab (an der Stelle des alten Allgemeinen Krankenhauses). Am 27. März 1722 wurde sie an die Orientalische Compagnie zu Wien abgetreten (bestätigt am 6. Oktober 1722). 1754 wurde das Unternehmen unter Kaiserin Maria Theresia verstaatlicht und in „K.K. Aerarial -Wollzeug-, Tuch- und Teppichfabrik zu Linz“ umbenannt.

Linzer Wollzeugfabrik um 1890

Die Produktpalette umfasste bis 1795 nur 30 Sorten Schafwollzeug, später auch feines Tuch aus Baumwolle und Kaschmirwolle sowie Teppiche. Erzeugnisse der Textildrucktechnik wie bedruckte Tischdecken und Möbelstoffen wurden ab 1859 gefertigt.

Bei der Übernahme in landesfürstliches Eigentum waren etwa 10.000 bis 12.000 Menschen beschäftigt. 1764 wurde die Einfuhr ausländischer Wollerzeugnisse verboten und die Erzeugung für jedermann im Land frei. Ab 1774 beschäftigte die Linzer Wollzeugfabrik Zwangsarbeiter wie Landstreicher, Bettler und Strafgefangene, 1780 waren 26.000 Menschen beschäftigt. Im Jahr 1791 wurde die höchste Zahl an Beschäftigten erreicht - von den 49.292 Mitarbeitern waren 100 Arbeiter in der Fabrik, alle übrigen in Heimarbeit beschäftigt. 1816 waren es etwas mehr als 40.000 Arbeiter.

Nach der Stilllegung des Werks im Jahr 1850 wurden auf einem Teil des Geländes die Gebäude der Tabakfabrik errichtet, in welchen im Jahr 1915 erstmals mehr als 1 Milliarde Zigaretten produziert wurden.

Um die Erhaltung des äußerlich schlossartigen und repräsentativen Gebäudes gab es zu Ende der 1960er-Jahren erbitterte Debatten. Friedrich Achleitner sprach von einem „Demolierungsskandal“[2] Schließlich wurden die Gebäude dieser ersten Textilmanufaktur trotz erheblicher Proteste 1969 abgebrochen. Erhalten blieb lediglich die ehemalige Zwirnerei, das „Zwirnerstöckl“ an der Unteren Donaulände Nummer 66.[3]

Würdigung

1928 wurde nach dem Gründer die Sintstraße benannt, eine Sackgasse die nahe der Donau von der Schiffbaustraße Nr. 10 etwa in südöstlicher Richtung verläuft.

Weblinks und Quellen

Fußnoten

  1. Cattis oder Cardis (von frz. carder kämmen) wurde ein fest gewirktes Textilgewebe (Zeug) aus gekämmter Schafwolle genannt. Vgl. Oekonomische Encyklopädie von Johann Georg Krünitz (1773-1858)
  2. Vgl. Die Presse 9.-10. März 1968
  3. Karte des OÖ Landesmuseums Industrie und Kultur, PDF, 6,91 MB