Lotte Hass

Lotte Hass
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Lotte Hass (2004)

Persönliche Informationen
Name: Charlotte Hildegard Hass (geb. Baierl)
Spitzname(n): Lotte
Nationalität: OsterreichÖsterreich Österreich
Geburtstag: 6. November 1928
Geburtsort: Wien-Brigittenau

Charlotte („Lotte“) Hildegard Hass (geb. Baierl) (* 6. November 1928 in Wien-Brigittenau (XX. Bezirk)) ist die zweite Ehefrau des österreichischen Naturforschers und Tauchpioniers Hans Hass und wirkte als Unterwassermodell und Hauptdarstellerin in einigen seiner Filme mit.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Als Hans Hass im Sommer 1947 für sein Büro in Wien eine Sekretärin suchte, bewarb sich Lotte Baierl erfolgreich für die Stelle. Sie hatte gerade ihr Abitur bestanden und war ein großer Fan von Hass. Lotte lernte neben ihrer Büroarbeit den Umgang mit Tauchgeräten und Unterwasserkameras, denn sie hoffte, an der nächsten Expedition von Hass teilnehmen zu dürfen. Dafür trainierte sie in Schwimmbädern, tauchte und fotografierte in den Seen rund um Wien. Unterstützt und angelernt wurde sie dabei von dem Assistenten von Hans Hass, Kurt Schaefer.

Hans Hass war generell gegen die Teilnahme einer Frau an seinen Expeditionen. Die Teilnahme von Lotte wurde aber schließlich doch möglich, als die Wiener Sascha-Filmgesellschaft darauf bestand, dass Hass seinen nächsten Dokumentarfilm durch eine hübsche weibliche Hauptdarstellerin für ein größeres Publikum attraktiver macht. Die Wahl fiel auf Lotte Baierl. Die mehrmonatige Expedition 1950 an das Rote Meer war sehr mühsam, aber erfolgreich. Hass konnte als erster Mensch Mantas und Walhaie filmen. Lotte betätigte sich dort als Unterwasser-Fotografin und Unterwasser-Modell. Zur Freude des Publikums trug sie im Film stets besonders textilarme Bademodedekorationen. 1970 publizierte sie ihre Erlebnisse während der Expedition an das Rote Meer in ihrem Buch „Ein Mädchen auf dem Meeresgrund“.

Lotte Hass erwies sich vor der Kamera als Naturtalent. Die Presse riss sich um Interviews und Fotos von dem sympathischen, natürlichen Mädchen mit den langen blonden Haaren, das die Gefahren und Anstrengungen unter Wasser nicht scheute. Bald war sie auf den Titelseiten der führenden internationalen Magazine zu sehen, und seitenlange Berichte befassten sich mit ihr. Sie erhielt Film-Angebote aus Hollywood, die sie aber alle ablehnte, da sie nicht hauptberufliche Schauspielerin werden wollte. So gut Lotte in den USA auch ankam, stieß ihre Teilnahme an der Expedition an das Rote Meer in Deutschland und Österreich doch auch auf Kritik, denn man zweifelte an dem wissenschaftlichen Ernst von Hans Hass. Die „Hessischen Nachrichten“ bezeichneten die Expedition an das Rote Meer aufgrund Lottes Mitwirkung als eine „Pin-Up-Expedition“.[1] Andere betitelten Lotte Baierl spöttisch „Lotte Haierl“. Noch 1959 höhnte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in einer Fernsehkritik: „Keine Grotte ohne Lotte“.[2] Man verstand nicht, welchen Spagat Hass zur Kommerzialisierung seiner Filme machen musste: Sie wurden in der Art von Dokumentarfilmen produziert, aber als Spielfilm umgearbeitet und dem Publikum präsentiert. Diese Mischung funktionierte erstaunlich gut: Der Film „Abenteuer im Roten Meer“ wurde 1951 bei der Biennale in Venedig mit dem Internationalen Preis für lange Dokumentarfilme ausgezeichnet.

Anfang November 1950, auf dem Rückflug von Port Sudan nach Wien, verlobten sich Hans Hass und Lotte Baierl. Die Ehe von Hass mit seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Hannelore Schroth, war im April 1950 geschieden worden. Die zivilrechtliche Trauung von Hans Hass und Lotte fand am 29. November 1950 in Küsnacht am Zürichsee statt. Die kirchliche Hochzeit erfolgte im Februar 1963 in der Kirche Sankt Augustin in Wien.

In den 1950er Jahren nahm Lotte auch an beiden „Xarifa“-Expeditionen von Hans Hass teil. Nach der Geburt ihrer Tochter Meta im Jahre 1958 zog sich Lotte Hass aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich vorwiegend Haushalt und Erziehung. Nur selten kehrte sie vor die Kamera zurück. 1976 spielte sie eine Nebenrolle in der Folge 29 von „Der Mann aus Portofino“ der bekannten Krimiserie „Derrick“.

Lotte und Hans Hass auf der boot 2009 an seinem 90. Geburtstag

Lotte Hass hat Sportgeschichte geschrieben. Sie ist als Frau in eine Männerdomäne eingebrochen und kämpfte dabei gegen Widerstände, Vorurteile und niederschmetternde Kritik. Ungeachtet dessen ist sie ihren Weg gegangen, hat ihn für andere geebnet und das Sporttauchen für Frauen populär gemacht.

Filme

Auszeichnungen

  • 1959 Während der zweiten Xarifa-Expededition wurde eine neue Fischart entdeckt, die von den Wissenschaftlern zu Ehren von Lotte Hass „Lotilia graciliosa“ getauft wurde.
  • 1989 IADS-Lifetime Achievement Award (International Association of Diving schools, USA)
  • 1990 Tauchpionier-Preis des TC Salzkammergut
  • 1997 Historical Diver Magazine Pioneer Award (USA)
  • 2000 Aufnahme in die Womens Divers Hall of Fame (USA)[3]
  • 2000 Aufnahme in die International Scuba Diving Hall of Fame (USA)
  • 2006 Beneath the Sea Legends Award (USA)
  • 2009 Ehrenplakette in Gold vom Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST)
  • 2012 Romy Platin für ihr Lebenswerk[4]

Internationale Bedeutung

Bereits in den Jahren 1946 bis 1949 wurden in Frankreich die ersten abendfüllenden Spielfilme unter der Wasseroberfläche gedreht. Ein Beispiel ist der Film „Les traficants de la mer“ von 1947 unter Willy Rozier und Michel Rocca. Sie erforderten, dass Filmschauspielerinnen das Tauchen lernten und bis zu 30 Meter Tiefe tauchen mussten. Neu war bei diesen Filmen auch, dass die Spielszenen bereits mit Unterwasserscheinwerfern beleuchtet wurden, die von Batterien aus mit wasserdichten Kabeln aus dem Begleitschiff gespeist wurden.

Als weltweit erste Filmschauspielerin von Rang, die in einem Unterwasserfilm mitgewirkt hat, gilt die französische Schauspielerin Françoise Arnoul in dem Unterwasserfilm „L'Épave“ von Willy Rozier im Jahr 1949.

Verfilmung

Im Sommer und Herbst 2010 wurde ihr Buch Ein Mädchen auf dem Meeresgrund verfilmt. Es handelt von der Expedition an das Rote Meer 1950. Im Film spielt Yvonne Catterfeld ihre Rolle. Bei einigen Unterwasser-Stuntszenen wurde Catterfeld von Anna von Boetticher gedoubelt. Hans Hass wird von Benjamin Sadler dargestellt. Der Film wurde am 8. Dezember 2011 zeitgleich vom ORF und ZDF ausgestrahlt.

Sonstiges

Der Ruf der Schönheit und Tapferkeit von Lotte Hass verbreitete sich während der Expedition an das Rote Meer weit im Sudan. Eine blonde Frau, die zwischen Haien tauchte, war dazu angetan, in einem fabelfreudigen Land wie dem Sudan zur Bildung eines Mythos anzuregen. Sichtbarer Beweis dieser Bewunderung war ein Geschenk, das Lotte in den letzten Wochen der Expedition erreichte. Es bestand aus Hals- und Armschmuck feinster sudanesischer Arbeit aus reinem Gold und von beträchtlichem Wert. Ein Begleitbrief besagte, dass der Absender, ein reicher sudanesischer Plantagenbesitzer aus Tokar, der Lotte selbst nie gesehen, aber von ihr gehört hatte, ihr diese Geschenke zukommen lassen wolle, als Zeichen der Bewunderung für ihren Mut und als Abschiedsgeschenk vom Sudan. Das Geschmeide trägt Lotte Hass auf einem Titelbild der Illustrierten Quick.[5]

Literatur

  • Lotte Baierl: Expedition ins Wiener Eismeer. Grosse Österreich Illustrierte, Wien, Oktober 1949
  • Lotte Hass: Ein Mädchen auf dem Meeresgrund. Wien, 1970. (Englische Lizenzausgabe 1972, Polnische Lizenzausgabe 1976)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hessische Nachrichten, Kassel, 20. Dezember 1950
  2. Der Spiegel, Hamburg, 9. Dezember 1959
  3. Womens Divers Hall of Fame
  4. http://kurier.at/freizeit/leute/4487617-barbara-schoeneberger-moderiert-kurier-romy.php
  5. Quick, Nr. 7 vom 18. Februar 1951