Lotte Lenya

Lotte Lenya, photographiert 1962 von Carl van Vechten

Lotte Lenya (* 18. Oktober 1898 in Wien als Karoline Wilhelmine Charlotte Blamauer; † 27. November 1981 in New York; auch Lotte Lenja) war eine österreichisch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Erfolge in der Weimarer Republik

Lotte Lenya wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einem Wiener Arbeiterviertel auf. Die Mutter war Waschfrau, der alkoholkranke Vater Kutscher. 1913 kam sie bereits als Jugendliche nach Zürich, um bei einer Tante zu leben, die das Mädchen aber nicht auf Dauer aufnahm. Dennoch blieb Blamauer in Zürich und wurde zunächst Ballett-Tänzerin, dann Schauspielerin. Bis 1921 lebte sie in Zürich, wo sie gemeinsam mit der fast gleichaltrigen Elisabeth Bergner auf der Bühne stand, eine Garderobe teilte und anschließend nach Berlin ging.

Ebenfalls 1921 nahm sie ihren Künstlernamen an. Allerdings ließen die erhofften Erfolge lange auf sich warten. Sie wirkte als Sängerin in der Uraufführung des ersten gemeinsamen Stücks von Kurt Weill und Bertolt Brecht, des Songspiels Mahagonny, 1927 in Baden-Baden mit. Bei der Uraufführung der Dreigroschenoper 1928 spielte sie die Rolle der Jenny, was aber im Programmheft der Uraufführung schlicht vergessen wurde. Auch in der Verfilmung von G. W. Pabst (1931) war sie in dieser Rolle zu sehen. Ein weiterer Erfolg für Lenya wurde die Berliner Aufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny 1931. 1932 spielte sie in diesem Stück auch in Wien und lernte dort den Tenor Otto Pasetti kennen, der bis 1934 ihr Liebhaber war. Dies führte zur Trennung von Weill, dem sie dennoch verbunden blieb.

Ehe mit Kurt Weill

Durch die Freundschaft mit dem Dramatiker Georg Kaiser lernte sie 1924 den jungen Komponisten Kurt Weill kennen. Auf Bitten Kaisers holte Lenya Kurt Weill am Bahnhof in Grünheide ab, der einer Einladung Kaisers zur Besprechung der gemeinsamen Zusammenarbeit gefolgt war. Lenya fuhr mit einem Ruderboot zum Bahnhof und ruderte Weill über den See zum Haus Georg Kaisers. Kurz darauf begannen Weill und Lenya eine Liebesbeziehung. Im Mai 1925 bot Georg Kaiser beiden seine Wohnung am Louisenplatz 3 in Berlin an; dies war der Beginn ihres gemeinsamen Lebens. 1926 heirateten sie, um dem Klatsch ein Ende zu bereiten, wie Lenya später erzählte. Anfang 1933 reichte Lotte Lenya die Scheidung von Kurt Weill ein. Die Gründe dafür dürften einerseits in der Affaire zwischen Lenya und Pasetti liegen. Zudem zeichnete sich bereits für Kurt Weill die Flucht aus Deutschland ab. Die Scheidung ermöglichte Lenya, Weills Besitztümer zumindest teilweise vor der Konfiszierung durch die Nazis zu retten. Die Affaire mit Pasetti war seit August 1934 vorbei. Zwar folgte noch ein kurze Liaison mit dem Maler Max Ernst jedoch kehrte Lenya im April 1935 zu Kurt Weill zurück, erklärtermaßen, um bei ihm zu bleiben. Sie lebten zunächst in London. Im Sommer 1935 folgte Weill einem Engagement nach Salzburg, von wo aus er Lenya seinen Entschluss mitteilte, in die USA zu reisen. Er lud sie ein, mit ihm zu kommen. Im September 1935 verließen Weill und Lenya gemeinsam von Cherbourg aus Europa. Sie erreichten auf der SS Majestic am 10. September 1935 New York. Im Januar 1937 heirateten sie vor dem Standesamt Westchester County bei New York City erneut.

Emigration

Gemeinsam emigrierten sie 1933 zunächst in die Schweiz. Weill ging dann nach Paris, während Lenya mit Pasetti an der französischen Riviera bis 1934 lebte. Im Juni 1933 traten sowohl Lenya als auch Pasetti in der Pariser Uraufführung des gesungenen Balletts Die sieben Todsünden von Weill und Brecht auf. 1935 versöhnten sich Lenya und Weill in London und wanderten in die USA aus. Lenya sang in Nachtclubs in New York, spielte in The Eternal Road, einem Monumentaldrama, zu dem Weill die Musik komponiert hatte, und ging auf Theatertournee quer durch die USA, während ihr Mann Musicals mit Maxwell Anderson und Ira Gershwin erarbeitete. Sie spielte auch in Stücken ihres Nachbarn Maxwell Anderson, der einer der erfolgreichsten Theaterautoren der 1930er-Jahre war. Nach einem Misserfolg in Weills Operette The Firebrand of Florence im Jahr 1945 zog sie sich weitgehend als Schauspielerin zurück, da sie wegen ihres fremdsprachigen Akzents keine weiteren Erfolgschancen sah.

Nach dem Tod Weills 1950 kümmerte sich Lenya um seinen Nachlass. Ihr zweiter Gatte, George Davis, überredete sie, zur Bühne zurückzukehren. Sie spielte erneut die Jenny in der Dreigroschenoper. Diesmal in englischer Sprache am Broadway und mit einem ebenso großen Erfolg wie Ende der 1920er-Jahre in Berlin. Leonard Bernstein hatte zuvor diese Neuübersetzung in einer konzertanten Aufführung in Boston durchgesetzt.

Rückkehr nach Deutschland

Mitte der 1950er-Jahre kehrte sie auch nach Deutschland zurück und nahm unter anderem die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, die Dreigroschenoper, Die sieben Todsünden und viele Einzelnummern für die Schallplatte auf. Nun war ihre Stimme verglichen mit ihren ersten Aufnahmen um 1930 sehr tief ins Altregister gesunken und sie konnte viele Songs und Lieder für hohe Stimme nicht mehr in ihrer Originalfassung vortragen. Der Dirigent der Einspielungen war Wilhelm Brückner-Rüggeberg, der unter anderem den Part der Jenny in der Mahagonny-Oper, eigentlich einen Sopranpart, für Lenya neu einrichtete. Bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen trat sie in den 1960er-Jahren als Mutter Courage auf.

In späteren Jahren machte sich Lotte Lenya auch als Filmschauspielerin in Hollywood einen Namen. Sie spielte an der Seite von Vivien Leigh und Warren Beatty in dem Film Der römische Frühling der Mrs. Stone, für den sie eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin bekam. Besonders bekannt wurde sie in der Rolle der Ex-KGB-Offizierin Rosa Klebb in dem James Bond-Film Liebesgrüße aus Moskau (1963). Im Theater spielte sie in der Uraufführung des Musicals Cabaret in den 1960er-Jahren die Rolle des Fräuleins Schneider.

1978 hatte sie ihre letzten Auftritte. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits an Krebs erkrankt, woran sie drei Jahre später in New York starb.

Literatur

  • David Farneth: Lotte Lenya: eine Autobiographie in Bildern. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-1437-6.
  • Manfred Kreckel: Lenya, Lotte. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, S. 221 f. (Digitalisat).
  • Jens Rosteck: Zwei auf einer Insel: Lotte Lenya und Kurt Weill. Propyläen, Berlin 1999, ISBN 3-549-05385-1.
  • Donald Spoto: Die Seeräuber-Jenny: das bewegte Leben der Lotte Lenya. Droemer Knaur, München 1990, ISBN 3-426-26464-1.
  • Sprich leise, wenn du Liebe sagst: der Briefwechsel Kurt Weill/Lotte Lenya. Hrsg. und übers. von Lys Symonette und Kim H. Kowalke. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998, ISBN 3-462-02748-4.

Weblinks