Ludwig Wüst

Ludwig Wüst

Ludwig Wüst (* 1965 in Bayern) ist ein österreichischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Wüst studierte Schauspiel und Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien. Er arbeitete als Theaterregisseur in Frankfurt, Berlin, an der Oper Leipzig und in Wien (u.a. Wiener Festwochen und Arthur Schnitzlers Traumnovelle im Hotel Orient).

Während seiner Zeit am Theater schrieb er auch selbst Stücke, wie etwa Erika Mann – Ich war ein sehr gebrandtes Kind für die Wiener Festwochen oder Zu jener Zeit, die Geschichte einer Frau, die den Auftrag bekommt den Erlöser zu gebären und beschließt das Kind abzutreiben. Die geplante Uraufführung am 24. Dezember 1996 führte zu einem Skandal und vorübergehendem Aufführungsverbot. Am darauffolgenden Tag konnte das Stück, nach Verhandlungen mit Kirche, Politik und dem Veranstalter, zur Uraufführung gebracht werden.

Jahre später wandte sich Wüst dem Film zu. Sein Langfilmdebut KOMA erfolgte 2009 und erregte große mediale und künstlerische Aufmerksamkeit. Die filmische Sprache Wüsts wurde aufgrund ihres Realismus und ihrer Kompromisslosigkeit mit Michael Haneke, Ulrich Seidl oder den Dardenne-Brüdern verglichen.[1] Den mittellangen Spielfilm TAPE END (2011) drehte Wüst in einer einzigen Einstellung, 60 Minuten ohne Schnitt, wobei er während des Drehs selbst nicht anwesend war und die Schauspieler mit seinen Anleitungen alleine ließ.[2]

Das Internet als filmisches Medium spielt in Wüsts Werk eine besondere Rolle. So erfolgte bei KOMA parallel zum offiziellen Kinostart in Österreich eine europaweite Veröffentlichung als Video-on-Demand im Internet.[3] Bei seinem Kurzfilm PASOLINICODE02112011 ging Wüst mit der Uraufführung im Internet einen Schritt weiter. Am 2. November 2011, an Pier Paolo Pasolinis Todestag, wurde der Film auf seiner eigenen Website veröffentlicht. Erst danach folgten der Start auf Filmfestivals und die Präsentation als Videoinstallation in der Kunsthalle Wien.[4]

Filmografie

Langspielfilm (Buch, Regie und Produzent):

Kurzfilme und mittellange Filme (Buch, Regie und Produzent):

  • 2002: Ägyptische Finsternis
  • 2005: Paula
  • 2006: Zwei Frauen
  • 2011: TAPE END
  • 2012: PASOLINICODE02112011

Dokumentation (Regie und Produzent):

  • 2007: Bon Voyage

Auszeichnungen

  • 2009: Tamil Nadu International Filmfestival: Bester Film für KOMA

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stefan Grissemann: Alltagsabgrund. Profil, 22. Juni 2009
  2. Interview mit der Austrian Film Commission (abgerufen am 10. September 2011)
  3. Interview mit der Tageszeitung Die Presse (abgerufen am 28. Mai 2012)
  4. Der Standard, 25. März 2012 (abgerufen am 28. Mai 2012)