Magna International

Magna International Inc.
Logo von Magna International
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CA5592224011
Gründung 1957
Sitz Aurora, Ontario, KanadaKanada Kanada
Leitung Donald Walker, CEO
Mitarbeiter circa 117.000 (2012)
Umsatz 28,7 Milliarden USD (2011)
Branche Automobilzulieferer
Website www.magna.com

Magna International Inc. ist ein kanadisch-österreichisches Unternehmen aus Aurora, Ontario. Der europäische Zweig wird vom niederösterreichischen Oberwaltersdorf aus gesteuert. Das Unternehmen ist im Börsenindex S&P/TSX 60 enthalten und an der Toronto Stock Exchange gelistet. Magna International ist Kanadas größter Hersteller von Automobil-Teilen und eines der größten Unternehmen des Landes. Weltweit hat der Konzern in 27 Ländern rund 117.000 Beschäftigte in 305 Produktionsbetrieben und 88 Entwicklungszentren (Stand: November 2012).

Inhaltsverzeichnis

Gründung und Entwicklung

Magna-Gründer Frank Stronach

Das Unternehmen wurde 1957 von dem aus der Steiermark stammenden Austro-Kanadier Frank Stronach unter dem Namen Multimatic gegründet. Nach einer Fusion seines Autoteileherstellers mit Magna Electronics, einem kanadischen Hersteller für Rüstungselektronik,[1] im Jahre 1969 wurde 1973 der Name in Magna International geändert. Magna International ist großteils im südlichen Ontario angesiedelt und produziert dort für die großen Automobilfirmen in Kanada und den USA.

In den 1980er kehrte Frank Stronach nach Österreich zurück und siedelte in Oberwaltersdorf seine Europazentrale (Magna Holding AG) an.[1] In den Konzern wurden seit den 1990er Jahren zahlreiche Unternehmen eingegliedert, wie beispielsweise 1998 die damalige Steyr-Daimler-Puch in Österreich, heute Magna Steyr, sowie die Fahrzeugspiegelhersteller Donnelly Hohe und Zipperle aus Deutschland. 2005 kaufte Magna den Verdeck- und Dachmodulhersteller Car Top Systems von Porsche.

Viele Werke wurden in Frank Stronachs Geburtsort Weiz und der Umgebung davon gebaut, so beispielsweise in Krottendorf, Albersdorf-Prebuch, Sinabelkirchen, Ilz und Lannach. Weiterhin ist Magna International mit Zulieferbetrieben in direkter Nähe deutscher Produktionsstandorte der Automobilindustrie wie Ingolstadt vertreten.

Magna International ist nicht nur Automobilzulieferer und -entwickler, sondern baut auch fertige Fahrzeuge, aber nicht unter einer eigenen Marke, sondern für andere Hersteller wie Mercedes-Benz, Chrysler, Saab, BMW und ab 2009 auch für Mini und Aston Martin. Für BMW wurde beispielsweise das SUV BMW X3 in Graz mitentwickelt und gebaut.

In Österreich ist das Unternehmen auch durch die Sponsorauftritte im österreichischen Fußballgeschäft bekannt. Seit 2008 ist es der Hauptsponsor des SC Magna Wiener Neustadt.

Im Mai 2007 gab Magna bekannt, dass sich der russische Milliardär Oleg Wladimirowitsch Deripaska mit seinem Mischkonzern Basic Element an Magna mit 1,14 Milliarden Euro beteiligen wird. Über die genaue prozentuelle Höhe der Beteiligung wurde noch nicht informiert. Von Experten wird eine Beteiligung von etwa 20 % angenommen. Anfang Oktober 2008 hat eine russische Bank die 17-Prozent-Beteiligung von Oleg Deripaska als Sicherheit eingezogen.[2] Frank Stronach erwartet sich von der neuen Partnerschaft eine große Wachstumschance in Russland und den umliegenden Ländern für Magna.

Magna wurde als möglicher Käufer der Chrysler-Sparte von DaimlerChrysler genannt, was jedoch nicht gelang: Chrysler wurde am 14. Mai 2007 mehrheitlich von der Cerberus Capital Management übernommen.

2009 wird Magna International Inc. indirekt vom Stronach Trust über seine 92,4%ige Holding-Tochter M Unicar Inc. kontrolliert. Der Stronach Trust verfügt über ca. 66,1 % der gesamten Stimmrechte an Magna. Der Stronach Trust kontrolliert indirekt auch das kanadische Immobilienunternehmen MI Developments Inc. sowie die US-amerikanische Magna Entertainment Corporation (Pferderennbahnen, Kasinos).[3] Die MEC musste im März 2009 nach Chapter 11 Insolvenzantrag stellen.[4]

Im April 2009 hat Magna ein Übernahmeangebot für den Automobilproduzenten Opel, europäische Tochter des angeschlagenen General-Motors-Konzerns, unterbreitet und darüber Gespräche mit der deutschen Bundesregierung, mit General Motors und deren Geldgeber, der amerikanischen Regierung, geführt. Am 30. Mai 2009 gab die Bundesregierung bekannt, dass Magna den Zuschlag für Opel erhalten habe.[5] Der kanadische Zulieferer plante, gemeinsam mit der russischen Sberbank einen Mehrheitsanteil zu übernehmen.[6] Am 10. September 2009 wurde zunächst vom Mutterkonzern General Motors bekanntgegeben, dass man 55 % der Opel-Anteile an das Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank abgeben wolle. Am 3. November 2009 revidierte der Verwaltungsrat von General Motors seine Entscheidung und beschloss, dass Opel im Konzern verbleiben solle.[7]

Politische Verbindungen

Das Unternehmen ist bekannt für seine guten Kontakte mit der Politik, beispielsweise beschäftigt es in Kanada und Österreich mehrere ehemals hochrangige Politiker verschiedenster politischer Richtung. So war der spätere österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ) von 1998 bis 1999 in Stronachs Konzern beschäftigt. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky sitzt seit 1997 im Aufsichtsrat. Der ehemalige SPÖ-Geschäftsführer Andreas Rudas wurde 2000 Pressesprecher bei Magna. 2003 wechselte der frühere Infrastrukturminister Mathias Reichhold (FPÖ) als Berater für Verkehrsinfo-Systeme, Telematik und Weltraumtechnologie in den Magna-Konzern.

Frank Stronach kandidierte 1988 für die Liberale Partei Kanadas. Magna International hat auch gute Verbindungen zur Progressive Conservative Party of Ontario und der Ontario Liberal Party.

2004 kandidierte die ehemalige Vorsitzende und derzeitige Vizepräsidentin des Unternehmens, Stronachs Tochter Belinda Stronach, für die Führung der Konservativen Partei Kanadas. Im Mai 2005 wechselte sie zur Liberalen Partei und war bis zu den Wahlen 2006 kanadische Sozialministerin.

Am 18. März 2005 wurde der frühere US-Botschafter in Kanada, Paul Cellucci, zum Vizepräsidenten von Magna Entertainment Corp. berufen.

Ab dem 1. Februar 2010 arbeitet der ehemalige Ministerpräsident des Freistaats Thüringen Dieter Althaus als Lobbyist für den Konzern. Er arbeitet als Vizepräsident im Magna-Büro in Wolfsburg und ist dort für den Kunden Volkswagen AG und für Kontakte zu öffentlichen Stellen in Deutschland zuständig.[8] Althaus war im Jahr 2009 als Ministerpräsident eng in die Verhandlungen zur Opel-Übernahme durch Magna eingebunden.[9]

2012 gründete Frank Stronach in Österreich eine eigene Partei, das Team Stronach. Es ist durch Übertritte mittlerweile mit sechs Abgeordneten im Nationalrat vertreten. Seinen Sitz hat die Partei an derselben Adresse wie die Magna-Europazentrale in Oberwaltersdorf.

Firmen und Firmengruppen der Magna Holding

  • Cosma International
  • Magna Seating
  • Magna Mirrors
  • Magna Closures
  • Magna Powertrain
  • Magna Electronics
  • Magna Steyr
  • Magna Exteriors & Interiors

Firmenstrategie

Magna vertreibt keine Fertigprodukte unter eigener Marke. Das Unternehmen ist auf Großkunden angewiesen. Daher sind die Produktqualität und Forschungsprozesse Grundlage der langfristigen Verkaufsstrategie. Das Unternehmen führte zur Verbesserung der Qualitätskontrolle im Powertrain-Werk Ilz das EFQM-Modell ein.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Magna: Großer Zulieferer mit Autobau-Erfahrung. Schwäbische Zeitung (30. Mai 2009). Abgerufen am 11. November 2011.
  2. Totale Panik an der russischen Börse. Die Presse (6. Oktober 2008). Abgerufen am 11. November 2011.
  3. http://www.bundeskartellamt.de/wDeutsch/download/pdf/Fusion/Fusion10/B9-13-10-OeFneu.pdf?navid=87
  4. http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-644160.html
  5. Magna darf Opel retten (nicht mehr online verfügbar) vom 30. Mai 2009.
  6. Rettungsplan für Opel steht. Neue Zürcher Zeitung (30. Mai 2009). Abgerufen am 11. November 2011.
  7. Tagesschau: General Motors entdeckt den Wert von Opel (nicht mehr online verfügbar) vom 4. November 2009.
  8. Mein Lebenslauf. Homepage von Dieter Althaus. Abgerufen am 11. November 2011.
  9. Althaus wird Autolobbyist. Spiegel Online (29. Januar 2010). Abgerufen am 11. November 2011.