Mahrersdorf (Gemeinde Altenburg)

f0

Mahrersdorf (Gemeinde Altenburg) (Dorf)
Ortschaft Mahrersdorf
Katastralgemeinde Mahrersdorf
Verwaltungssprengel
Mahrersdorf (Gemeinde Altenburg) (Österreich)
Red pog.svg
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Horn (HO), Niederösterreich
Pol. Gemeinde Altenburg
Koordinaten 48° 40′ N, 15° 34′ O48.66046915.562949421Koordinaten: 48° 40′ N, 15° 34′ Of1
Höhe 421 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 53 (2001)
Fläche d. KG 2,91 km²dep1
Postleitzahl A-3591f1
Vorwahl +43/02982f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 03900
Katastralgemeindenummer 10034
Zählbezirk/Zählsprengel Mahrersdorf (31101 001)
Bild
Ortszentrum von Mahrersdorf.
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM

Mahrersdorf ist ein Ort auf dem Gebiet der gleichnamigen Katastralgemeinde der Gemeinde Altenburg (Niederösterreich) im Bezirk Horn in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Ort liegt am südlichen Rand des Horner Beckens über dem Tal der Kleinen Taffa. Die Seehöhe in der Ortsmitte beträgt 421 Meter. Die Fläche der Katastralgemeinde umfasst 2,91 km². Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 53 Einwohner (Stand: 2001).

Postleitzahl

Mahrersdorf hat die Postleitzahl 3591.

Bevölkerungsentwicklung[1]

Bevölkerungsentwicklung von Mahrersdorf (Gemeinde Altenburg) zwischen 1830 und 2001
1830 1890 1923 1951 1961 1971 1991 2001

133

125 98 77 71 61 59 53

Geschichte

Erste urkundliche Erwähnung (1169) im Gründungsbuch des Stiftes Zwettl ("[...] sicut quidam ad modum nobiles de Sitzendorf iuxta Egenburch, quidam de Marcharstorf iuxta Altenburch [...], qui secundum generaciones suas diversa nomina sorciuntur").[2] In einer lateinischen Urkunde des Stifts Altenburg wird Mahrersdorf erstmals 1255 genannt, in der es um einen Streit zwischen dem Stift Altenburg und einem Reinhold de Marchartzdorf geht.[3] 1496 verkaufte ein Wolfgang Dachsner die damals schon zur Ruine verfallene Feste Mahrersdorf und den Ort an das Stift Altenburg.[4]
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war das Dorf weitgehend verödet ("ödes dorff Marckerstorff", div. Nachweise bei Seebauer 2002, S. 27f.). In den Jahren 1576-1579 - während der Reformationszeit - ließ sich der Prädikant Jacob Feuchtinger, ein apostatierter Mönch aus Krain hier nieder.[5] Auch Reingrabner[6]weist Mahrersdorf für das Jahr 1580 als evangelische Gemeinde aus. Die Gegenreformation erfolgte unter der Leitung von Joachim Baron Windhaag und Abt Bernhard Leiß von Altenburg.

In der Neuzeit hatte das Stift Altenburg die Ortsobrigkeit inne. Auf Grund des provisorischen Reichsgemeindegesetzes vom 17. März 1849 wurde die im Franziszeischen Steuerkataster geschaffene Katastralgemeinde als unterste Verwaltungseinheit (mit eigenem Bürgermeister) anerkannt. 1938 wurde Mahrersdorf nach Altenburg eingemeindet.[7]

Ab 1945 war der Ort wieder eine selbstständige Gemeinde. Unter Franz Kühhaß, dem Nachkriegsbürgermeister, und einzigen Bürgermeister der Zweiten Republik, erfolgte im Jahr 1946 die Versorgung des Dorfes mit elektrischer Energie; die Errichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle in der Gemeinde wurde in der Sitzung vom 15. Jänner 1961 beschlossen. Im selben Jahr stand auch die Staubfreimachung der Landesstraße 8021 zwischen Altenburg und Mahrersdorf auf der Tagesordnung (vgl. Seebauer 2002, S. 134ff.). Im Zuge der Gemeindezusammenlegungen wurde Mahrersdorf zum 1. Januar 1968 ein Teil der neu gebildeten Großgemeinde Altenburg.[8]

Generationen von Mahrersdorferinnen und Mahrersdorfern besuchten die Trivialschule (später: Volksschule) in Fuglau. Mit Beginn des Schuljahres 1966/67 wurde diese einklassige Volksschule geschlossen (letzter Lehrer: Wilhelm Naber). Die Mahrersdorfer Kinder besuchen nunmehr die Volksschule in Altenburg; Hauptschule und AHS sowie berufsbildende Schulen befinden sich in Horn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dach und Fassade der Kapelle wurden im Sommer 2012 renoviert.

Ruine Mahrersdorf
Die Ruine der Feste Mahrersdorf befindet sich auf einer Anhöhe nördlich des Ortes am rechten Ufer der Kleinen Taffa.[9] Die Mahrersdorfer Burg wurde im Jahr 1474 von den Österreichern besetzt; die Truppen zogen allerdings nach Erlag einer Summe Geldes ab. Matthias Corvinus von Ungarn hatte im Jahr 1480 einige österreichische Burgen besetzt und ließ sich in Eggenburg huldigen. Die Herren einiger Kampburgen sowie die „Dachsner von Mahrersdorf“ fanden sich dort nicht ein. Aus diesem Grund unternahm Zeleny, der Hauptmann von Matthias Corvinus - von Eggenburg aus – mehrmals mit 100 Reitern einen Vorstoß bis in die Nähe von Mahrersdorf und besetzte am 11. November 1480 Mahrersdorf, das sich durch 60 Fußsoldaten mit Wagen und acht Reitern zu verteidigen suchte. Doch Mahrersdorf wurde dem Erdboden gleichgemacht: „ [...] circa illa obsidionem habuimus populum nostrum ad sexaginta pedestres cum curribus et equestres octo. Item Saxendorf obsederunt et destruxerunt similimodo Marckastorf ad terram prostraverunt.“ [10] Die Mauerreste der zerstörten Burg wurden erst 350 Jahre später - im Zuge sozialer Veränderungen im Dorf - in neu erbaute Häuser integriert und wieder besiedelt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Zwei Gemeindestraßen führen von Altenburg und Fuglau nach Mahrersdorf. Der Ort ist nicht an den ÖPNV angeschlossen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe der ÖBB sind Horn NÖ und Rosenburg an der Kamptalbahn.

Literatur

  • Schweikhardt: Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns. 1. Band: Viertel Ober-Manhartsberg, Wallishausser, Wien 1839. S. 44-46.
  • Renate Seebauer: Ortsgeschichte von Mahrersdorf (= Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes 27). Krems 1986. ISBN 3900708010
  • Renate Seebauer: Vom „Zoacha-Läuten“ und „Ausläuten“. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Mahrersdorf. In: Das Waldviertel / Hrsg.: Waldviertler Heimatbund. - Horn, 1990. - 39.1990 S. 343-346.
  • Renate Seebauer: Kontinuität im Wandel. Beiträge zur Sozialgeschichte von Mahrersdorf. Gösing/Wagram 2002. ISBN 3901616527

Einzelnachweise

  1. Historisches Ortslexikon Niederösterreich, Teil 2, S. 34.
  2. Johann von Frast (Hrsg.): Das „Stiftungen-Buch“ des Cistercienser-Kloster Zwetl. In: Fontes rerum Austriacarum – Österreichische Geschichts-Quellen. Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Zweite Abtheilung. Diplomata et acta. III. Band, Wien 1851. S. 437f. (PDF)
  3. Fontes Rerum Austriacarum. Quellen zur österreichischen Geschichte, hrsg. von der Historischen Kommission der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 2. Abteilung, 21. Bd, Wien 1865, S. 11-12. (Online-Version )
  4. Fontes Rerum Austriacarum. Quellen zur österreichischen Geschichte, hrsg. von der Historischen Kommission der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 2. Abteilung, 21. Bd, Wien 1865, S. 360-361. (Online-Version )
  5. Theodor Wiedemann: Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 2. Band. Prag 1880, S. 548.
  6. Gustav Reingrabner: Als man um die Religion stritt. Berger, Horn 2000, S. 33.
  7. http://www.verwaltungsgeschichte.de/aus_horn.html
  8. Thomas Hofmann, Erich Rabl, Wolfgang Stangl: Horner Mosaike - Ein anderes Heimatbuch. Texte und Bilder aus dem Bezirk Horn. Weitra 2005, S. 199-200. ISBN 3852526833
  9. Fotografien der Ruine bei www.ruine.at
  10. Bernhard Link: Annales Austrio-Clara-Vallenses, seu fundationis monasterii Claræ-Vallis Austriæ, Vulgò Zwetl, Ordinis Cisterciensis. Initium et Progressus. … Schwendimann, Viennae, Bd. 2 (1400-1645), 1725, S. 259f.

Weblinks