Margret Dietrich

Margret Dietrich (* 19. Februar 1920 in Lippstadt, Westfalen; † 17. Jänner 2004 in Wien) war eine deutsch-österreichische Theaterwissenschaftlerin.

Leben

Dietrich studierte in Münster und Graz und erwarb ihren Dr. phil. 1944 mit einer Arbeit über die Geschichte der Gebärden im deutschen Theater des 15. bis 17. Jahrhunderts. Die langjährige Mitarbeiterin Heinz Kindermanns übernahm 1966 dessen Lehrstuhl an der Universität Wien, den sie bis zu ihrer Emeritierung 1984 wahrnahm. Dietrich wird in Nachrufen als warmherzig und mütterlich beschrieben, und schon ihren Vorlesungen als Dozentin wurde eine neue Offenheit für das Gegenwartstheater nachgerühmt. Als Ordinaria habe sie für einen Methodenpluralismus plädiert und die Einbeziehung interdisziplinärer Aspekte gefördert. Dietrich wurde am Friedhof Mauer bestattet.

Nach ihrem Tod wurde 2008 eine bereits Dietrich gewidmete Verkehrsfläche im 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf umbenannt, da eine bis dahin unbekannte NS-Vergangenheit Dietrichs zutage gekommen war. Dietrich war nicht nur aktenkundiges NSDAP-Mitglied, sondern habe auch in ihren Schriften vor 1945, etwa ihrer Dissertation, einschlägiges Gedankengut vertreten. In der Dissertation aus dem Jahr 1944 zum Thema Der Wandel der Gebärde auf dem deutschen Theater vom 15. zum 17. Jahrhundert war eines der drei Untersuchungskriterien „die Gebärde als Ausdruck der Rasse“. Die neue Namensgeberin ist Helene Richter, ebenfalls eine Theaterwissenschafterin und Kritikerin. Helene Richter starb 1942 an den Folgen der Deportation in Theresienstadt. Die neuerliche Bewertung der MA 9 dokumentierte die NSDAP-Mitgliedschaft Margret Dietrichs und hielt fest, dass mit „heutigem Wissenstand (...) die Benennung einer Verkehrsfläche nach Margret Dietrich selbstverständlich abzulehnen“ sei.

Publikationen

Weblinks