Maria Gail

Maria Gail mit Kirche
Geographische Lage von Maria Gail

Maria Gail (slowenisch: Marija na Zilji) ist ein kleiner, südlich von Villach gelegener Vorort dieser zweitgrößten Stadt Kärntens. Der Ort mit rund 400 Einwohnern liegt unmittelbar an der Einmündung der Gail, des größten Nebenflusses der Drau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ortsgründung geht zurück auf christliche Missionare, die aus dem nordrömischen Aquileja in die seinerzeitige römische Provinz Noricum kamen, um das Christentum zu verbreiten. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde das Umland von eindringenden slawischen Stämmen in Besitz genommen, die wiederum das Heidentum zurückbrachten. Im 8. Jahrhundert kam der Landstrich wie das ganze heutige Kärntner Gebiet unter bajuwarische Herrschaft, unter der eine zweite Christianisierung erfolgte. Für die Gründung von Ort und Kirche existieren keine schriftlichen Quellen. Es liegt jedoch nahe, dass die Ortsgründung durch christianisierte Langobarden erfolgte, die die Herrschaft über die Landschaft "Zeilia", das heutige Gailtal, ausübten. Der Ort selbst entwickelte sich infolge der wachsenden Bedeutung der Kirche als Wallfahrtsort zur Urpfarre für Villach und das untere Gailtal; in ihrer Hochzeit unterstanden ihr 25 Filialkirchen.
1973 wurde Maria Gail im Rahmen einer Gebietsreform in die Stadt Villach eingemeindet. Heute spielt Maria Gail eine nicht unbedeutende Rolle als Wallfahrtsstätte und als grüner Wohnvorort für das nahe gelegene Oberzentrum Villach. In dem Ort befindet sich ein großes Gestüt, das einen guten Ruf auch über die Region hinaus als Reiterzentrum besitzt.

Hochaltar mit Schutzmantelmadonna
Spätgotischer Flügelaltar
Engel des Weltgerichts, Kirchenschiff, Südseite außen

Wallfahrtskirche Maria Gail

Baugeschichte

Federzeichnung der Wallfahrtskirche Maria Gail

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche ist in der Gründungsurkunde des Klosters St. Gallus in Moggio Udinese (Friaul) verzeichnet (Textstelle: „Villis in plebe sanctae Mariae de Villach“, Dorf in der Pfarre der Heiligen Maria von Villach). Sie ist in das Jahr 1136 datiert. Die ursprünglich romanische Chorturmkirche wurde um 1450 vergrößert; damals entstanden das spätgotische Netzrippengewölbe, die Orgelempore, die Annakapelle und das Presbyterium. Während der Türkenkriege im 15. Jahrhundert wurde die Kirche 1478 bei einem Türkeneinfall geschändet und zerstört. Aus dieser Zeit stammt die heute noch erhaltene "Türkenglocke". Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Kirche im Jahr 1486 wieder neu geweiht. 1580 stürzte der Kirchturm auf Grund jahrelanger Vernachlässigung seiner Bausubstanz ein. Im 16. Jahrhundert wurde die Maria Gailer Wallfahrtskirche ebenso wie die übrigen Kirchen des Landes reformiert und verblieb für mehrere Jahrzehnte unter der lutherischen Ägide.

Innenausstattung

Die ältesten Elemente der Innenausstattung sind gut erhaltene spätromanische Fresken aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an den Langhauswänden, die 1949/50 im Zuge von Restaurierungsarbeiten freigelegt wurden. Sie zeigen die Leidensgeschichte Christi, Darstellungen des Auferstandenen und das Begräbnis Marias. Dominiert wird das Kirchenschiff von dem üppig ausgestatteten barocken Hochaltar, in dessen Mittelpunkt eine holzgeschnitzte Schutzmantelmadonna aus der Zeit um 1600 steht. Dieses Hochrelief gilt als Gnadenbild und begründete den Ruf des Gotteshauses als Wallfahrtskirche.
Glanzstück und kunsthistorisches Juwel ist der spätgotische Flügelaltar (Schnitzaltar), der als eine der letzten Arbeiten der Villacher Schule deren wohl vollendetstes Kunstwerk darstellt. Er entstand in der Zeit zwischen 1505 und 1515. Zentrales Motiv ist die Krönung Marias; es wird auf den Innenflügeln umrahmt von Motiven aus dem Marienleben. Die Außenflügel sind mit Motiven aus dem Leben Jesu bemalt. Diese Malereien werden von der Kunstwissenschaft dem Meister des "Lazarinischen Veronika-Altars" zugeordnet. Die Predella zeigt in filigraner Holzschnitzerei die Heilige Anna selbdritt mit ihrer Tochter Maria und dem Jesusknaben.
Neben einem Taufstein romanischen Ursprungs und musizierenden Engeln am Gewölbe der Annakapelle sind die beiden barocken Seitenaltäre erwähnenswert. An den Außenmauern der Kirche sind sehenswerte Steinplastiken angebracht. Eine Rarität stellt dabei eine Darstellung des Weltgerichtes dar: abgebildet sind der Erzengel Michael mit Schwert und Seelenwaage sowie ein weiterer Engel mit Posaune und Kreuz. Die Plastik dürfte vor 1300 entstanden sein.

Weitere Dörfer in der Umgebung

Prossowitsch liegt in der Nähe von Maria Gail. Der Ort liegt ebenfalls am Zusammenfluss der Drau und der Gail und ist ein typisches Dorf mit Wohnhäusern.

Dobrova ist eine kleine Ortschaft, nach dem der Waldrücken zwischen Faaker See und Villach benannt ist.

Mittewald ob Faaker See liegt zwischen Villach und dem Faaker See am Waldrücken Dobrova und ist ein kleines Dorf.

Literatur

„Pfarr- und Wallfahrtskirche Zu unserer Lieben Frau an der Gail“ Kunstführer der Kirche Maria Gail, Autor: Dr. Siegfried Hartwagner, 162 Seiten, Format 16 x 24 cm, Verlag Pfarramt Maria Gail

„Die Kirche an der Gail“ Chronik der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Gail, 120 Seiten, Format A 4, Autor: Mirko Hofer, 1990 im Eigenverlag

"Aus der Geschichte der einstigen Landgemeinde" Geschichtebuch (Wirtschaft, Politik, Bildung, Kirchen) 560 Seiten, Format 21 x 29,7 cm, Autor: Mirko Hofer, 1999 im Eigenverlag

Weblinks

 Commons: Maria Gail – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

46.59944444444413.876388888889Koordinaten: 46° 36′ N, 13° 53′ O