Maria Kirchental

Maria Kirchenthal, Bundesland Salzburg
Maria Kirchental, 2005

Maria Kirchenthal ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt (8. September) in Sankt Martin bei Lofer im Bundesland Salzburg in Österreich. Die Kirche liegt in einem Hochtal, das von Sankt Martin in die Loferer Steinberge führt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erbaut wurde die Kirche von 1694 bis 1701 im Stil des Barock von dem österreichischen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach[1]. Maria Kirchenthal besitzt die bedeutendste Sammlung an Votivbildern in Österreich[2]. Weiterhin ist die Kirche ein beliebtes Ausflugsziel für Wallfahrer, aber auch für Wanderer und Bergsteiger, die Maria Kirchenthal als Ausgangspunkt für Touren in den angrenzenden Steinbergen nutzen (z. B. Großes Ochsenhorn, 2511 m). Neben Maria Plain zählt Maria Kirchental zu den beliebtesten Wallfahrtsorten im Salzburgerland. Kaum ein anderer Ort weit und breit kann eine so beeindruckende Einheit von Natur und Kultur, von Geschichte und Gegenwart aufweisen. Seit der Fertigstellung der Kirche pilgern Salzburger, Tiroler, Oberösterreicher und Bayern zu diesem 900 m hoch gelegenen Gnadenort zu Füßen der Loferer Steinberge. "Bergkristall unter den Wallfahrtsorten" hat ihn Alterzbischof Eder nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im September 2001 genannt.

Gnadenbild

Gnadenbild ist eine gekrönte sitzende Holzstatue der hl. Maria, die mit der Linken ein Zepter hält, mit der Rechten den sitzenden Jesusknaben. Eine Besonderheit ist, dass das Kind mit der linken Hand ein Vögelchen hält[3], auf das es mit dem rechten Finger zeigt. Das Jesuskind trägt einen Stieglitz, auch Distelfink genannt, der sich vornehmlich vom Samen der Disteln ernährt. Auch Albrecht Dürer, der bekannte Maler des Mittelalters, hat eine Stieglitzmadonna gemalt. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand zeigt das Jesuskind so auf den Vogel, als wolle es sagen: "Betrachtet die Vögel des Himmels; sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen. Und doch ernährt sie euer himmlischer Vater. Wie viel mehr seid ihr wert als alle Vögel zusammen". Das Gnadenbild wurde vermutlich nach 1400 von einem unbekannten Künstler der Spätgotik für die Pfarrkirche von St. Martin geschaffen. Bei der Barockisierung dieser wurde die Statue aus der Kirche entfernt, worauf ein Bauer namens Rupert Schmuck die Statue im Jahr 1689 in das abgelegene Hochtal brachte. Er gab ihm einen Platz in einer Waldkapelle, zu der sehr bald und spontan eine Wallfahrt einsetzte.

Beeindruckt von den vielen Gebetserhörungen, die zu dieser Zeit bereits von einer großen Zahl von Votivtafeln bezeugt wurden, entschloss sich der damalige Fürsterzbischof Johann Graf von Thun eine Wallfahrtskirche zu bauen. Die Planung der Kirche übertrug er dem kaiserlichen Hofarchitekten Fischer von Erlach. Unter der Leitung des Baumeisters Stefan Millinger, geboren in St. Martin, haben einheimische Handwerker und Hilfskräfte in nur sieben Jahren, von 1694 bis 1701, den „Pinzgauer Dom“ fertiggestellt.

Haus der Besinnung

Das Haus der Besinnung direkt neben der Wallfahrtskirche wird von den Herz-Jesu-Missionaren und den Missionarinnen Christi gemeinsam betrieben. Die Angebote sind vielfältig und umfassen vor allem Besinnungstage, Exerzitien, Bibelwochen und Meditationen, aber auch sportliche Aktivitäten wie Skilanglauf oder Bergwandern. Im 18. und 19. Jahrhundert war dieses Haus eine Priesterkorrektionsanstalt der Erzdiözese Salzburg gewesen.

Literatur

  • Gustab Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958.
  • Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982.
  • Johannes Neuhardt (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg, Salzburg 1986.
  • Rupert Struber: Priesterkorrektionsanstalten in der Erzdiözese Salzburg im 18. und 19. Jahrhundert. Wissenschaft und Religion, Frankfurt am Main 2004 (Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, Band 5), zugleich Dissertation, Salzburg 2003, ISBN 978-3-631-51815-1 br.
  • Karl Unger: Maria Kirchental, ohne Herausgeber, Salzburg 2007 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 393; 2. erweiterte Auflage).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karl Unger: Die Wallfahrt. In: Maria Kirchental, ohne Herausgeber, Salzburg 2007 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 393; 2. erweiterte Auflage), S. 3f.
  2. Johannes Neuhardt: Wallfahrtsmuseum. In: Maria Kirchental, ohne Herausgeber, Salzburg 2007 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 393; 2. erweiterte Auflage), S. 22–26.
  3. Gustab Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Band 5, S. 169.

47.56083333333312.688333333333Koordinaten: 47° 33′ 39″ N, 12° 41′ 18″ O