Marie-Louise von Motesiczky

Marie Louise von Motesiczky, 1988

Marie-Louise von Motesiczky (* 24. Oktober 1906 in Wien; † 10. Juni 1996 in London) war eine österreichische Malerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Marie-Louise von Motesiczky wurde am 24. Oktober 1906 in Wien geboren. Ihr Vater Edmund Motesiczky von Kesseleökeö entstammt einer Familie des ungarischen Uradels und verstarb, als sie drei Jahre alt war. Ihre Mutter Henriette, geborene von Lieben, kam aus einer jüdischen Wiener Bankiersfamilie und war Schwester des Erfinders der Radioröhre Robert Hermann von Lieben. Marie-Louises Bruder war Karl Motesiczky, ein späterer NS-Widerstandskämpfer und Opfer der Nationalsozialisten. Ihre Großmutter, Anna von Lieben ging als eine der ersten Patientinnen Sigmund Freuds in die Medizingeschichte ein. Ihre Urgroßmutter Sophie von Todesco (1825–1895) führte im monumentalen Palais Todesco einen namhaften Künstlersalon der damaligen Zeit in Wien, zu dessen Gästen u.a. Johann Strauss, Anton Rubinstein, Hugo von Hofmannsthal und Henrik Ibsen gehörten.

Als junge Frau studierte sie an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Max Beckmann, der großen künstlerischen Einfluss auf sie ausübte und ihr Mentor und lebenslanger Freund wurde.

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938 floh sie mit ihrer Mutter zuerst in die Niederlande, wo sie im Jahr 1939 ihre erste Einzelausstellung hatte. Kurz darauf floh sie weiter über London nach Amersham, wo sie bis zum Ende des Krieges lebte. Nach Kriegsende ließ sich Marie-Louise von Motesiczky endgültig in Hampstead nieder.

In London vertiefte sie die Bekanntschaft mit Oskar Kokoschka, den sie schon aus Jugendtagen in Wien kannte und der ein Freund der Familie gewesen war. Sie wurde die Freundin und Geliebte des Dichters Elias Canetti und ist die Adressatin von dessen posthum veröffentlichter Aphorismen-Sammlung Aufzeichnungen für Marie-Louise. Ihr Bildnis von Canetti hängt in der National Portrait Gallery in London.

Nach mehreren Einzelausstellungen in Europa wurde ihr 1966 in der Wiener Secession die erste große Einzelausstellung in ihrer ehemaligen Heimat gewidmet.

Marie-Louise von Motesiczky starb am 10. Juni 1996 in London.

Zum hundertsten Geburtstag wurde ihr Werk in einer großen Wanderausstellung (Tate Liverpool[1], Museum Giersch Frankfurt, Wien Museum, Southampton City Art Gallery) gewürdigt, und der Österreichische Rundfunk produzierte ein umfangreiches TV-Portrait.[2]

Im Jahr 2009 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) der Motesiczkyweg nach ihr benannt. Sie liegt auf dem Döblinger Friedhof begraben.

Leistung

Marie-Louise von Motesiczky war eine bislang wenig beachtete Künstlerin, die es sich leisten konnte, ohne Rücksicht auf den herrschenden Kunstmarkt für sich selbst tätig zu sein. Erst in jüngster Zeit begann man den Wert ihrer Malerei zu erkennen. Der Einfluss von Max Beckmann auf ihr Werk ist unübersehbar. Sie blieb zeit ihres Lebens der gegenständlichen Malerei treu. Thematisch befasste sie sich hauptsächlich mit der Porträtmalerei, bei der besonders Bilder ihrer alten Mutter von Interesse sind, die ohne Sentimentalität und ungeschönt, aber doch mit spürbarer Liebe diesen alten, hinfälligen Menschen darstellen. Daneben schuf sie Bilder aus ihrem Garten, Landschaften und Stillleben.

Zitat

„If you could only paint a single good picture in your lifetime, your life would be worthwhile.“

„Wenn man nur ein einziges gutes Bild malt, solange man lebt, war es das ganze Leben wert.“

Marie-Louise v. Motesiczky[1][3]

Werke

  • Kröpfelsteig in der Hinterbrühl, Öl auf Leinwand, 1927, (London, Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust)
  • Bei der Schneiderin, Öl auf Leinwand, 1930, (Cambridge, Fitzwilliam Museum)
  • Selbstporträt mit rotem Hut, 50,7 x 35,5 cm, Öl auf Leinwand, 1938, (London, Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust)
  • Selbstporträt in Schwarz, 105,6 x 59 cm, Öl auf Leinwand, 1959, (London, Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust)
  • Elias Canetti, 1960, Öl auf Leinwand, (Wien, Wien Museum)
  • Mutter mit Stab, Öl auf Leinwand, 1977, (London, Hayward Gallery)
  • Das Glashaus, 55,7 x 81,5 cm, Öl auf Leinwand, 1979, (London, Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust)
  • Stilleben Vase mit Blumen, 61 x 45,7 cm, Öl auf Leinwand, 1996, (London, Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust)

Literatur

  • Jeremy Adler, Birgit Sander (Hrsg.): Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996). Prestel, München 2006, ISBN 3-7913-3693-2 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Liverpool vom 11. April bis 13. August 2006).
  • Elias Canetti, Marie-Louise von Motesiczky: Liebhaber ohne Adresse - Briefwechsel 1942-1992 (herausgegeben von Ines Schlenker und Kristian Wachinger), Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23735-3
  • Evi Fuks u.a. (Hrsg.): Die Lieben. 150 Jahre Geschichte einer Wiener Familie. Böhlau-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-205-77321-7 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Wien vom 11. November 2004 bis 3. April 2005).
  • Jill Lloyd: The Undiscovered Expressionist. A Life of Marie-Louise Von Motesiczky. Yale University Press, New Haven, Conn. 2006, ISBN 978-0-300-12154-4 (Vorschau auf englisch)
  • Eva Michel: Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996). Eine österreichische Schülerin von Max Beckmann. Universität Wien 2003 (unveröff. Diplomarbeit).
  • Sabine Plakholm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897-1938. Picus-Verlag, Wien 1994, ISBN 3-85452-122-7.
  • Stephan Reimertz: Max Beckmann. Biographie. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 978-3-499-50558-4.
  • Klaus Schröder: Neue Sachlichkeit, Österreich 1918-38. Kunstforum Bank Austria, Wien 1995 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Wien vom 1. April bis 2. Juli 1995).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Marie-Louise von Motesiczky (11. April - 13. August 2006) - Exhibition Guide. Tate Liverpool, 2006, abgerufen am 21. Februar 2011 (englisch, mit einigen ihrer Bilder).
  2. Die Motesiczkys - Stillleben mit Cello, Jagdhund und Staffelei - TV-Dokumentation (2006)
  3.  Jill Lloyd: The Undiscovered Expressionist. A Life of Marie-Louise Von Motesiczky. Yale University Press, New Haven, Conn. 2006, ISBN 978-0-300-12154-4, S. 48 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche, abgerufen am 21. Februar 2011).