Marie Festetics

Marie Gräfin Festetics de Tolna (ungar. Mária Festetics; * 20. Oktober 1839 in Gálna, Ungarn; † 17. April 1923 in Budapest) war eine Hofdame der österreichischen Kaiserin Elisabeth.

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Leben

Aufgewachsen in Söjtör, hatte sie viel Kontakt zu den ungarischen Politikern Ferenc Deák und Gyula Andrássy. 1870 wurde sie auf Deáks und Andrássys Betreiben Hofdame der Kaiserin. Sie zögerte lange, den Posten anzunehmen, da sie fürchtete, kein eigenes Leben mehr führen zu können und ihr Gerüchte über die schwierige Kaiserin zu Ohren gekommen waren. Sie fand jedoch bald Gefallen an Elisabeth und verehrte sie ihr Leben lang. Mehrere Heiratsanträge lehnte sie ab, um bei der Kaiserin bleiben zu können. Am Wiener Hof hatte sie außer zur Kaiserin nur engen Kontakt zu ihrer Landsfrau Ida Ferenczy. Elisabeths Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie, hasste die Ungarn als Aufrührer und strafte die ungarische Hofdame mit Nichtachtung.

Wirken

Eine wertvolle historische Quelle sind Marie Festetics' Tagebücher, in denen sie das Leben am kaiserlichen Hof und vor allem das der Kaiserin detailliert schildert. Im Gegensatz zu vielen anderen Quellen ist das Festetics-Tagebuch der Öffentlichkeit zugänglich. Es befindet sich in der Széchényi-Bibliothek in Budapest.

Elisabeths Biograph Corti betont besonders Marie Festetics' außerordentliche Menschenkenntnis, die sich in ihren Aufzeichnungen zeigt. Corti: „Es ist bemerkenswert, wie diese Frau stets voraus wittert, welche Persönlichkeiten für ihre Herrin später von unglücklichem Einfluss sein werden. Die Gräfin trägt ihre Besorgnis am selben Tage, da die Persönlichkeiten ins Leben der Kaiserin treten, in das Tagebuch ein; es ist also kein nachträgliches Urteil, sondern zeigt, daß diese Frau einen richtigen Instinkt, eine ungeheuer scharfe Beobachtungsgabe und hervorragende Geistesgaben besitzt. Ist Frau von Ferenczy unbegrenzt treu, einfach und ergeben, so ist Gräfin Festetics zweifellos die geistig höchststehende und scharfsinnigste Frau aus dem Kreise, den Elisabeth nach und nach um sich versammelt.“

Brigitte Hamann unterstreicht die Ergebenheit der Hofdame für ihre Kaiserin. Im Festetics-Tagebuch finden sich schwärmerische Einträge wie (1872): „Sie ist die Verkörperung des Begriffes Lieblichkeit. Einmal denke ich, sie sei eine Lilie, dann wieder: ein Schwan, eine Fee oder eine Elfe.“

Marie Festetics war in ihren Tagebuchaufzeichnungen ausgesprochen loyal - gelegentlich empörte sie sich über Klatschgeschichten, ohne deren Inhalt in ihr Tagebuch aufzunehmen, und bemerkte etwa: „Ich würde mir nie verzeihen, eine solche Geschichte vor der Vergessenheit zu retten! Schrecklich!“

Trotz aller Bewunderung und Loyalität übte Marie Festetics dennoch oft deutliche Kritik am Verhalten der Kaiserin und stellte etwa 1873 fest: „Sie ist eine Schwärmerin, und ihre Hauptbeschäftigung ist Grübeln. (...) Sie brauchte eine Beschäftigung, und da die einzige, die sie hätte, ihrer Natur zuwider ist, liegt in ihr alles brach.“ Corti: „Die Gräfin wird nicht müde, sich in ihre Herrin hineinzudenken.“

Die Arbeit als Hofdame, die Elisabeth auf ihren zahlreichen Reisen und Wanderungen begleiten musste, wurde im Laufe der Jahre zu anstrengend für Marie Festetics. „Ich bin totgegangen“, schrieb sie 1882 nach einem langen Fußmarsch in ihr Tagebuch. Wenige Jahre vor Elisabeths Tod wurde sie durch eine andere Ungarin, Gräfin Irma Sztáray, ersetzt.

Über Elisabeths Ermordung war Marie Festetics verzweifelt und schrieb an Ida Ferenczy: „Viel werden wir noch zusammen trauern, Ida, uns gehörte das Beste. Das wird uns niemand rauben, es ist ein Juwel - wir liebten sie immer, nicht wie viele, die erst darauf kamen, als der Dolch ihr Herz durchbohrte.“

Sonstiges

Der Biologe Antal Festetics ist Marie Festetics' Großneffe.

Literatur

  • Egon Caesar Conte Corti: Elisabeth, die seltsame Frau. Nach dem schriftlichen Nachlaß der Kaiserin, den Tagebüchern ihrer Tochter und sonstigen unveröffentlichten Tagebüchern und Dokumenten. Pustet, Salzburg u. a. 1934.
  • Brigitte Hamann: Elisabeth. Kaiserin wider Willen. Überarbeitete Neuausgabe, Taschenbuchneuausgabe, 10. Auflage. Piper, München u. a. 2008, ISBN 978-3-492-22990-6 (Serie Piper 2990).

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