Mark Nicholson

Magnus Douglas "Mark" Nicholson (* 6. März 1871 in Oakengates, Shropshire, England; † 3. Juli 1941 in Oswestry, Shropshire, England) war ein englischer Fußballspieler des ausgehenden 19. Jahrhunderts und einer der wichtigsten Wegbereiter des Fußballsports in Österreich. Dort trat er ausschließlich als M.D. Nicholson (managing director) auf und war unter anderem erster Präsident des 1900 gegründeten ersten österreichischen Fußballverbandes.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Mark Nicholson (stehend 2.v.l.) als Mitglied einer Wiener Auswahlmannschaft im Jahr 1899

Mark Nicholson begann seine Karriere als Spieler im April 1889 bei Oswestry Town. Im Mai 1891 unterschrieb er einen Profivertrag bei West Bromwich Albion. Sein erstes Ligaspiel bestritt er im September 1891 gegen den FC Everton und er wurde in den nächsten drei Jahren zu einer der wichtigen Stützen der Abwehr seines Vereins, für den er insgesamt 67 Bewerbsspiele absolvierte. Seinen Karrierehöhepunkt als Aktiver erlebte er mit dem Sieg im FA Cup am 19. März 1892 vor 32.810 Zuschauer im Kennington Oval mit 3:0 gegen Aston Villa. Er verließ den Verein, um eine Stelle als stellvertretender Direktor einer Schule in Bedford anzunehmen und setzte seine Karriere beim nahe gelegenen Luton Town fort.

Nach einem Aufenthalt in Marseille wurde der Engländer 1897 von seinem nunmehrigen Arbeitgeber, dem internationalen Reisebüro Thomas Cook and Son, das gerade eine Filiale in Wien etablierte, als Büroleiter an die Donau versetzt. Die Vienna war zu der Zeit noch immer ein vorwiegend englischer Verein und so spielte Nicholson bald für den ältesten Fußballverein Österreichs. Der Brite sollte für die weitere organisatorische und technische Entwicklung des gesamten Fußballsports in Österreich schicksalhafte Bedeutung haben. Nicholson, ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, war eine Ausnahmeerscheinung im österreichischen Fußball, dem innerhalb kurzer Zeit alle Türen offen standen. Er war nicht nur der mit Abstand beste Fußballer im Wien der damaligen Zeit und absoluter Star und Kassenmagnet seines Vereins, sondern übernahm alsbald auch Agenden als Organisator und Funktionär bei der Vienna.

Bei seinem ersten Antreten als Fußballspieler am 15. November 1897 im Derby gegen den Vienna Cricket and Football-Club war er auch vom damals gefürchteten Iren William Flavin, den die Cricketer auf ihn angesetzt hatten, nicht zu stoppen. Aufgrund seiner Technik und Wendigkeit ließ er seinen Gegenspieler mehrmals ins Leere laufen, so dass dieser dabei sogar mehrmals stürzte und sich in weiterer Folge bei Attacken gegen Nicholson entnervt zurückhielt. Der gelernte Verteidiger avancierte in Österreich aber auch zum Torjäger. Aus etwa 40 Meter Entfernung schoss er in diesem Spiel so scharf auf das Tor der Cricketer, dass fast niemand den Schuss verfolgen konnte. Der Referee versagte dem Treffer die Anerkennung worauf ein wilder Streit der Vienna-Spieler mit dem Schiedsrichter ausbrach. Nicholson hingegen nahm die Entscheidung des Unparteiischen mit englischer Gelassenheit hin, stellte nach dem Spiel aber sofort einen Antrag auf Einführung von Tornetzen, wie dies in seiner Heimat bereits seit 1891 üblich war.

M.D. Nicholson im Jahr 1902

In weiterer Folge reformierte er nicht nur das Training und die Spielgestaltung der Döblinger, sondern setzte sich für die Organisation des gesamten Fußballspiels in Österreich ein. 1898 organisierte Nicholson das Comité zur Veranstaltung von Fußball-Wettspielen. Diesem, als Vorgänger des ersten Fußballverbandes angesehenen Komitees gehörten neben Nicholson selbst noch die Herren H. W. Gandon (Cricket), Joli (Vienna), Prof. Heinrich Strehblow (Wiener AC) Rosenfeld (Wiener FC 1898) M. D. Albala (Viktoria) Skalitzky (Vindobona) und Hawelka (Rasenclub Austria) an. Eine der ersten Aktivitäten dieses Komitees war die Verpflichtung der Fußballmannschaft der Oxford University zu zwei Gastspielen in Wien für das Jahr 1899. Nicholson trat dabei in der zweiten Begegnung der Wiener Auswahlmannschaft gegen Oxford als Verteidiger an, verlor jedoch mit seiner vorwiegend aus in Österreich tätigen Engländern bestehenden Mannschaft gegen die Briten mit 0:13.

Am 4. Jänner 1900 schloss sich dieses, als Interessenvertretung aller Vereine gegründete Comité, zur Österreichischen Fußball-Union zusammen. Bis zu seiner Rückkehr nach England im Oktober 1900 übte Nicholson selbst das Amt des ersten Präsidenten aus. Die Union, die für einen geregelten Spielbetrieb und organisierte Meisterschaften sorgen sollte, löste sich jedoch bereits 1904 aufgrund ihrer Machtlosigkeit gegenüber den Vereinen wieder auf und fand ihren Nachfolger im Österreichischen Fußballverband, dem Vorgänger des heutigen ÖFB.

Im letzten Spiel für die Vienna, einem Freundschaftsspiel gegen den FC Zürich, hütete Nicholson sogar das Tor und war damit mitverantwortlich für einen grandiosen 4:0 Erfolg der Wiener. Als Nicholson Wien wieder verließ, schied er als österreichischer Fußballpionier und erster Ehrenkapitän auf Lebenszeit der Vienna. Er war danach für seinen Arbeitgeber in Hamburg, Ägypten sowie für viele Jahre in Paris tätig. Nach seiner Rückkehr in die Heimat leitete er einen Industriebetrieb.

1914 gründete sich, in Erinnerung an den Engländer, sogar ein Wiener Fußballverein mit dem Namen FC Nicholson und den Klubfarben Blau-Gelb. Aus diesem Verein wurde 1933 der bekannte FC Wien.

Stationen

Erfolge

  • 1 x Sieg im FA-Cup: 1892 (West Bromwich Albion; als Spieler)
  • 2 x Sieg im Challenge-Cup: 1899, 1900 (Vienna; als Spieler und Trainer)
  • 1 x Semifinale im Challenge-Cup: 1897 (Vienna; als Spieler)

Weblinks

Literatur

  • Karl Kastler: Fußballsport in Österreich; Trauner Verlag, Linz 1972, ISBN 3-85320-111-3
  • Karl Heinz Schwind: Geschichten aus einem Fußballjahrhundert; Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1994; ISBN 3-8000-3512-X