Martha Marbo

Martha Marbo (* 1. April 1922 in Wien als Martha Schlüsselgruber; † 9. November 2004 in Frankfurt am Main) war eine österreichische Schauspielerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Marbo absolvierte eine Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar in Wien; durch die damaligen zeitgeschichtlichen Ereignisse bedingt kam sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Salzburg. Ihr Debüt als Schauspielerin gab sie im August 1945 bei den Salzburger Festspielen. Sie spielte, an der Seite von Albin Skoda, die Geliebte des Claudio in Hugo von Hofmannsthals Kurzdrama Der Tor und der Tod.[1] Im Oktober 1945 wirkte sie in Salzburg gemeinsam mit Helmut Janatsch in der ersten Ausstrahlung der Radiosendung Du holde Kunst mit, die Ernst Schönwiese, der damalige Leiter der Literaturabteilung des Besatzungssenders Rot-Weiß-Rot in Salzburg, ins Leben gerufen hatte. Marbo und Janatsch lasen Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller; die live produzierte Sendung wurde mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven untermalt.[2]

Es folgten dann Theaterengagements am Burgtheater Wien, in Heidelberg, Wiesbaden, Kiel, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main. In Frankfurt, wo Marbo später ihren Wohnsitz nahm, trat sie unter anderem an den Städtischen Bühnen Frankfurt, am Fritz-Remond-Theater, wo sie über drei Jahrzehnte zum Ensemble gehörte, und an der Komödie auf. Sie gastierte auch bei den Festspielen Heppenheim.[3]

In der Spielzeit 1951/1952 trat sie am Bayerischen Staatsschauspiel als Rosaura in der Deutschen Erstaufführung der Nestroy-Posse Theaterg’schichten auf (Premiere: Dezember 1951) auf.[4] In der Spielzeit 1952/1953 trat sie in Frankfurt im Theater am Roßmarkt in der Titelrolle von Fräulein Julie auf; ihre Partnerin als Köchin Kristin war Liesel Christ.[5] Im Dezember 1956 spielte sie im Wiener Akademietheater die Dynamene in dem Einakter Ein Phönix zuviel von Christopher Fry; ihre Partner waren Dagny Servaes und Michael Janisch.[6] 1965 wirkte sie, gemeinsam mit Heinz Pielbusch, am Kleinen Theater im Zoo in den Aufführungen der beiden Theaterstücke Das Stegreifspiel von Versailles und DGT Herr von Pourceaugnac mit.[7] 1965 spielte sie im Kleinen Theater im Zoo gemeinsam mit Fritz Rémond, Anna Teluren und Lotte Barthel auch in der Salonkomödie Sein letztes Testament von Sacha Guitry; die Aufführung wurde auch für das Fernsehen aufgezeichnet. Im September 1990 spielte sie am Fritz-Rémond-Theater in der Boulevardkomödie Na und? von Françoise Dorin an der Seite von Hans-Joachim Kulenkampff, Cornelia Köndgen und Heini Göbel.[8] Marbo war bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv. Im November 2000 wirkte sie in Frankfurt bei dem Theaterprojekt Kreuzworträtsel Boxenstopp mit; ein künstlerisches Projekt, in dem zwei professionelle Schauspielerinnen mit Laiendarstellerinnen aus einem Altenwohnheim gemeinsam Theater spielten.[9][10] Zuletzt trat Marbo 2003/2004 unter der Regie von Jo van Nelsen bei den Burgfestspielen Bad Vilbel in dem Musical Heute abend Lola Blau von Georg Kreisler auf.[11][12]

Marbo arbeitete auch häufig als Sprecherin für Hörspiele. 1952 übernahm sie die Rolle der Prinzessin Lena in Georg Büchners Lustspiel Leonce und Lena in einer Produktion des Hessischen Rundfunks; ihre Partner waren Gerd Martienzen, Erich Ponto, Martin Held und Edith Heerdegen.[13] 1959 war sie beim Hessischen Rundfunk in der Rolle einer Schwester in einer Hörspielfassung von Stefan Zweigs Erzählung Die Schachnovelle beteiligt.[14] 1962 sprach sie beim Hessischen Rundfunk das Fräulein Rihoschek in der Hörspielproduktion von Arthur Schnitzlers Novelle Spiel im Morgengrauen.[15] 2000 nahm sie gemeinsam mit Maria Singer und Tilla Hohenfels die Komödie Die Präsidentinnen von Werner Schwab auf.[16]

Marbo war auch in einigen Kinofilmen und in deutschen und österreichischen Fernsehproduktionen zu sehen. Dabei wirkte sie mehrfach in Fernsehproduktionen von Theaterstücken mit. Schwerpunkt ihres künstlerisches Schaffens blieb jedoch stets ihre Theaterarbeit.

1948 spielte sie in der österreichischen Filmkomödie Die Verjüngungskur, einem Film, der in Thiersee, dem damaligen Zentrum der österreichischen Nachkriegsfilmindustrie, entstand. Unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner war sie 1952 in dessen Film 1. April 2000 an der Seite von Hilde Krahl zu sehen. 1967 übernahm sie die Rolle der Madame Schleyer in der Posse mit Gesang Der Zerrissene in einer Fernsehproduktion des Österreichischen Rundfunks mit Josef Meinrad. 1981 hatte sie eine kleine Rolle in einer Fernsehinszenierung von Heinrich von Kleists Schauspiel Das Käthchen von Heilbronn unter der Regie von Peter Beauvais.[17]

In den 1990er Jahren spielte sie auch in einigen Fernsehserien. In der ARD-Fernsehserie Die Lindenstraße verkörperte sie 1993 für einige Folgen die Rolle der Frau Dabelstein, die Mutter von Wolf-Dieter Dabelstein, dem tödlich verunglückten Chef der Serienfigur Anna Ziegler.[18] Außerdem war sie in den Kriminalserien Kommissar Rex, Ein Fall für zwei und Tatort zu sehen.

1984 trat sie in Stuttgart in der Sendung Einer wird gewinnen als Künstlerin auf. In dem obligatorischen satirischen Einspielfilm war sie die Königin.

Marbo war seit 1953 mit dem Journalisten und ehemaligen Rundfunkchef des Senders Rot-Weiß-Rot, Hans Cohrssen (1905–1997) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, ein Sohn und eine Tochter.[19][20]

Filmografie (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Tor und der Tod Archiv Salzburger Festspiele
  2. 60 Jahre „Du holde Kunst“ ORF.at
  3. Weibliche Schauspieler seit 1974 Festspiele Heppenheim
  4. …dann spielten sie wieder. Das Bayerische Staatsschauspiel 1946–1986. Seite 189. München 1986. ISBN 3-765-42059-X
  5. Sabine Hock: Liesel Christ. Volksschauspielerin. Eine Biographie. S. 82 f. ISBN 3-782-90546-6
  6. Ein Phönix zuviel Besetzungszettel, Saison 1956/1957
  7. Heute abend spielt Moliere, ZEIT Ausgabe 11/65 (Version vom 9. Februar 2009 im Internet Archive)
  8. Kuli: Na und? Notabene, September 1990
  9. Kreuzworträtsel Boxenstopp Inszenierungsdetails Rimini Protokoll
  10. Vier alte Damen spielen Boxenstopp Kritik Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung; 12. November 2000
  11. „Heute abend: Lola Blau“ Offizielle Webseite des Regisseurs Jo van Nelsen
  12. Burgfestspiele Bad Vilbel Programm 2004
  13. Leonce und Lena Hessischer Rundfunk 1952
  14. Die Schachnovelle Fischer Theater Verlag
  15. Spiel im Morgengrauen Arthur Schnitzler: Hörspiele in chronologischer Reihenfolge
  16. Die Präsidentinnen Literaturhaus Graz
  17. Das Käthchen von Heilbronn Kleist-Videos; Kleist-Archiv Sembdner
  18. Linden-Gäste, Kleinere Rollen
  19. M. Nussbaum Tree Familienstammbaum
  20. Relatively Speaking 2004 Todesnachricht mit Kondolenz